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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


Die Begriffe der zeitgenössischen Kritiker bleiben neben den allgemeinen Urteilen von Lesern für die Bewertung von Werke im 19. Jahrhundert verbindlich. Die Epistel findet sich als Form des Briefes für alle Disziplinen unter den poetischen Gattungen. In der Übersetzung und dem Kommentar zu den Briefen des Horaz an die Pisonen von Martin Wieland wird dieser Brief als eine Epistel bezeichnet. Zwei Episteln von einem Professor für Ästhetik und Geschichte der schönen Wissenschaften und freien Künste, Ignaz Leibel in Wien, werden neben Oden im Jahre 1817 in einem Band seiner Schriften gedruckt. So heißt es in der Epistel über Dichter und Dichtkunst unserer Zeit mit dem Titel An den Herrn Feldmarschall-Lieutenant Cornelis von Arrenhoff über den weisen Kritiker: Leopold Friedrich Günther Goeckingh, der Herausgeber des Journals von und für Deutschland, leitet die Epistel an Herrn **, einen jungen Dichter im Jahres 1776 mit rhetorischen Fragen ein.

Und darum nennt sie trefflich neu,
Als wenn sie über das, was Dichtkunst fordert, thaeten,
Der weise Kritiker poetische Poeten
Und ihre Dichtungsart Phantastendichterey,
Weil bloß durch Phantasie trotz ihrer tollen Streiche
Den Dichterkranz sie wähnen zu erreichen.
(499)
Epistel an Herrn **, einen jungen Dichter

Soll ich frohlocken? Soll ich klagen?/
Wuensch ich dir Gluek? Bedaur ich dich?/
Wer spornt, wie du, zum Ziele sich,/
Und wird so jung den Lorbeer tragen?
(500)

Goekingh verspottet in seinem Gedicht An einen jungen Kritikus die Arroganz des Kritikers. Göckinghs Kritik über ein Drama ist ein dreizeiliges Gedicht, das die eigene Beurteilung des Dichters und eine Beschreibung der Wirkung von Langeweile auf das Publikum gegenüberstellt:

An einen jungen Kritikus

Du sollst mir dein Patent nicht zeigen;
Ich weiß, zum Kritikus kann jeder sich erhöhn.
Darin indessen bin ich eigen:
Ich wünsche deinen Bart zu sehn.
(501)
Kritik über ein Drama

Herr Tragiscribax wähnt, Sein Drama habī uns sehr gefallen,
Denn, spricht er, keiner pfiff von allen!
Doch, wer kann pfeifen, wenn man gähnt?
(502)

Johann Arnold Eberts Episteln und vermischte Gedichte werden in Bern im Jahre 1771 nach dem Tode des Verfassers mit einem Grundriß seines Lebens und Charakters von Johann Joachim Eschenburg herausgegeben. In der zweiten Epistel beschreibt Leibl den Gegensatz von Göttinn Kritik und Muse:

Zu diesem Urtheil und den Klagen
Der Muse haben selbst oft ärgerlicher Streit,
Bestochne Parteylichkeit,
Nicht selten auch Unwissenheit
Der Kritiker nicht wenig beigetragen.
(503)

Zurück zum Text  499. Leibel, Ignaz: Über Dichter und Dichtkunst unserer Zeit. Zwey Episteln nebst einigen anderen Gedichten. Wien 1817. S. 23.

Zurück zum Text  500. Goeckingh, Friedrich Leopold Günther: Gedichte. Erster Theil. Leipzig 1780. S. 179-200. S. 179.

Zurück zum Text  501. Goeckingh, Leopold Friedrich Günther: Die Freud ist unstet auf der Erde. Ly-rik. Prosa. Briefe. Hamburg 1990. S. 131.

Zurück zum Text  502. Goeckingh, Friedrich Leopold Günther von: Ausgewählte Gedichte. Hildburg-hausen s. t. [um 1850]. S. 89.

Zurück zum Text  503. Liebel, Igantz: Über Dichter und Dichtkunst unserer Zeit. Zwey Episteln nebst einigen anderen Gedichten. Wien 1817. S. 50-51.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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