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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


Antike Texte werden in Briefen im 19. Jahrhundert publiziert. Die von Hermann Usener im Jahre 1889 unter den Titeln Dionysii Halicarnassensis ad Gnaeum Pompeium Geminum epistula critica und Dionysii Halicarnassensis de Thucydidis idiomatis ad Ammaeum epistula veröffentlichten Briefe von Dionysius von Halikarnassos sind Beispiele für einen antiken Brief, der vom Herausgeber als eine epistola critica klassifiziert wird. (516) Usener schreibt über die Kritiker in Alexandria zur Zeit des Aristarchus: "Etiam postquam Aristophanis Byzantii maxime merito haec nostra studia in grammaticae artis formam redacta sunt, Craterei cum sibi prae operariis Alexandrinis uiderentur artifices esse, non destituerunt criticos sese dictitare." Im Vergleich mit dem Kranz eines Werkes (corona operis) galt das Urteil (iudicium) als die höchste Aufgabe (summum officium) der Grammatiker: "Omni autem tempore iudicium (kapparhoiotasigmaiotasigmaf piomicroniotaetamualphaomeganu kapparhoiotatauiotakappaeta) summum fuit grammatici officium [et quasi corona quaedam operis]." (517) Unter den Titeln Taualpha epsilonupsilonrhoiotasigmakappaomicronmuepsilonnualpha rhoetathetaomicronrhoiotakappaeta kappaalphaiota kapparhoiotatauiotakappaeta und Quæ exstant rhetorica et critica wird eine Edition von Werkes des Dionysios Halicarnassensis im Jahre 1804 veröffentlicht. Das Werk des Dionysius wird unter dem Titel Kunsturtheil des Dionysios über den Isokrates im Jahre 1822 von Friedrich von Schlegel veröfffentlicht. Die Bücher von Dionysius über die Nachahmung erscheinen mit zwei kritischen Briefen unter dem Titel Dionysii Halicarnassensis librorum de imitatione reliquiae epistulaeque criticae duae in der Ausgabe Useners im Jahre 1889. In Useners Versuch Altgriechischer Versbau finden wir in seinem Widmungsschreiben den Vergleich von Gold und Feuer für das Trennen (kapparhoiotanuepsiloniotanu) von Freunden durch den Augenblick (kappaalphaiotarhoomicronsigmaf):

Mein lieber freund, es ist ein guter theil unseres lebens, vielleicht der beste, den wir gemeinsam durchmessen haben; helle und trübe zeiten haben wir getheilt, und die wahrheit des spruchs

kapparhoiotanuepsiloniota phiiotalambdaomicronupsilonsigmaf omicron kappaalphaiotarhoomicronsigmaf omegasigmaf chirhoupsilonsigmaomicronnu tauomicron piupsilonrho

hat sich mir an Deiner freundschaft bewährt. Deine wissenschaftliche thätigkeit, zu welche dir heute vor fünf und zwanzig jahren der ritterschlag ertheilt wurde, hat uns zuerst näher gebracht, ich habe seitdem nicht aufgehört im anstrengenden austausch mit Dir das glück des nehmens und gebens zu empfinden. Für das alles freut es mich heute Dir zu danken. Miss den kleinen versuch nach der gesinnung, mit der ich ihn dir überreiche. Liegt der stoff Dir fern, so ist dir der gedanke der ihn durchdringt um so vertrauter: wir suchen beide das werden des schönen in der wandlung und um bildung der form zu begreifen.

Usener beschreibt an Willamowitz am 17. Mai des Jahres 1880 bei der Erläuterung von Platons Menon den Begriff Hyperkritik: "Andres soll nicht umsonst für mich gesagt sein; ich will es prüfen und werde Ihnen es danken, wenn ich dadurch veranlaßt, eines besseren belehrt werde. So habe ich, obwohl wahrlich entfernt von Hyperkritik auf diesem Gebiet, den Menon bisher als unmöglich platonisch angesehen." (519) Hermann Diels schreibt am 27. November 1871 an Usener einen Brief über die Wirkung einer Rezension: "Hochverehrter Herr Geheime Rat, Herzlichen Dank für Ihren Brief, der ganz so ist, wie ich ihn erwartete. In der That wird schliesslich die Recension hauptsächlich dem Urheber schaden abgesehen von einer kleinen Schaar, die aber auch der Belehrung zugänglich sein wird." (520) In der aus Güstrov im November 1865 gesandten Epistula critica an den Leipziger Professor Hermann Fritz des Gymnasiallehrers Theodor Fritzsche aus Rostock wird die Treue (fides) und die Urheberschaft (auctoritas) von Theokrits Carmen Aeolicum beschrieben: "Quod carminis Theocritei nuper primum a Bergkio editi meam qualiscunque est recognitionem ad Te potissimum misi, Vir Carissime, id nulla alia de causa nemo ignorabit factum esse, nisi ut nomine Tuo inter editores poetae Siculi celeberrimo fidem libello at auctoritatem compararem." (521) Nach dem Vergleich der Rechtschreibung verschiedener Editionen ist ein Schlußwort mit einer Bemerkung zum Wohlleben (valere) seines Adressaten nachgestellt: "Haec fere sunt quae Te, Ritscheli carissime, et ceteros qui hac mea opella utentur nescire nolui. Tu vero valeas meque ut facis mutuo diligas. Scribebam mense Iunio anni MDCCCL Weilburgi ad Loganam." (522)

In der Epistola critica ad amicos J. van Leeuwen et M. B. Mendes da Costa von Jakob Johannes Hartmann wird bei den Anmerkungen an die Odyssee (contines annotationes ad Odysseam ) im Jahre 1896 in der Einleitung eine Gratulation (gratulari) ausgesprochen: "In lucem his diebus prodiit Iliadis a Vobis secundis curis editae volumen alterum. Quae res tanto me affecit gaudio ut silentio eam praeterire paene nefas mihi videretur. Igitur primum Vobis gratulor, quod laboris Vestri eum percipiatis fructum, qui raro contingit cum philologis omnibus tum praesertim nostratibus." (523) Ein Beispiel für die epistula critica ist im 19. Jahrhundert dieses Schreiben auch hinsichtlich der Aufgliederung in Bücher (libri), Überblick (conspectus) und ein Index von den im Buch erwähnten Stellen (index locorum, qui hoc libro tractantur). Zu den selbständigen epistulae criticae mit Ehrentiteln zählt Isidor Hartmanns Brief an Johann Vahlen mit dem Titel Epistula critica ad Ioannem Vahlenum per quinque lustra philosophiae doctorem clarissimum de nonnullis scriptorum Graecorum et Romanorum locis emendandis explicandisve, der in Wien im Jahre 1877 gedruckt wurde. Sein im August des Jahres 1877 geschriebenes Vorwort (praefatio) zu den Institutiones des Gaius leitet Wilhelm Studemund mit dem Begriff Krise (crisis) bei den Unterrichtungen des Gaius (in Gai institutionibus) ein. (524) Im seinem als ein kritischer Brief (epistula critica) bezeichneten Schreiben vom September dieses Jahres, das in dem Werk dem Vorwort folgt, nennt auch Theodor Mommsen seine kleinen Anmerkungen (adnotatiuncula mea) und das gemeine Urteil (iudicium commune) der Gelehrten (viri docti). (525)

Zurück zum Text  516. Dionysius Halicarnassensis: Librorum de imitatione reliquiae epistulaeque criti-cae duae editit Hermannus Usener. Bonn 1889. S. 35-68 und S. 76-98.

Zurück zum Text  517. Dionysii Halicarnassensis librorum de imitatione. 1889. S. 132-133.

Zurück zum Text  519. Usener, Hermann: Usener an Wilamowitz. Ein Briefwechsel. 1870-1905. Mit einem Nachwort und Indices von William M. Calder. Stuttgart und Leipzig 1994. S. 12.

Zurück zum Text  520. Diels, Hermann: Briefwechsel Hermann Diehls, Herrmann Usener; Eduard Zel-ler. Herausgegeben von Dietrich Ehlers. Berlin 1992. S. 417.

Zurück zum Text  521. Fritzsch, Adolph Theodor Hermann: Epistula critica de locis quibusdam ethico-rum Eudemeorum. Leipzig 1845. S. 3.

Zurück zum Text  522. Fritzsch: Epistula critica. 1845. S. II-XXX und S. II.

Zurück zum Text  523. Hartmann. Jakob Johannes: Epistola critica ad amicos J. van Leeuwen et M. B. Mendes da Costa contines annotationes ad Odysseam. Scripsit J. J. Hartmann. Lei-den 1896. S. 1-4. Zitat S. 1.

Zurück zum Text  524. Studemund, Wilhelm: Praefatio. In: Gai institutiones ad codicis Veronesis apo-graphum studemidianum in usum scholarum. Ediderunt Paulus Kreuger et Guilielmus Studemund. Inest epistula critica Theodori Mommsen. Berlin 1777. S. V-XX. Zitat S. V.

Zurück zum Text  525. Mommsen, Theodor: [Epistula critica]. In: Gai institutiones. 1777. S. XVII-XXII. Zitat S. XVII.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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