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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


2.2.7 Kritik in Briefen zu Künsten und Wissenschaften im 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert sind private und offizielle Briefe mit Beurteilungen unter den für die Öffentlichkeit gedruckten Schriften zu finden. Über die Ergebnisse der Wissenschaft werden im 19. Jahrhundert in Form von Briefen Nachrichten ausgetauscht. Johann H. Abichts Kritische Briefe über die Möglichkeit einer wahren wissenschaftlichen Moral, Theologie, Rechtslehre, empirischen Psychologie und Geschmakslehre erscheinen im Jahre 1793 mit prüfender Hinsicht auf die Kantische Begründung dieser Lehre. Im siebten Brief von Wilhelm Traugott Krugs Briefen über die Wissenschaftslehre liest man in der Abhandlung über die von derselben versuchte Bestimmung des religiösen Glaubens aus dem Jahre 1800 zu den Begriffen Kritik, Erkenntnis und Erfahrung: "Die Kritik hebt mit dem Satze an, dass alle unsere Erkenntnis mit der Erfahrung anfange, weil das Erkenntnisvermoegen nicht zur Ausuebung erweckt werden koenne, wenn es nicht durch Gegenstaende geschaehe, die unsere Sinne ruehren, und theils von selbst Vorstellungen bewuerken, theils unsre Verstandesthaetigkeit in Bewegung bringen, diese zu vergleichen, sie zu verknuepfen oder zu trennen, und so den rohen Stoff sinnlicher Eindruecke zu einer Erkenntnis der Gegenstaende zu verarbeiten, die Erfahrung heißt." (589)

Die Astronomie ist eine Wissenschaft mit Gesetzen zur Beurteilung von Dingen, die der Naturwissenschaft zugeordnet werden. Cicero spricht im ersten Buch der Abhandlung De natura deorum von sicheren Merkmalen oder Kriterien der Beurteilung und Zustimmung (certa iudicandi et adsentiendi nota). (590) Die Kritischen Untersuchungen über die historische Entwicklung der geographischen Kenntnisse von der Neuen Welt und die Fortschritte der nautischen Astronomie in dem 15ten und 16ten Jahrhundert werden von Alexander von Humboldt in einer Übersetzung aus dem Französischen im Jahre 1838 in Deutschland veröffentlicht. Im ersten Abschnitt mit dem Titel Über die Ursachen, welche die Entdeckung der Neuen Welt vorbereitet und herbeigeführt hat beschreibt Humboldt den Unterschied zwischen geschichtlicher und kritischer Untersuchung: "Bei geschichtlichen Untersuchungen ist es erforderlich, von der Allgemeinheit der Thatsachen zu dem Detail derselben überzugehen: und ich habe daher, da der Hauptzweck meiner Arbeit darin besteht, durch eine kritische Untersuchung der aus der Hand der Christoph Columbus selbst hervorgegangenen und uns erhaltenenen Dokumente eine genauere Kenntniss des Gedankenganges zu erlangen, welcher zur Entdeckung von Amerika geführt hat, mich bemüht, mir eine vertraute Bekanntschaft mit den jenigen Büchern zu verschaffen, deren sich Columbus gemeiniglich bediente, und die Stellen aus den alten Schriftstellern aufzufinden gesucht, welche den tiefsten Eindruck auf seine ununterbrochen mit weitweitsichtigen Plänen beschäftigten Einbildungskraft zurückgelassen hatten." (591) Das Schreiben Brief an Herrn Alexander v. Humboldt Bernhart Cottas vom 2. April des Jahres 1848, das seinem Commentar vorangeht, und der Brief an die Leser, der ein Inhaltsverzeichnis enthält, werden unter dem Titel Briefe ueber Alexander von Humboldt´s Kosmos herausgegeben. Im sechsten Brief über die Bewegungsgesetze beschreibt Cotta die Form der Bewegung von Planeten: "Alle Planeten (und wahrscheinlich alle Weltkörper) bewegen sich nicht in Kreisen, sondern in Ellipsen um ihre Centralkörper." Im achten Brief mit dem Titel Unser Mond bezeichnet er seine Abhandlung als Wanderung und die Bewegung des Mondes um die Sonne als Ellipse: "Wenn sie bereit sind mich zu begleiten, so wollen wir jetzt eine kleine Wanderung nach dem Monde und mit ihm durch den Weltraum unternehmen. Ich rathe Ihnen aber, einen tüchtigen Pelz und alle möglichen Lebensmittel mitzunehmen, denn es ist da wahrscheinlich recht kalt und wir finden weder Luft und Wasser noch sonst etwas Genießbares." (592) Auch vermerkt Cotta über den Mond die Metapher treuer Begleiter der Erde: "Unser Mond, der treue Begleiter der Erde, umkreist diese in elliptischer Bahn, d. h. die Bahn würde eine Ellipse sein, wenn die Erde still stände; in Beziehung zur Erde ist sie wirklich eine Ellipse, nicht aber in Beziehung zum Sonnensystem." (593)

Zurück zum Text  589. Krug, Wilhelm Traugott: Briefe über die Wissenschaftslehre. Nebst einer Ab-handlung über die von derselben versuchte Bestimmung des religiösen Glaubens. Leipzig 1800. S. 53-59. Zitat S. 55.

Zurück zum Text  590. Cicero, Marcus Tullius: De natura deorum. Über das Wesen der Götter. Über-setzt und herausgegeben von Ursula Blank-Sangmeister. Nachwort von Klaus Thraede. Stuttgart 1989. S. 16.

Zurück zum Text  591. Humboldt, Alexander von: Kritische Untersuchungen über die historische Ent-wicklung der geographischen Kenntnisse von der Neuen Welt und die Fortschritte der nautischen Astronomie in dem 15ten und 16ten Jahrhundert. Aus dem Fran-zösischen übersetzt von Julius Ludwig Ideler. Erster Band. Berlin 1836. S. 95-96.

Zurück zum Text  592. Cotta, Bernhart: Briefe ueber Alexander von Humboldt´s Kosmos. Ein Com-mentar zu diesem Werke für gebildete Laien. Erster Theil. Bearbeitet von Bernhart Cotta. Leipzig 1848. S. 23-27. Zitat S. 23.

Zurück zum Text  593. Cotta: Briefe. 1848. S. 30-36. Zitat S. 30.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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