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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


Ein Beispiel für die Darstellung des Kritikers durch den Autorenverbund ist Marcel Reich-Ranicki. Die Aufgabe der Interpretation des Gedichtes durch den Kritiker nimmt Reich-Ranicki in Editionen zeitgenössischer Werke wahr. Reich-Ranickis Tätigkeit als Kritiker bei der Zeit in den Jahren 1960 bis 1973, seine Leitung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in den Jahren von 1973 bis 1988, die Redaktion der Frankfurter Anthologie und die Teilnahme an den Tagungen der Gruppe 47 sind beispielhaft für den Tätigkeitbereich eines Kritikers. Reich-Ranicki spricht von der Tätigkeit als Kritiker und Literarhistoriker bei August Wilhelm Schlegel. (620) Zu Reich-Ranickis Geburtstag wird das Kritisches Wäldchen zu Marcel Reich-Ranickis Geburtstag verfaßt, in dem Adolf Muschgs schreibt: "Ich hatte vor zwölf Jahren die Ehre, Sie in Ithaca, New York, und Umgebung herumzuführen, nachdem Sie dort einen Vortrag gehalten hatten: über Günther Grass." (621) Zu den Trägern des Büchner-Preises zählen seit dem Jahre 1984 die Autoren Ernst Jandl, Heiner Müller, Friedrich Dürrenmatt, Erich Fried, Albert Drach, Botho Strauß, Tankred Dorst, Wolf Biermann, George Tabori, Peter Rühmkopf und Adolf Muschg. Wolf Biermann schlug in seiner Rede für den Preis im Jahre 1993 Marcel Reich-Ranicki vor, den er folgendermaßen als geniales Scheusal charakterisiert:

"Mein Kandidat für 1993 ist ein geniales Scheusal, das manchem womöglich nicht schmecken wird. Ich meine einen Menschen, der mehr von Literatur versteht als die allermeisten Professoren in diesem Saal. Und das kommt strafverstärkend hinzu: Er tut mehr für eine lebendige Literatur in Deutschland, als mancher linksgetünchte Literaturverweser wahrhaben will. Ein Kritiker, der -das gebe ich selbstkritisch zu -einige meiner Gedichte schätzt." (622)

Hannah Arendt stellte in ihrer Rede vom 28. September des Jahres 1959 bei der Entgegennahme des Lessing-Preises zum Begriff Gerechtigkeit fest, daß in Deutschland die Funktion von Kritik durch das Unvermögen zur Bildung von Begriffen nicht erkannt wird: "Lessings Größe bestand unter anderem darin, daß er sich niemals von einer sogenannten Objektivität oder Sachlichkeit dazu verführen ließ, das eigentliche Weltverhältnis und den Weltstand der von ihm angegriffenen oder gepriesenen Sachen und Männer aus dem Auge zu verlieren. Das ist ihm gerade in Deutschland schlecht genug bekommen, wo man noch weniger als anderswo begreifen mag, was Kritik ist, und daß Gerechtigkeit mit Objektivität im gewöhnlichen Verstande wenig zu tun hat." (623) Im späten 20. Jahrhundert ist eine typische Form der Auseinandersetzung mit Literaturkritik in Deutschland nach dem Kriege der Aufsatz in Sammelbänden. Diese Art der Bearbeitung von Literatur hat sich literarischen Kriterien einer Gattung entzogen. Das Werk Deutsche Geschichte der Literaturkritik wird von Hans Mayer mit Beiträgen über die Epochen Vorkrieg, zweiten Weltkrieg und zweite Nachkriegszeit herausgegeben. Werner Bertholds Kritik der buergerlichen Geschichts=schreibung ist ein Handbuch aus dem Jahre 1977. Die in der Deutschen Demokratischen Republik verfaßte Schrift Deutsche Literatur der Gegenwart von Karl August Horst, die erstmals im Jahre 1957 publiziert wurde, erscheint auch in Westdeutschland als ein Kritischer Führer durch die deutsche Literatur der Gegenwart im Jahre 1962. Peter Eichhorns Abhandlung Kritik der Heiterkeit ist eine Antwort auf die Preisfrage: Ist unserer Literatur die Heiterkeit vergangen?, die im Jahre 1974 von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung prämiert wurde. Sigmund von Lempicki macht im Jahre 1968 in seiner Betrachtung der Literaturgeschichte die Begründung der literarischen Kritik im 18. Jahrhundert fest. (624)

Im Jahre 1964 erscheint eine Kritik des Freien Verses mit den Abhandlungen Verszerfall von Hans-Jost Frey und Poesie fürs Auge von Otto Lorenz. Das Werk Liebe Esra mit dem Untertitel Literaturkritische Briefe über Afghanistan und Zentralasien erscheint im Jahre 1988 in Nordham und Duisburg als Dokumentation von Norbert Weiss über Afghanistan unter russischer Regierung. Günter Grass schreibt im Jahre 1975 in der Schrift Die Erwartungen des Kritikers über Norm und die literarische Kritik: "Literarische Kritik sollte den Autor an seinem eigenen Vorhaben messen. Das setzt beim Kritiker weitgehende Zurücknahme seiner eigenen literarischen Erwartungen und Ambitionen voraus. Jede von außen an den Autor und sein Buch als Maßstab gesetzte literarische Norm, schwerwiegender noch: jedes dem zu rezensierenden Buch angepaßte ideologische Raster muß zu einem kritischen Verfahren führen, das nicht den Autor und sein Buch erreicht, sondern allenfalls festlegen kann, inwieweit der Autor den literarischen und ideologischen Erwartungen des Kritikers gerecht geworden ist." (625) Die Literaturkritik in der Postmoderne wird nach literarischen Gattungen, durch Formen und Medien einzelner Vertreter in historischen Abschnitten bis zur Gegenwart dargestellt.

Zurück zum Text  620. Reich-Ranicki, Marcel: Der romantische Prophet. Anmerkungen zu Friedrich Schlegels Literaturkritik. Erlangen und Jena 1993. S. 15.

Zurück zum Text  621. Reich-Ranicki, Marcel: Literatur und Kritik. Aus Anlaß des 60. Geburtstags von Marcel Reich-Ranicki herausgegeben von Walter Jens. Stuttgart 1980. S. 51.

Zurück zum Text  622. Büchner-Preis-Reden 1984-1994. Herausgegeben von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Stuttgart 1994. S. 201.

Zurück zum Text  623. Arendt, Hannah: Rede am 28. September 1959 bei der Entgegennahme des Les-sing-Preises der Freien und Hansestadt Hamburg. Mit einem Essay von Ingeborg Nordmann. O. O. 1999. S. 11.

Zurück zum Text  624. Lempicki, Sigmund von: Geschichte der deutschen Literaturwissenschaft bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Göttingen 1968. S. 312-314.

Zurück zum Text  625. Grass, Günter: Werkausgabe. Essays und Reden II. 1970-1979. Herausgegeben von Volker Neuhaus und Daniela Hermes. Bd. 15. Herausgegeben von Daniela Hermes. Göttingen 1997. S. 408.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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