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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


Im frühen 19. Jahrhundert bemerkt Joseph Görres zur Publizistik in seinem Artikel Deutsche Critik aus dem Jahre 1804 über die zeitgenössischen deutschen Kritiker, daß sie sich "wie Blei an die Füße des Genies hängen." (552) Als Schulschrift erscheint von Friedrich Karl Wex das Schreiben Epistola critica ad Guiliemum Gesenium scripta ad concelebrandum memoriam summorum in Philosophia honorum ante hos viginti quinque annos in academico docendi munere propediem consumtos rite impetratorum in Leipzig im Jahre 1831. Johann Christoph von Aretins Briefe über meine literarische Geschäftsreise in den bayrischen Abteyen sind Reisebeschreibungen, die von den dort bewahrten Bibliotheksbeständen berichten. Dem Schreiben An den ordentlichen Professor der Theologie Herrn Dr. Ullmann in Halle über sein Buch Über die Sündlosigkeit Jesu wird die im März des Jahres 1836 verfaßte Schrift Historisch-kritischer Versuch Jesus und Judas von dem Theologen Gustav Schollmeyer vorangestellt, der bemerkt, er habe "weder vor noch bei der Bearbeitung irgend einen Commentar oder eine andere auf diesen Gegenstand sich beziehende Schrift zu Rathe gezogen." (553) Dem Kritischen Sendschreiben über die Probebibel über Messianische Stellen des alten Testaments II, das in Berlin im Jahre 1885 gedruckt wird, sind Anmerkungen von Paulus Cassel über Megallith Taanith angefügt. In dieser Schrift mit Cassels wissenschaftlichen Anmerkungen über Hellenismen in den Psalmen der Bibel fehlen typische Kennzeichen des Kritischen Briefes wie die Anrede des Adressaten und die Angabe des Datums. Das Sendschreiben folgt nach einem anonymen Vorwort vom 6. August 1885 zu den Anmerkungen des Werkes: "Einige Anmerkungen zu der "Probebibel" werden Ihnen angeboten; sie kommen spät, aber ich freue mich, dass ich die Tage gewann, in welchen sie kommen konnten. Mögen sie der Anfang sein zu andern, die mir am Herzen liegen." (554) Ein Wunsch wird im Schlußteil des Briefes von Cassel formuliert: "Mit Sela dem freundlichen Klang zum Lobe der Wahrheit und Liebe in Gott - ob hebräisch, griechisch oder deutsch, mögen meine ersten Anmerkungen geschlossen sein." (555) Wilhelm Scherer schreibt am 26. April des Jahres 1880 an seinen Schüler Erich Schmidt über dessen Rezension: "Lieber Freund, vielfältigen Dank für die "Blätter", für das conc. dramm., für wiederholte Briefe, für die Mitschuldigen und - "last not least" würde Richard Maria sagen - für Ihre Recension." (556)

Im 20. Jahrhundert wird auf für eine Gattung spezifische Titel von Briefen der Philologen zur Kritik verzichtet. Ein Brief eines Philologen ohne formale Titelbezeichnung über diese Thematik ist in der Moderne der Brief vom 17. März des Jahres 1910, in dem Ernst Robert Curtius an Friedrich Gundolf schreibt: "Gewundert habe ich mich darüber dass Sie Borchardts Kritik des 7. Rings ganz ignorieren. Als wir im Januar zusammen waren, dachten Sie anders darüber. Ich finde es fast schade, denn viele nicht ganz urteilsfeste Gemüter werden an dem Aufsatz noch Anstoss nehmen. -" (557) Über Max Meyerfeldes Abhandlung Der neue deutsche Shakespeare schreibt Curtius am 25. März des Jahres 1910 an Gundolf, daß Meyerfelds Kritik in der neuesten Zukunft "recht kleinlich und unsinnig ist: Er ist mit Blindheit geschlagen für Ihre Absichten und Zwecke." (558) Am 8. April des Jahres 1910 schreibt Curtius eine Entschuldigung für seine verspätete Antwort: "Teurer Freund, ich will Ihnen schon seit Tagen schreiben - es ging nicht. Am 30. März bin ich von Strassburg nach Paris gefahren. Ich fand grade noch Ihren lieben Brief, die Antwort auf meine Kritik des Eickschen Aufsatzes." (559)

Ein Lehrbrief an den zukünftigen Kritiker ist Theodor Lessings Brief Die Kunst, in zwanzig Minuten ein bedeutender Kunstkritiker zu werden, der mit einem Vertraulichen Brief an einen jungen Freund über das Talent des Geistes als Vorrede einleitet: "Mein lieber, junger Freund! Unsterblich möchtest du werden? Dieses Zeitalter führender Geist? ein - wie nennt man das doch? - ein "Psychologe der Moderne"? Und du behauptest, Du habest sogar Talent. Ach, mein Junge, das ist gar nicht so wichtig! Wichtig ist, daß du glaubst Talent zu haben. Denn davon allein hängt Dein Glück ab." (560) Die Briefe zum Thema Kritik werden in der Moderne für die Bewertung von Literatur genutzt. Lessing bemerkt in der Schrift Geschichte als Sinngebung des Sinnlosen über Kants Werk mit dem Begriff Vernunftkritik: "Seit Kants Vernunftkritik lastet auf deutscher Philosophie ein dürftiger Schematismus. Hier: empirische Erscheinungswelt der Geschichte. Dort: das absolute Sein in abstrakter Reinheit." (561) Den Nachworten von Lessings im Jahre 1906 veröffentlichter Schrift Schopenhauer, Wagner, Nietzsche mit dem Untertitel Einführung in die moderne deutsche Philosophie folgt als Vignette eine allegorische Graphik aus der Weltkugel, um deren horizontale Achse Sterne kreisen und um deren Gestalt sich in der Vertikalen eine sich in den Schwanz beißende Schlange windet. (562) In einer Rede von Golo Mann über den Brief lassen sich Essay und kritischer Brief unterscheiden. Mann erwähnt in seinem Vortrag Der Brief in der Weltliteratur auf der Herbsttagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung am 18. Oktober 1975 als Vertreter unter den kritischen Briefen für die klassische Kritik eines privaten Briefschreibers einen Brief Alexis de Tocquevilles an Goubineau zu dessen Essay über die Ungleichheit der menschlichen Rassen. (563)

Zurück zum Text  552. Görres, Joseph: Deutsche Critik. In: Aurora; 1804. S. 493-494.

Zit. n.: Görres, Joseph: Charakteristiken und Kritiken. Herausgegeben von Franz Schulz. Köln 1900. S. 42.

Zurück zum Text  553. Schollmeyer, Gustav: Jesus und Judas. Ein historisch-kritischer Versuch. Nebst einem Sendschreiben an den Professor Dr. Ullmann. Lüneburg 1836. S. III-XXII. Zitat S. XXI.

Zurück zum Text  554. Cassel, Paul: Kritische Sendschreiben über die Probebibel. Mit einer wissen-schaftlichen Anmerkung über Hellenismen in den Psalmen. Berlin 1885. S. 1.

Zurück zum Text  555. Cassel: Kritische Sendschreiben. 1885. S. 96.

Zurück zum Text  556. Scherer, Wilhelm; Schmidt, Erich: Wilhelm Scherer, Erich Schmidt. Brief-wechsel. Mit einer Bibliographie der Schriften von Erich Schmidt herausgegeben von Werner Richter und Eberhard Lämmert. [O.O.] 1963. S. 140.

Zurück zum Text  557. Gundlof, Friedrich: Briefwechsel mit Herbert Steiner und Ernst Robert Curtius. Eingeleitet und herausgegeben von Lothar Helbing und Claus Victor Bock. Am-sterdam 1963. S. 151-154. Zitat S. 153.

Zurück zum Text  558. Gundlof: Briefwechsel. 1963. S. 155-157. Zitat S. 157.

Zurück zum Text  559. Gundlof: Briefwechsel. 1963. S. 157-159. Zitat S. 157.

Zurück zum Text  560. Lessing, Theodor: Der fröhliche Eselsquell. Gedanken über Theater, Schauspiel, Drama. Berlin 1912. S. 169-206. Zitat S. 169.

Zurück zum Text  561. Lessing, Theodor: Geschichte als Sinngebung des Sinnlosen. Mit einem Nach-wort von Rita Bischof. München s. t. S. 85.

Zurück zum Text  562. Lessing, Theodor: Schopenhauer, Wagner, Nietzsche. Einführung in die moder-ne deutsche Philosophie. München 1906. S. 482.

Zurück zum Text  563. Mann, Golo: Der Brief in der Weltliteratur. In: Ders.: Wir alle sind, was wir gelesen. Aufsätze und Reden zur Literatur. Frankfurt am Main 1998. S. 329-358. Zitat. S. 354.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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