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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


Eine literarische Gattung für die Überlieferung von Kritik unter den Gelehrten im 18. Jahrhundert ist der Brief. Autoren in der Aufklärung wie Christian Fürchtegott Gellert dient Cicero als ein Gewährsmann für das Verfassen von Briefen. Gellert bezeichnet in seinem Werk Briefe, nebst einer praktischen Abhandlung von dem guten Geschmacke in Briefen mit dem Hinweis auf Autoritäten der Antike und Neuzeit Beurtheilungen von Freunden und Kennern als Kritiken. Über die Fähigkeit zur Kritik (Critik) bei Cicero schreibt Gellert: "So groß er war, war doch nicht zu groß, um sich nicht bis zu einem Sprachfehler mit seiner Critik herab zu lassen, den sein Tiro in einem Briefe begangen hatte." Über Jean Racines Lehre zum Verfassen von Briefen macht er die biographische Notiz: "Wie sorgfaeltig bestraft nicht Racine, der Aeltere, seinen Sohn in seinen Briefen, wenn man sieht, daß so große Geister ueber die Richtigkeit ihrer Sprache so gar in Briefen gewacht haben." Die beiden Autoren sind für Gellert die Autoritäten des Schreibens von Briefen, mit denen Gellerts Lehre an die Lehre von den Schreibgattungen (genera scribendi) der Beredsamkeit anknüpft. Was für eine Schreibart entscheidend ist, vermittelt Gellert seinen Lesern mit der Empfehlung des Bewertens verfaßter Briefe durch die Kritiken von Freunden, die besser als Regeln zum Erlernen dieser Kunst geeignet sind: "Gut und richtig schreiben, wenn man sich einmal dazu gewoehnt hat, kostet nicht mehr Muehe, als schlecht schreiben. Schlechte Briefe schreiben, und studirt haben, das macht dem Studieren nicht viel Ehre. Und wenn man auch nichts sucht, als verstanden zu werden: so ists doch gewiß, daß keine Schreibart leichter verstanden wird, als Nutzens wegen, immer hoch gut zu schreiben. Ich will durch alles dieses niemandem, der einmal in dem Besitze einer ueblen Schreibart ist, in seinem Rechte stoeren. Nein, man kann sie haben, und immer noch ein wackerer und brachbarer Mann seyn. Ich will nur diejenigen jungen Leute, die gierig genug sind, eine Bitte von mir anzuhoeren, ersuchen, daß sie sich bey Zeiten an eine natuerliche und regelmaeßige Schreibart in Briefen gewoehnen; daß sie sich ihre Aufsaetze im Anfange von guten Freunden und Kennern beurtheilen lassen. Diese Kritiken werden sie aufklaeren, und sie das Natuerliche, das Wohlanstaendige besser finden lassen, als dicke Baende voll trockner und bestimmter Regeln." (476)

Die an der Briefkultur sich beteiligenden Autoren verwendeten im Zeitalter des Barock den Brief als eine Form für den Kommentar in der lateinischen Sprache. Die Kommentierung ist in dieser Zeit eine Methode in diesen Briefen, die Literatur untersuchen. Briefe zur Kunst und Literatur, die mit den Begriffen Kritiker und Criticus verfaßt werden, dienen als ein Kommetar zu Quellen und Gegenständen. Auch naturwissenschaftliche, juristische, medizinische und theologische Abhandlungen werden unter dieser Bezeichnung kritische Bearbeitungen veröffentlicht. Anonym wird im Jahre 1737 die Schrift Deutsche Republic der Gelehrten, worinnen die Grandes republicae literariae umstaendlich recensiert und unparteylich beurtheilet werden mit einer Ausfuehrlichen Nachricht von gelehrten collectoribus und collectionen ueberhaupt in Nürnberg gedruckt. Unter den Lehrgedichten ist die Schrift Ueber die gegenseitige Verachtung der Philosophen und Criticorum an Herrn Johann Benedict Carpzow aus Anlaß der Erteilung der Magisterwürde im Jahre 1740 in Leipzig mit einer Einleitung, in der ein Freund angerufen wird, von Abraham Gotthold Kästner verfaßt worden:

Ein seltnes Schicksal hat bey dir, o muntrer Freund,/
Doch noch Gelehrsamkeit mit der Vernunft vereint,
Und leerer Köpfe Zier, die Artigkeit des Sitten/
Hat unverdroßner Fleiß in dir bey sich gelitten.
(477)

Zurück zum Text  476. Gellert, Christian Fürchtegott: Briefe, nebst einer praktischen Abhandlung von dem guten Geschmacke in Briefen. In: Ders.: Roman, Briefsteller. Leben der Schwedischen Graefin von ***. Gedanken von einem guten deutschen Briefe. Briefe, nebst einer praktischen Abhandlung von dem guten Geschmacke in Briefen. Herausgegeben von Bernd Witte und Werner Jung, Elke Kasper, John F. Reynolds, Sibylle Späth. Berlin und New York 1989. (Christian Fürchtegott Gellert. Gesam-melte Schriften. Herausgegeben von Bernd Witte. Band IV). S. 105-152. Zitat S. 151-152.

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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