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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


Die zeitgenössischen Schriften in der Empfindsamkeit vermitteln ein Ideal des Kritikers mit ethischem und künstlerischem Urteilsvermögen. Die Eigenschaften der Vernunft und Empfindung sind Teile eines Bildes, das dem zeitgenössischen Kritiker gegenübergestellt wird. Popes Essays sind die ersten der Gattung nach kritischen Schriften, die in einem Buch für den Leser (reader) gedruckt werden. Sein Gedicht mit dem Titel De arte critica liber erscheint im Jahre 1782 in Deutschland. Für die Unterscheidung von Kritikern gegenüber Laien bei der Kritik zur bildenden Kunst und Literatur wird im Jahre 1786 im Deutschen Museum in dem Artikel Ein Wort über Kritik mit der Nachdichtung eines Teils seines Gedichtes unter dem Titel Versuch über die Kritik nach ihrer Erstveröffentlichung im Jahre 1713 sein Werk in Deutschland bekannt. Wie der Verfasser der deutschen Rezension bemerkt, stellt Pope in diesem Essay on criticism fest, daß entgegen dem auf den Kritiker übertragenen Ideal der größere Teil der Kunstrichter Willkür in Form von Machtsprüchen statt Gründen, Tadel anstelle der ruhigen Wägung in Bemerkungen über das Lobenswürdige und Tadelhafte durch Wegwerfung einer einheitlichen Zurechtweisung in leidenschaftlichem, ungesitteten Ton äußert. (342) Nach der Erwähnung von Quintilians Anweisung, über Männer von erkanntem Verdienst zu urteilen, folgt der Verfasser der Antithetik in Quintilians Lehre, die den zeitgenössischen Verfall dem Ideal des perfekten Redners (orator perfectus) gegenüberstellt. Den vollkommensten Kunstrichter zeichnen die Tugenden seiner Bescheidenheit und die Eigenschaft aus, soviel möglichst allgemein bei den Empfindung eines einreißenden falschen Geschmacks bei stärkern Ausbrüchen zu reagieren. (343)

Wo ist der Mann, zum Rath geschickt, der, nicht
Auf"s Wissen stolz, gern mittheilt, was er weis.
Den Gunst nicht lenkt, noch Haß, der unbesiegt
Von dummem Vorurtheil, nicht blindlings nur
Recht richtet, der mit der Gelehrsamkeit
Gesittetheit und mit Gesittetheit
Aufrichtigkeit verknuepft; der liebreich streng,
Bescheiden kuehn erscheint; der ohne Scheu
Die Fehler zeigt dem Freund" und gern Verdienst
Des Feindes preis"t; deß richtiger Geschmack
Nicht Grenzen kennt, der Buecherkunde paart
Mit Menschenkunde, der voll Edelmut
Im Umgang ist, nicht stolz im Busen naehrt,
Und, lobt er, (Freud" ist"s ihm) mit Gruenden lobt. (344)

Pope nutzt in dem Gedicht An Essay on criticism den Begriff Prüfung (Test) für die Untersuchung von Kunst (art) und Natur (nature), der nach den Eigenschaften von Körpern wie Geist (spirit), Nerven (nerves) und Bewegung (motion) zur Beurteilung (Judgement) dient. In diesem Gedicht, das die Klage und die Anrufung als eine stilistische Form wählt, werden als Tugenden Wissen, Gelehrtheit, Gesittetheit, Kühnheit, Geschmack und Edelmut genannt:

First follow nature, and your Judgement frame
By her just Standart, which still the same:
One clear, uncharged, and Universal Light,
Fife, Force, and beauty, must all impart,
At once the source, and End, and Test of Art.
Art from that Fund each just Supply provides;
Works without Show, and without Pomp presides;
In some Fair Body thus th´informing Soul
With Spirits feeds, with vigour fills the whole,;
Each Motion guides, and every Nerve sustains;
Itself unseen, but in th´Effects, remains.
Some, to whom Heaven in Wit has been profuse,
Want as much more, to turn it to its use;
For Wit and Judgement often are at strike,
Thoug meant each other´s Aid, like Man and Wife.
´Tis more to guide than spur the Muse´s Steed;
Restrain his Fury, than provoke his Speed;
The winged Courser, like a gen´rous Hourse,
Shows most true Mettle when you check his Course.
(345)

Auch die Aufgaben des Kritikers werden durch Regeln (Rules) und Gesetze (Laws) beschrieben:

Those Rules of old discovered, not devised,
Are nature still, but Nature methodised:
Nature, like Liberty, is but restrained
By the same Laws which first herself ordained.
The gen´reous Critic fanned the Poet´s Fire,
And taught the World with Reason to Admire.
Then Criticism the muse´s Handmaid proved,
To dress her Charmes, and make her more belov´d:
But following Wits from that Intention strayed,
Who could not win the mistress, wooned the Maid;
Against the Poets their own arms they turned;
Sure to hate most the Men from whom they learned.
(346)

Zurück zum Text  342. Anonymus: Ein Wort über Kritik. In: Deutsches Museum. 1786. 1. Bd. 4. u. 5. St. S. 372-375. Zitat S. 373. Vgl.: Quintilian: Institutio oratoria. 1. pr. 10.-16. 1972. Bd. 1. S. 6-10.

Zurück zum Text  343. Anonymus: Ein Wort über Kritik. 1786. Zitat S. 374.

Zurück zum Text  344. Anonymus: Ein Wort über Kritik. 1786. S. 372.

Zurück zum Text  345. Selected Poems of Pope. Edited by Philip Brockbank. London 1964. S. 198-199.

Zurück zum Text  346. Selected Poems of Pope. 1964. S. 199-200.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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