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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


In der Beschreibung des Sternbildes Jungfrau in dem Werk Populäre Vorlesungen über die Sternkunde von Jakob Friedrich Fries verwendet der Autor im Jahre 1833 für dieses Sternbild nach der Überlieferung und Übersetzung des Originaltextes von Aratus eine Beschreibung in Form der mythischen Figur von der Rechtausspenderin Dike. In dessen Gedicht wird sie als Sängerin des Rechtes der Bürgergesetze mit einer schimmernden Aehre und ernst anmahnendem Nachdruck auf der Erde in der Epoche Zeit des goldenen Geschlechts dargestellt. In der Epoche Zeit des silbernen Geschlechts tadelte sie laut das Unrecht als eine Vergehung. Während der Epoche Zeit des ehernen Geschlechts war ihrem Gefühl solch Männergeschlecht verhaßt. (594) In der Übersetzung des Gedichtes des Aratus von Jakob Friedrich Fries lautet diese Darstellung der Taten von Dike folgendermaßen:

Aratus hat von diesen wenige gedeutet, doch von der Jungfrau sagt er:
Unter den Füßen sodann des Boots erscheint dir des Himmels
Jungfrau, die in der Hand herträgt die schimmernde Aehre:
Ob sie nun von Astäos gezeugt, der, wie man erzählet,
Vater des Sternheers war in der Urzeit, oder von sonst wem,
Ruhiges Sinns hinschwebte. Der Ruf zwar waltet mit andern
Unter dem Volk, wie sie einst als Erdbewohnerin dawar.
Und sie erschien sichtbar vor den Sterblichen; weder den Männern
Alten Geschlechts, noch den Frauen, versagte sie je die Gemeinschaft;
Sondern vermischt faßt jede wiewohl unsterbliche Göttin.
Dike war sie genannt; und die Aeltesten immer versammelnd,
Bald auf dem Markte des Volkes, und bald auf geräumigem Heerweg,
Sang sie Bürgergesetze mit ernst anmahnendem Nachdruck.
Niemals wußten sie da von unglückseligem Hader,
Noch von der Feldabteilung der zänkischen, noch vom Getümmel.
Einfach lebte man, und fern den Gefahren des Meeres.
Leibesbedarf pflog nimmer ein Schiff aus der Fremde zu führen;
Sondern der Stier und der Pflug, und sie selbst, die Verehrte der Völker,
Reichlich erbot sie alles, die Rechtausspenderin Dike.
So war jenī als blüthe das goldne Geschlecht auf dem Erdreich.
Dann mit dem silbernen wenig und gar nicht ähnlichen Umgang
Hatte sie nach den Gebräuchen der älteren Völker sich sehnend.
Aber auch jenem Geschlecht dem silbernen wohnte sie noch bey.
Und in der Dämmerung kam sie von rauschenden Höhn des Gebirges,
Einsam, und zu keinem in freundlichem Gruß sich gesellend.
Aber nachdem sie mit Menschen gefüllt die gebreiteten Hügel,
Drohete sie fortan, und tadelte laut die Vergehung;
Und nicht komme sie mehr vor den Blick der Bedürftigen, sprach sie.
"Welch ein Geschlecht doch ließen die goldenen Väter, wie völlig
Schimmernder Art! bald schauet ihr selbst noch aergere Kinder!
Ja nun wird ein Gefecht, ja nun aufrührischer Blutguß
Unter den Sterblichen seyn; und der Unthat folget das Nachweh!"
Dieses gesagt, zu den Bergen enteilte sie, aber die Völker,
Die ihr selbst noch sämtlich erstaunt nachsahen, verließ sie.
Jetzo nachdem auch jene verlebten und sich emporhub
Ehener Männer Geschlecht, weit mehr denn die vorigen heillos,
Welche zuerst aus dem Erz mißthätige Klingen geschmiedet,
Schrecken des Wegs, und zuerst Festschmauß sich bereitet vom Pflugstier;
Jetzo verhaßt ward ihr solch Männergeschlecht, und mit Abscheu
Flog sie zum Himmel empor. Dort wählte sich Dike die Wohnung,
Wo noch jetzt in der Nacht den Sterblichen leuchtet die Himmels-
jungfrau, nahe dem Stande des weitsichtigen Bootes.
(595)

Zurück zum Text  594. Text nach den `Phainomena` des Aratus. Vgl.: Aratus Solensis: Phaenomena. Edited with in-troduction, translation ans commentary by Douglas Kidd. Cam-bridge 1997. Zeile 96-110.

Zurück zum Text  595. In: Fries, Jakob Friedrich: Populäre Vorlesungen über die Sternkunde. Zweyte Auflage. Heidelberg 1833. S. 58-59.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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