fachpublikation.de

Hauptseite fachpublikation.de

Verzeichnis aller Publikationen

Verzeichnis aller Autoren

Schlagwortverzeichnis

Dokumente kostenlos publizieren
 

Impressum fachpublikation.de

 

 

Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


Wieland vermerkt in einem Artikel des Teutschen Merkurs in Form seiner Nachricht an das Publikum vom 12. Dezember des Jahres 1772 die Umständliche Beurtheilung neuer Bücher und die Revision partheyischer, unbilliger und schiefer Urtheile, welche über merkwuerdige Bücher oeffentlich gefällt worden. In diesen als Artickel bezeichneten Abschnitten bemerkt er zu den Regeln einer ächten Kritik für Beurtheilungen und die Revision fremder Urtheile: "In den Beurtheilungen sowol, als in der Revision fremder Urtheile, sich ueberhaupt die Beobachtung der Regeln einer ächten Kritik, besonderer Unpartheilichkeit, Bescheidenheit und Glimpf zum verletzlichen Gesetze machen." (490)

Als Motiv der Dichtung und auf seine Tätigkeit als Literaturkritiker wirkt die Kritik sich bei Klopstock aus. Eine in Frankreich veröffentlichte Publikation Friedrich Gottlieb Klopstocks zur Poetik der Gegenwart ist seine Schrift Allégorie sur les dispute de Préséance entre les Belles-Lettres & les Beaux-Arts, die im Jahre 1787 im Recueil de piéces interessantes concernant les antiquités, les beaux-arts, les belles-lettres, & la philosophie in Frankreich veröffentlicht wird. Es ist naheliegend, daß auch die Schrift mit dem Akronym ´K.´ und dem Titel De la Critique, fondée sur le sentiment intérieur par. M. ***. traduit de l´Allemand aus dem gleichen Jahr Klopstock zuzuschreiben ist. Einem Urteil über Wielands Briefe von Verstorbenen (Les Lettres des Morts) mit den Worten ´im allgemeinen mittelmäßig´ (en générale, médiocres) in dieser Schrift geht seine Abhandlung über den Begriff der Kritik bei Horaz, Quintilian und dem zeitgenössischen Kunsttheoretiker DuBos voraus. (491) Im zweiten Band der Litterarischen Chronik erscheinen von ihm mehrere Aufsätze mit den Titeln Über den Unterschied des poetischen Ausdrucks vom prosaischen, Über die Rangordnung der schönen Künste und Wissenschaften, eine Allegorie, Über die Natur der Poesie, Die Winckelmannschen Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke; beurtheilt und Über den Unterschied des poetischen Ausdrucks vom prosaischen. In dieser Abhandlung wird ausgeführt, daß bei den Griechen in der Antike der poetische Ausdruck durch die Methoden Hinzusetzung, Wegnehmung oder Veränderung von Worten erzielt wurde und sich dieses Verfahren auch in Italien, Frankreich, England und Deutschland bei Autoren wie Luther, Opitz und Haller ausbreitet. (492) Klopstock kommt zu dem Schluß über die zeitgenössische Dichtung in Deutschland, daß reine Nachahmung abzulehnen ist:

"Man wird mir also die Gerechtigkeit widerfahren lassen, und von mir glauben: daß, wenn ich wuensche, daß sie einige angenehme oder starkgezeichnete Zuege der Alten und Auslaender entlegen möge, um sich vollends zu bilden, daß ich weit entfernt bin, mich dadurch für diejenige sklavische Nachahmung zu erklaeren, welche die Haelfte Deutschlands angesteckt zu haben scheint, und die es noch dahin bringen kann, daß die Auslaender glauben werden, die Deutschen am richtigsten von andern Nationen zu unterscheiden, wenn sie dieselben Nachahmer nennen. [...] Der deutsche Poet, der zu unsern Zeiten schreibt, findet eine Sprache, die maennlich, gedankenvoll, oft kurz, und selbst nicht ohne die Reize derjenigen Annehmlichkeit ist, die einen fruchtbaren Boden schmueckt, wenn sie zu sehr verschwendet, ein Blumenbeet aus einer schoenen Gegend macht." (493)

In der Schrift Über die Rangordnung der schönen Künste und Wissenschaften, eine Allegorie nennt er neben der Poesie Künste wie die Malerei, Baukunst, Kupferstecherkunst, Musik, Bildhauerkunst, Philosophie, Beredsamkeit und Geschichte. (494) In seiner Abhandlung Ueber die Natur der Poesie findet sich eine Definition einer Dichtkunst, die durch die vornehmsten Kräfte unserer Seele gebildet wird: "Das Wesen der Poesie besteht darinn, daß sie, durch eine gewisse Anzahl von Gegenstaenden, die wir kennen, oder deren Daseyn wir vermuthen, von einer Seite zeigt, welche die vornehmsten Kraefte unserer Seele in einem so hohen Grade beschaeftigt, daß eine auf die andere wirkt, und dadurch die ganze Seele in Bewegung setzt." (495)

Das an Freunde gerichtete Sendschreiben dient zur Bewertung von Literatur. Das Unpartheyisches und critisches Sendschreiben an einem Freund in der Lausitz, über den Zustand der Comödien in der Leipziger Michaelis-Messe aus dem Jahre 1750 ist ein Beispiel für den Freundschaftsbrief. (496) In einem seiner literarischen Briefe an Karl August Böttiger in Dresden schreibt Friedrich Jacobs anläßlich des Sendschreibens De varia ratione inscriptiones interpretandi seines gelehrten Freundes als Antwort an einen der achtungswuerdigsten Veteranen der Gelehrtenrepublik. Der Auszug aus Herrn Herels kritischen Sendschreiben an Herrn Meusel in Halle die Aufnahme seiner Satiren in Moropolis betreffend wird im Jahre 1768 über die Schoenen Wissenschaften von Johann Herel eingeleitet mit den Worten: "Hochgeschaetzter Freund, Nun erfahre ichs; Sie haben neulich ganz recht gehabt, daß meine Satiren das groeste Lermen in Moropolis anrichten wuerden. O Sie sind doch ein recht geschickter Prophet! Was meynen Sie wohl, was fuer Wunderdinge meine Freunde von Mir berichten? - Alle Einwohner sind voll Zorn und Unwillen, die Advokaten lauffen ganz unsinnig auf den Gassen herum und laestern mich auf die unverschaemteste Weise; Baals gemaestete Schaaren aber schreyen unaufhoerlich und die alten Weiber stimmen ihnen bey, daß ich nicht mehr werth seye, als ewig in der Hoelle zu brennen." (497) Die Form seines Briefes bezeichnet Herel als kritische Anmerkungen: "Nehmen Sie dieses geringe Pfand unserer Freundschaft, die Kritischen Anmerkungen Ihres Herels, geneigt auf. Werden Ihnen einige wenige vielleicht nicht ganz und gar mißfallen; so soll mich die Muehe nicht reuen, die ich an diese Tandeleyen gewendet habe. Sollten Sie aber unsere Schaetze fuer Traeume eines veralteten Kranken halten; so werde ich mehr Ihr Schicksal bedauern, daß Sie Ihre Zeit vergeblich an eitle Possen gewendet, als daß meine Vermuthung so gar ungluecklich ausgefallen." (498) Im Jahre 1774 werden die seit dem 25. Dezember des Jahres 1773 verfaßten Kritischen Briefe einiger Patrioten über zwey patriotische Sendschreiben zweener ungenannter Politiker als Sendschreiben mit der Anrede Mein Freund gedruckt, das zu dem Streit von Ferdinand Ambrosius Fiedler und Johann Christian Keßler nach Fiedlers Veröfffentlichung einer theologischen Schrift Stellung nimmt.

Zurück zum Text  490. Wieland, Christoph Martin: Nachricht an das Publikum. In: Ders.: Gesammelte Schriften. 1. Abteilung: Werke. XII (21). Kleine Schriften I 1773-1777. Bericht des Herausgebers. Herausgegeben von Wilhelm Kurrelmeyer. Hildesheim 1987. S. 1-4, insbesondere S. 1.

Zurück zum Text  491. In: Recueil de piéces interessantes concernant les antiquités, les beaux-arts, les belles-lettres, & la philosophie, traduites de différentes langues. Tome premier. Paris 1787. S. 365-391. S. 386.

Zurück zum Text  492. In: Litterarische Chronik. Bd. 2. 1787. S. 69.

Zurück zum Text  493. In: Litterarische Chronik. Bd. 2. 1787. S. 85-86.

Zurück zum Text  494. In: Litterarische Chronik. Bd. 2. 1787. S. 87.

Zurück zum Text  495. In: Litterarische Chronik. Bd. 2. 1787. S. 107.

Zurück zum Text  496. Vgl. zum Freudschaftskult des Rokoko und den Literaturbriefen Lessings: Bau-mann, Adolf: Studien zu Lessings Literaturkritik. (Dissertation) Zürich 1951. S. 1-16.

Zurück zum Text  497. Herel, Johann F.: Auszug aus Herrn Herels kritischen Sendschreiben an Herrn Meusel in Halle die Aufnahme seiner Satiren in Moropolis betreffend. Aus dem Lateinischen übersetzt. Altenburg 1768. S. 3-4.

Zurück zum Text  498. Herel: Auszug. 1768. S. 11.

 

Seite zurück  Eingangsseite  Inhaltsverzeichnis  Seite vor  Graphiksonderzeichen-Version


Home | WorldWideBooks | imMEDIAtely


Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
Bei Fragen und Anregungen zu dieser Website wenden Sie sich bitte an: webmaster@fachpublikation.de