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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


Im 20. Jahrhundert behandeln Romane das Thema Kritik mit dem Motiv Krise. Felix Phillip Ingolds Aufzeichnungen in seinem Tagebuch aus dem Jahre 1996 mit dem Titel Freie Hand sind ein Vademecum durch kritische, poetische und private Wälder mit Anmerkungen zu einzelnen Themen der Sprache. Ingold beschreibt die Sprache durch Wortkunst: "Was Sprache ist, wird augen- ohrenfällig in der Wortkunst. Denn in der Wortkunst spricht keineswegs eine andere, der Alltagsrede entgegengesetzte Sprache sich aus; vielmehr kommt im künstlerischen Text die Sprache, kraft ihrer Künstlichkeit, der Natur am nächsten." (399) Die Erzählung über die Rhetorik setzt Ingold nach einem Zitat von dem Schriftsteller Dzevad Karashan einem Autor mit einer Frage fort: "Der aus Sarajewo stammende Autor Dzevad Karashan brummelte unlängst in einem Interview: "Ich bin Schriftsteller, und ich schweige." Begründung: "Als ich in Zagreb die bosnischen Flüchtlinge schweigen sah, wußte ich, daß ich Zeuge sein muß, denn sie haben keine Sprache." Auch eine Logik; und die rhetorische Frage "Wozu noch ein Buch schreiben, wenn in der bosnischen Bibliothek von Sarajewo 700000 Bücher verbrannt sind?" der Mann sollte wohl, statt vom Schweigen zu reden, tatsächlich schweigen. Also weiterschreiben." (400)

Zu den Metaphern für die Kritik in der Literatur zählen die Sterne. Wilhelm Raabes im Jahre 1859 publiziertes Werk Phantasie in fünf Bruchstücken erscheint mit dem Titel Wer kann es wenden. Raabes Roman Die Leute aus dem Walde behandelt im 21. Kapitel Große Krise in Nummer zwölf- höchst tragisches Kapitel mit dem Untertitel Der Polizeischreiber Fiebiger entdeckt etwas, was andere Leute längst wissen das Motiv Krise in einer Beschreibung des Schicksal der Menschen: "Die Sterne wandeln ihren Weg und achten auf alle Menschen. Wenige der Erdgeborenen kümmern sich darum. Ein Messer wetzet das andere und ein Mensch den andern; die Sterne aber bringen Messer und Menschen zusammen. Nach den Sternen sehen, wenn die Kämpfer auf einanderdringen und die Klingen aneinanderschlagen, ist gut und nützlich und ein Zeichen nicht gemeinen Geistes, das lehren - Die Leute aus dem Walde." (401)

In Vorworten wird die Krise als autobiographisches Element von Autoren beschrieben. Affekte dienen als ein Ausdruck für das Motiv der Krise in einem Briefroman von Jalov Lind. Lind schreibt in dem Vorwort seines Romans in Briefen mit dem Titel Der Erfinder über die Umstände, unter denen er das Buch verfaßte: "Dieses Buch entstand zu einer Zeit, als es mir seelisch und finanziell miserabel ging." (402) In dem Roman Hermes und die goldene Denkmaschine von Alexander Tzonis, der im Jahre 1993 gedruckt wurde, wird in dem Kapitel Krisensitzung ein Dialog zwischen Hermes und Votris dargestellt. (403) Hermann Hesses Gedichtsammlung Krisis wird mit dem Untertitel Ein Stück Tagebuch im Jahre 1977 veröffentlicht. In der Schrift Der Radardenker beschreibt Benn Krisen der Herrschaft mit Metaphern der Natur: "Krisen gab es auch sehr viele, die einen halten die zur Zeit der Auflösung des Römischen Reiches für die einschneidendste, andere die von heute. Mir ist Krise ein zu nonchalantes Wort. Du glaubst zu jagen und du wirst verjagt- Dämonen, Schuppenechsen, Eiszeiten, Schwankungen der Erdachse, Organumbildungen, eine lange Reihe von Sonderbarkeiten, unbegreiflich für domestizierte Etagen - und laubenproblematiker, doch wer mit Radarmethoden trainiert, bekommt eine leichte Achse." (404)

Franz Xaver Kroetz notiert in dem Roman Der Mondscheinknecht wie in einem Tagebuch die Beobachtung des Anton Kreunberger über sich selbst. Der Protagonist beschreibt hier seinen Traum: "Heute nacht einen langen Traum geträumt. Ich war inmitten schieferfarbener Hügel, die mit Mandelbäumen weitläufig bepflanzt waren. Die Bäume hatten keine Blätter, aber vereinzelt Früchte." (405) Den Anfang des Manuskripts zu dem Roman Der Gestohlene Mond läßt Ernst Barlachs im April 1936 mit einem Hinweis auf die Wirkung des Erlebens beginnen: "Wenn man eine wichtige, sagen wir: besondere Sache frisch erlebt, so tut manīs zunächst leicht in Unterschätzung ihrer Bedeutung." (406) In vier Manuskripten zur Kritik des Schwierigen von Hugo von Hofmannsthal liegen Teilen von Dialogen vor:

N1
Kritik des Schwierigen
Cari, der Mann ohne Absicht
Das aristokratische Medium nur die Cristallisationssphäre
N 2
Kritik des "Schwierigen"
einer citiert: Kierkegaard er sagt: er finde es ein ernstes Stück -was die andern für eine vernichtende Kritik erklären.
Anfang: ob es eine Schlüssel-Comödie sei, also eine Infamie oder eine Persiflage
Die Dame, die behauptet, es sei eine Persiflage, sagt auch es sei ein Ausfluss von Snobism Kriecherei vor einer Welt die ... - Die gar nicht existiert ...
Aber das sagt er ja selbst in dem Stück.
Heutzutage!
N 3
Kritik des Schwierigen
Nie würde in der ersten Gesellschaft Helen dem Cari Sie sagen aber das sind ja Nichtigkeiten
Das ganze Stück dreht sich um Nichtigkeiten-
der Mann ohne Absicht-
Figuren die fortwährend über einander reden: - das tun die im Misanthrope auch- o mein Gott! Molière!
Feindin: ein abominales Stück
N 4
Kritik des Schwierigen
Der Freund: Wollen sie nur die Hypothese erlauben dass dies doch Etwas ist - wogegen sehr vieles vielleicht Nichts ist.
Der Freund, mehrmals: Aber um das handelt sichīs doch gar nicht! (wie man unterschiebt: es handelt sich um Manieren, um Äusserlichkeiten.
(Freund: Um innerste)
Der Freund. Dieser Mensch könnte auch ein Bauer sein
Dame: Ein reizender Bauer -
Begriffe: Kraft Humor
(407)

Zurück zum Text  399. Ingold, Felix Philipp: Freie Hand. Ein Vademecum durch kritische, potische und private Wälder. München und Wien 1996. S. 8.

Zurück zum Text  400. Ingold: Freie Hand. 1996. S. 98.

Zurück zum Text  401. In: Raabe, Wilhelm: Die Leute aus dem Walde. In: Wilhelm Raabe. Sämtliche Werke. Im Auf-trag der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft. Her-ausgegeben von Karl Hoppe. Bd. 5. Bearbeitet von Kurt Schreinert. Göttingen 1971. S. 426-427.

Zurück zum Text  402. Lind, Jalov: Der Erfinder. Ein Roman in Briefen. München und Wien 1988. O. S.

Zurück zum Text  403. Tzonis, Alexander: Hermes und die goldene Denkmaschine. Braunschweig und Wiesbaden 1993. S. 236-241.

Zurück zum Text  404. Benn, Gottfried: Prosa und Szenen. Gesammelte Werke in vier Bänden. Her-ausgegeben von Dieter Wellershoff. 2. Bd. Wiesbaden 1958. S. 262.

Zurück zum Text  405. Kroetz, Franz Xaver: Der Mondscheinknecht. Fortsetzung. Roman. Frankfurt am Main 1983. S. 43.

Zurück zum Text  406. Barlach, Ernst: Der Gestohlene Mond. Rostock 1989. S. 5.

Zurück zum Text  407. Hofmannsthal, Hugo von: Sämtliche Werke. Bd. XXXI. Erfundene Gespräche und Briefe. Herausgegeben von Ellen Ritter. Frankfurt am Main 1991. S. 197-198.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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