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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik 2.1.4 Begriffe, Themen und Motive der Kritik von Gedichten aus Deutschland in der ModerneDas Aufkommen von öffentlicher Kritik in der Literatur der Moderne setzen Autoren für eine Darstellung von Wirkungen der Poetik auf die bildende und darstellende Kunst ein. Das Rezensionswesen zu Büchern der zeitgenössischen Literatur ist ein weiterer Ort der Kritik. (363) Der Begriff Buchkritik ist verweist auf die Bearbeitung von Bücherbeständen in Bibliotheken. Als Synonym für die Literaturkritik wird dieser Begriff in Gedichten von Kurt Tucholsky genutzt. Tucholsky verfaßte mehrere Werke über die Kritik zur zeitgenössischen Kultur. Zu seinen Prosaschriften zählt die im Jahre 1924 verfaßte Abhandlung Kritik über den lieben Gott, die Schrift Cabaret-Kritik aus dem Jahre 1929 und im Jahre 1913 der Aufsatz Die Theaterkritik, wie sie sein soll. Den Begriff Buchkritik benutzt Tucholsky in der Schrift Die Krise des Buches. Wege zu ihrer Linderung, die er am 24. Juli des Jahres 1931 mit einer Warnung vor der Bücherkrise verfaßt: "Einer der Gründe der Bücherkrise scheint mir der zu hohe Preis des deutschen Buches zu sein. Alle Jammerklagen der Unternehmer ändern nichts an der Tatsache, daß Lohnabbau, Entlassungen und zu hohe Preise dahin geführt haben, daß auch diese Unternehmerkategorie ihre eigene Kundschaft kaputt macht [...]. Die Krise hat noch andere Gründe - aber was uns nottut, sind billige Bücher." (364) Tucholsky beschreibt in der Kritik des Parketts aus dem Jahre 1913 die Einflußlosigkeit der Kritik: "Wenn fromme Reden das Geschäft begleiten, dann fließt die Arbeit munter fort; und weil man sich nicht gern die Einflußlosigkeit der Kritik in diesen Dingen zugesteht, cachiert der Pressemensch unter Witzen, daß er gezwungen ist, achselzuckend zuzugeben, die neue Posse im Berliner Theater sei zwar ... aber -. Und das macht ja der Freundschaft kein Loch, deswegen geht sie doch." (365) Tucholsky beschreibt in seinem Gedicht Kritik in vierzeiligen Strophen in Formes eines Epigramms die Wirkungen des Theaters auf den Kritiker als Zuschauer, der von der Bearbeitung des schweren Dramas abweicht:
Carl Einstein, Berthold Brecht, Conrad Ferdinand Mayer und Friedrich Dürrenmatt sind Vertreter der Dichtung in der Moderne, die das Thema Kritik aufgreifen. In der Schweiz erscheint von Dürrenmatt die Rezension Die Freier. Lustspiel von Eichendorff für das im Jahre 1947 aufgeführte Werk mit den einleitenden Worten zum Verfahren der Theaterkritik: "Vielleicht der einzige Ausgangspunkt einer Theaterkritik, die mehr als der Ausdruck eines zufälligen Empfindens sein möchte, ist der, der untersucht, wie sehr die Aufführung ein Kunstwerk wiedergibt und wie sehr etwas anderes daraus gemacht wird." (367) Der Kriminalroman Der Richter und sein Henker von Dürrenmatt erschien erstmals im Feuilleton des Schweizer Beobachter im Jahre 1950. Der Mond wird als Symbol der Kritik in Kurt Martis Sammlung von Gedichten mit dem Titel Namenszug mit Mond aus dem Jahre 1996 genutzt. Marti gliedert seine Gedichte in republikanische gedichte, gedichte am rand, gedichte alfabeete & cymbalklang, rosa loui, leichenreden, heil vetia, undereinisch, heimatkund, tagebuech, blondbuech, allersiebnisch, meergedichte und alpengedichte, abendland, mein barfuß lob und da geht dasein. In der ersten Strophe von seinem Gedicht vollendbild mond kommst rund uns wird das vollendbild beschrieben. Auf gesellschaftliche Mißstände im 20. Jahrhundert verweist Robert Gernhardt in einem Gedicht mit den Titelworten Zeitkritisches Gedicht.
Vgl. zur jüngeren Buchkritik: Rothbart, Otto-Rudolf: Bibliothekarische Buchkritik. Zwischen Pädagogik, Propaganda und Praktikabilität. Wiesbaden 1996. S. 89-94.
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