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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


In der Kaiserzeit Roms behandelt Plinius d. J. in seinen Briefen das Urteil über die Literatur der Gegenwart und früherer Zeiten. Unter diesen Briefen befindet sich in seinem Schreiben an Clemens die Charakterisierung des Philosophen Euphrates mit dem Vergleich des Urteilens (iudicare) von einem Künstler (artifex) und einem Weisen (sapiens). In seinen Beschreibungen, die das Urteil (iudicium) seiner Zeitgenossen dokumentieren, dient ihm Euphrates als eines der Beispiele (exempla) für das Blühen der studia liberales: "Ut enim de pictore, scalptore, fictore nisi artifex iudicare, ita nisi sapiens non potest perspicere sapientem." (452) Plinius beschreibt am Beispiel des Paternus das Urteil des Geistes (animi iudicium) bei der Bewertung von dessen Gedichten: "Ut animi tui iudicio, sic oculorum plurimum tribuo, non quia multum, ne tibi placeas, sed quia tantum quantum ego sapis;" (453) Plinius erwähnt für die Bildung des Urteils (iudiciums) des Paternus das Gesetz (lex) von Catull:

Nam castum esse decet pium poetam
ipsum, versiculos nihil necesse est
qui tunc habent salem et leporem,
si sunt molliculi et parum pudici.
(454)

Die Bewertung von Briefen durch Zensur (censura) und das Aufzeigen des Fehlers (vitium) ist in der Antike überliefert. So verweist der Verfasser der Rhetorica ad Herennium am Beispiel für einen irrealen Fall, daß niemand meinen dürfte, von der Tugend (virtus) abzuweichen, auf das Ermessen (censere) als Methode: "Nam nemo erit, qui censeat a virtute recendandum;" (455) Quintilian nutzt die Begriffe ´Urteil von Zensoren´ (Censorium judicium) und ´heiligster Zensor´ (censor sanctissimus). (456) Quintilians Bedeutung für die Philologie und Literaturkritik wird in einem Gedicht, dem Lehrbrief des Horaz an die Pisonen über die Dichtkunst mit dem Titel Ars poetica überliefert, in dem die Anweisungen zur Korrektur, Wiederholung und Verzicht von dem Lehrer Quintilian beschrieben werden. (457) So schreibt Horaz über die Ratschläge des Lehrers:

Quintilianio si quid recitares: Corrigo, sodes,
Hoc, ajabat, & hoc. Melius te posse negares,
Bis terque expertum frustra? delere jubebat,
Et male tornatos incudi reddere versus.
Si defendere delictum quam vertere malles;
Nullum ultra verbum, aut operam semebat inanem,
Quin sine rivali teque & tua amares.
(458)

Zurück zum Text  452. Plinius, C. Caecilius Secundus: Epistolarum libri decem. Briefe. Lateinisch-deutsch. Herausgegeben von Helmut Kasten. München und Zürich 1984. S. 26-30. Zitat. S. 28.

Zurück zum Text  453. Plinius: Briefe. Epistolarum libri decem. Briefe. Lateinisch-deutsch. Heraus-gebenen von Helmut Kasten. Zürich 1995. S. 56.

Zurück zum Text  454. Plinius: Epistolarum libri decem. 1995. S. 218-221. Zitat S. 218.

Zurück zum Text  455. Rhetorica ad Herennium. Lateinisch-deutsch. Herausgegeben und übersetzt von Theodor Nüßlein. Zürich 1994. Liber III. S. 134.

Zurück zum Text  456. Quintilian: Institutio oratoria. Bd. 1. 1972. S. 402. 4, Pr. 3.

Zurück zum Text  457. Vgl. zum Problem der wissenschaftlichen Erfassung des Briefes und Horaz´ Rolle als Freund. Hirth, Hans Joachim: Horaz, der Dichter der Briefe. Rus und urbs - die Valenz der Briefform am Beispiel der ersten Epistel an Maecenas. Hil-desheim, Zürich und New York 1985. S. 70-86. Vgl zur Kritik im Vergleich mit dem Gemälde. Streidle, Wolf: Studien zur Ars poetica des Horaz. Hildesheim 1967. S. 10-12.

Zurück zum Text  458. Horatius Flaccus, Quintus: Sämtliche Gedichte. Lateinisch und deutsch. Mit einem Nachwort herausgegeben von Bernhard Kytzler. Stuttgart 1992. Zeile 438-444. S. 658.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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