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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


Arnold Ruge vermerkt in der Schrift Die moderne Belletristik und der satirische Roman im Jahre 1839 zu Gützkows Benutzung der Satire als Kritik: "Aber die Satire ist, wie in diesem Beispiel, so überall, mehr Kritik als Poesie, und diese Abweichung von Jean Paul, bei sonstigen vielfach wiederkehrenden Anklängen an seine Form, ist eine sehr wesentliche, eine Abweichung des Gemüthes." (582) In seiner Schrift Die abstracten Literaten unserer Zeit vermerkt Gutzkow im Jahre 1840 über den Unterschied zwischen Kritik und der Production dieser Autoren: "Die abstracten Literaten schreiben mit gleicher Bereitwilligkeit für den Liberalismus und für den Servilismus, für den Teufel, für Gentz, für Talleyrand und seine Großmutter, - aus Genialität: denn ihr Geschäft ist nicht "Kritik" und gewissenhafter Dienst der Wahrheit, sondern "Production", " -aus Genialität. [...] Kritik und Production" sind die beiden Hauptkategorien und Stichwörter der abstracten Literaten, und ihre Abstraction besteht darin, daß sie (wesentlich aus dem Grunde, weil sie die theoretische Vertiefung, die gründliche Erkenntniß des Wahren nur unter dem flachen Namen der belletristische Kritik und die wahre Praxis nur unter dem beschränken Titel der schöngeistigen Production kennen) das Introducieren und das Producieren nicht gehörig zur Durchbringung bringen." (583) Über die Zensur erscheint im Jahre 1835 von Gutzkow der Roman Wally, die Zweiflerin mit seiner Apellation an den gesunden Menschenverstand. In ihrem Tagebuch heißt es über die Einschränkung der Kritik der Fragmente des Wolfenbüttler Ungenannten: "Ich habe mir ein merkwürdiges Buch verschafft, von dem ich einmal durch Cäsar hörte: die "Fragmente des Wolfenbüttler Ungenannten", welche Lessing herausgegeben hat. Es liegt viel Puderstaub auf dem Buche, viel altfränkisches Wesen; aber das habī ich abgewischt und mir von meiner Lektüre eine ganz moderne Vorstellung gemacht. Der Verfasser soll ein ehemaliger Hamburger Arzt, Reimarus, gewesen sein. Die vollständige Prüfung des Christentums steht in einem Glasschranke auf der Hamburger Bibliothek. Sie wollen das Buch nicht herausgeben. Sie fürchten, daß aus dem vergilbten Papiere jener Kritik Motten fliegen, die das Christenthum selbst anfressen. Warum Lessing nur sagt, daß der Verfasser jener Fragmente Schmidt heiße!" (584)

Im 20. Jahrhundert werden für die Vermittlung von Ergebnissen der Forschung Zeitschriften mit Besprechungen von wissenschaftlichen Werken herausgegeben. Clemens Blume spricht in seinem Vorwort zu den Hymnologischen Beiträgen vom 4. Dezember des Jahres 1904 von einem Rezensenten der revue critique als Zensor (Censor). (585) Die Bedeutungen des Wortes Rezensieren (recensere) als wiederholt, Stück für Stück, Mann für Mann in bezug auf Beschaffenheit, Zahl, Vollständigkeit prüfen, in Augenschein nehmen, mustern, durchgehen, durchzählen, in Gedanken durchgehen, durchmustern, überdenken und die Übersetzung mit Worten wie durchmustern, der Reihe nach hererzählen, kritisch durchmustern und besprechen finden sich im Lateinisch-deutschen Wörterbuch bei Karl Ernst Georges. (586) Das Wort recens hat hier die Bedeutungen frisch, neu und jung. (587) In den Jahren 1937 und 1938 wird vom Zentralinstitut für Bibliothekswesen die Reihe Die Buchbesprechung für Rezensionen veröffentlicht. Heinrich Hubert Houben vermerkt im November des Jahres 1923 im Vorwort der Schrift Verbotene Literatur von der klassischen Zeit bis zur Gegenwart über die Wirkungen des Bücherverbots für die Literaturgeschichte und einzelne Autoren: "Anderthalb Jahrhunderte deutscher Literatur, gesehen durch das Auge des Gesetzes, entschleiern sich auf den folgenden Blättern. Hunderte von Bücherschicksalen ziehen vorüber, die vielleicht schon zur Sage geworden, nirgends oder doch nur selten zutreffend aufgezeichnet sind. Bücherverbote sind so alt wie das Buch selbst, sie werden erst mit ihm sterben. Auch unserer Gegenwart sind sie nicht fremd. Wie tief sie die literarische Gesamtentwicklung beeinflußen, wie verhängnisvoll sie oft für die Schöpfer dieser Literatur wurden, das habe ich an einer Reihe von Einzelfällen darzulegen versucht." (588)

Zurück zum Text  582. Gutzkow: Schriften. Bd. II. S. 128-146. S. 138. Zuerst veröffentlicht in: Hallisches Jahrbuch. 1./5. Juni 1839. Nr. 131-134. Sp. 1047-1048. 1054-1059; 1065-1070.

Zurück zum Text  583. Gutzkow: Schriften. Bd. II. S. 274-280. Zitat S. 279. Erstpublikation in: Hallisches Jahrbuch vom 27. Juni 1840 (Nr. 154. Sp. 1230-1232).

Zurück zum Text  584. Gutzkow, Karl Friedrich: Wally, die Zweiflerin. Roman. Mannheim 1835. S. 95-96.

Zurück zum Text  585. Hymnologische Beiträge. Quellen und Forschungen zur Geschichte der Latei-nischen Hymnendichtung. Herausgegeben von Clemens Blume und Guido Maria Dreves. Leipzig 1900. [Reprint Hildesheim und New York 1971]. S. 7.

Zurück zum Text  586. Georges, Karl Ernst: Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch aus den Quellen zu-sammengetragen und mit besonderer Bezugnahme auf Synonymik und Antiquitäten unter berücksichtigung der besten Hilfsmittel ausgearbeitet von Karl Ernst Georges. Basel 1959. Sp. 2217.

Zurück zum Text  587. Georges: Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch. 1959. Sp. 2215.

Zurück zum Text  588. Houben, Heinrich Hubert: Verbotene Literatur von der klassischen Zeit bis zur Gegenwart. Ein kritisch-historisches Lexikon über verbotene Bücher, Zeitschriften und Theaterstücke, Schrift-steller und Verleger. Hildesheim 1965. O. S. [S. 1].

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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