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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik 2.2.3 Die Epistola critica als publizierte GelehrtenkorrespondenzIn Gustave Lansons erstmals im Vorwort zur Choix de Lettres aus dem Jahre 1897 zur Behandlung Sur la littérature épistolaire ist der kritische Brief unerwähnt. (504) Die Gattung der kritischen Briefe, die epistola critica, bleibt bis in das 19. Jahrhundert den Gelehrten vorbehalten. August Raabe nennt im Jahre 1808 in seinem Hannoverschen Briefsteller verschiedene Arten von Briefen. Raabe definiert Vorwürfe als "Beschuldigungen wegen eines begangenen Fehlers, oder Darstellungen der Folgen eines begangenen Fehlers", die Entschuldigungen erfordern. (505) Otto Friedrich Rammlers Universal-Briefsteller aus dem Jahre 1865 nennt Klagebriefe, Ermahnungsschreiben, Verweisschreiben und Vorwurfsschreiben. (506) Das Vorwort wird als Ort für die Veröffentlichung von Briefen lateinischer Sprache zur Kritik in Drucken der Neuzeit genutzt. Zur Bezeichnung von kritischen Briefen ist der lateinische Ausdruck epistola critica zu finden. In den romanischen Ländern Italien, Frankreich, Spanien, im deutschsprachigen Raum und im Osten und Norden Europas sind diese kritischen Briefe für die Bewertung der Arbeiten von Philologen in neulateinischer Sprache zu finden. Schriften wie die epistola critica sind in den Vorworten von Editionen zu antiken Schriften zur Erklärung für den Leser publiziert worden. Die in ihnen behandelten Themen der Kritik umfassen die Bearbeitung von Schriften in poetischen Gattungen und Werke in Prosa. Mit ihrer Metaphorik und Symbolik sind ihre Bilder den Emblemen von Büchern und Journalen verwandt. Ihrer Form nach handelt es sich hier um an bekannte Adressaten gesandte, in Zeitschriften und Editionen veröffentlichte Briefe von Gelehrten. Der kritische Brief ist in Deutschland und Frankreich als philologischer Kommentar auch in Schulschriften vertreten. Diese Briefe sind als Vertreter wissenschaftlicher Literatur mit Elementen des Kommentars und Zitaten zu Stellen von Texten in Korrespondenzen zwischen Wissenschaftlern gestaltet. Die Ansprache an den Adressaten und die Erwähnung der Person des Verfassers in der ersten Person Singular sind typische Eigenschaften von Briefen. Die Briefe werden als Vorworte in einem separaten Druck oder in Briefsammlungen veröffentlicht. Die Übersetzung (translatio) und die Urheberschaft des Übersetzers (auctoritas translatoris) werden in einem Brief des Hieronymus aus den Jahren 395 und 396 bei der Verteidigung einer Anklage von Gegnern erwähnt, einen Brief an Johannes von Jerusalem falsch übersetzt oder gefälscht zu haben. In dem Brief Hieronymi epistula LVII. ad Pammachium über die beste Art zu deuten (de optimo genere interpretandi) wird nach einer Anrufung an den zeitgenössischen Aristarchus als Säule der Litteratur (columen litterarum) seine Meinung über die verschiedenen Schreiber hinterfragt: "Quid ais, o columen litterarum et nostrorum temporum Aristarche, qui de universis scriptoribus sententiam feras?" (507) Eine Sammlung in einem Katalog von Briefen bringt Caelius Calcagnius in seinen 16 Büchern von kritischen und familiären Briefen (epistolarum criticarum & familiarum) in Jahre 1608 heraus. Calcagnius schreibt an Thomas Calcagnius über den Begriff Rechtsprechung (iudicatio): "Altrocitas injuriarum satisne causa sit, quare cum de ea judicaretur, de aliquo majore maleficio, de quo maleficium comparatum sit, praejudicetur. Sic enim in antiquis codicibus legimus." (508)
Im Jahre 1707 erscheinen Jean LeClercs Epistolae criticae et ecclestastica für den Gebrauch der
Kunst der Kritik (usus artis criticae) in Amsterdam. LeClercs Werk Ars critica erscheint mit Studien
zur lateinischen, griechischen und hebräischen Sprache im Jahre 1778. Am 16. August des Jahres
1684 beschreibt LeClerc Pierre Bayle mit dem Begriff reine Kritik (pure Critique) sein Werk: "Du
reste, ie ne sai rien de nouveau en matiere de science. Ie vous envoyerai bien tôt un petit ouvrage
de Critique, composé de quelques Dissertations dŽun de mes Oncles et de mon Pere, sous le Titre de
Quaestiones Sacrae Davidis Clerci etc. Il ne reste plus quŽune feille à imprimer, de vingt-huit en
tout. Il nŽy aura rien que de pure Critique." (509) Auf dem Titelblatt von LeClercs erneut im Jahre
1712 erschienenen Epistolae criticae et ecclesiaticae lautet die Unterschrift zu einer Abbildung eines
von Insekten umschwirrten Nagetier, das den Stamm eines Baumes anbeißt, daß seine Briefe die
Benutzung der Kunst der Kritik veranschaulichen (in quibus ostenditur usus artis criticae). Seinem
Werk Epistolae criticae, das im März des Jahres 1712 publiziert wird, ist ein Vorwort mit dem Titel
Lectori S.P.D. Joannes Clericus und der Anrede an den Leser (lector) als den strahlenden Leser
(Candide lector) über die Kunst der Kritik (ars critica) vorangestellt: "Monitus à Typographo
aliquot hic superesse paginas vacuas, occasionem adrupui, LECTOR, iterum te adloquendi,
hujusce alterius Voluminis initio; & quidem de ratione scribendi nonnullorum, qui Opuscula
nostra, & praesertim hancce Artem Criticam, admonere conati sunt." (510) Solch ein Gruß an den
Leser Gedichte mit Beschreibungen der Kritik sind in der Gattung Gemälde (pictura) zu finden. In einem Gedicht mit dem Titel Pictura loquens werden Kritiker beschrieben. In einem Band mit einem Kupferstich, der einen Gelehrten abbildet, der vor Büchern mit den Aufschriften Historia und Critica sitzt, ist in der Historia critica Catoniani im Jahre 1759 der lateinische Text einer Pictura loquens gedruckt. Nach der Frage quid juvat? folgt nach der Antwort "hoc critices labor, hoc in lucem proferat unum: Hoc quaesituris pandet & Historia" die Aufforderung, Cato zu imitieren (imitare Catonem): Pictura loquens
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