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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


In der Komödie Der Dichter als Schwein von Franz Xaver Kroetz treten die Personen Dichter, Cerolein, seine Tochter, Inge, eine Freundin, Max, ein Freund, Lorenz, ein Dichterkollege, Mutter des Dichters, Gundi, bayrische Freundin, Rosl, ihre Mutter, Sepp, ihr Vater, Alois, Gundis Ehemann und die Tochter Fanni von Gundi und Alois auf. Das erstmals im Jahre 1987 in der Deutschen Demokratischen Republik erschienene Gedicht Kritisches Bewußtsein von Heinz Czechowski beschreibt in einer Klage einen Zustand des Landes aus der Sicht eines Reisenden durch eine von Industrie verunstaltete Landschaft. Mit der Anrufung an das Lessing-Land und der Utopie des Niemandsland wird der Gegensatz zwischen der Gegenwart und der Fiktion dargestellt:

Kritisches Bewußtsein
Der Zug stößt durch die Dunkelheit,
Vorbei an Gräben, Gräbern, Abfallplätzen.
Von Bitterfeld bis Schönefeld:
Bauplatz und Schrottplatz
Kaum zu unterscheiden.
Die kleinen Flämingdörfer spiegeln sich
Im angestauten Regenwasser.
Für einen Augenblick
Öffnet der Himmel sich: die Sonne
schickt einen Gruß ins Nichts.
Es scheint, das Land besteht aus
Müllabladeplätzen.
Die grauen Reiher, diese schönen Tiere,
Stehn, scheint es, ratlos im Verfall.
Die Wälder wie verfilzte Gräser, Sperrgebiete.
Und dann verwirren sich die Gleise.
Mach deinen Film: die abgewrackten
Vierlingsgeschütze, die Autos und die Kutschen
Der DEFA sagen alle: Armutei.
Gesichter
Vom Knattermimen und Komparsen
In Uniformen: in der Dichter Land
Wird die Vergangenheit bewältigt.
Der Arnims Gräber, Huchels Wilhelmshorst -
O Land, o Lessing-Land,
In dem sich so viel Traurigkeit versammelt.
Ein Volk von Jägern und Gejagten
Beginnt, in die Geschichte einzugehen.
Der graue Reiher, dieses schöne Tier,
Mein Wappenvogel, steht indessen
Im Niemandsland, wo sich das Schweigen sammelt,
Und führt das Wort.
(370)

In dem Gedicht Die Schlange von Fritz Usinger wird ein Zyklus mit dem Vergleich Es muß die Sprache wieder/ Sprachlos werden, denn es beginnt mit/ Altem sich nichts beschrieben. (371) Barbara Frischmuths Roman Die Frau im Mond aus dem Jahre 1982 ist ein Gedicht von Christine Lavant vorangestellt, in dem die Allegorie des aus der Einsamkeit herausgeschälten Wissen einer Magd, die Äpfel im Mond schält, die sie nicht ißt, als Symbol für den Widerspruch von Kritik steht:

Wie gut, daß ich verborgen bin
und niemals wieder sichtbar werde
Mein Kern - im Widerspruch zur Erde -
Begab sich selbst zum Mond hin,
Jetzt kannst du ruhig schlafen.
Der Ort, wo wir uns trafen,
war niemals wirklich in der Zeit.
Verzeih mir dies- aus Einsamkeit
Herausgeschälte -Wissen.
Vielleicht fühlt sich dein Kissen
trotzdem auch manchmal tauig an,
vielleicht verkündet dir der Hahn
vom Hühnerbaum her oft zu grell,
daß jetzt der Morgen wieder hell
gläsern über deinem Dach
heraussteigt, während du ganz schwach
und übernächtigt bist?
Ich bin es nicht, die dich dann quält,
ich bin die Magd, die Äpfel schält
im Mond und keinen ißt.
(372)

Zurück zum Text  370. Literatur im Widerspruch. Gedichte und Prosa aus 40 Jahren DDR. Heraus-geben von Joachim-Rüdiger Groth. Köln 1990. S. 183.

Zurück zum Text  371. Usinger, Fritz: Werke. Herausgegeben von Siegfried Hagen.Waldkirch 1985.S. 68-70. Zitat S. 69.

Zurück zum Text  372. Frischmuth, Barbara: Die Frau im Mond. Roman. Salzburg und Wien 1982. O. S.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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