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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik 2.3 Praxis und Theorie der Überlieferung von der Ars critica zur Literaturkritik2.3.1 Kritik und Geschichte als Begriffe zur Klassifikation von Literatur im 18. und 19. JahrhundertDie Klassifikation von Literatur der Künste (artes) und Wissenschaften (scientiae) durch die Gattungsbegriffe Geschichte (historia) und Kritik (critica) wird von Philologen in der Aufklärung mit einer Unterscheidung nach ihren Anwendungsbereichen gestaltet. Bezeichnungen von Gattungen wie Geschichte der Kritik sind Teile der Terminologie zur Erforschung von Themen in der deutsche Hochsprache. Auch Abhandlungen für die Darstellung von Kritik wird der Begriff Geschichte genutzt. Innerhalb der Organisation von Künsten und Wissenschaften werden mit dieser Bezeichnung unterschiedliche Methoden der Kritik als System von Regeln und als Sammelbezeichnung für Werke und Gattungsbegriff gekennzeichnet. In dem Werk Bibliographia critica scriptores omnium artium atque scientiarum sind von Johann Henrich im Jahre 1715 die Künste (artes), Wissenschaften (scientiae) und Disziplinen (disciplinae) nach den Kategorien allgemein (vulgaris), populär (popularis), liberal (liberalis) und philosophisch (philosophica) unterteilt. Zu den Freien Künste (artes liberales) gehört die nach Grammatik (grammatica), Rhetorik (rhetorica) und Dichtung (poesis) untergliederte Philologie (philologia) mit den Kritikern der Dichter (critici poetarum), die neben den Fächern Geschichte (historia), Mathematik (mathesin), Logik (logica) und Philosophie (philosophia) den Kanon von Künsten und Wissenschaften bildet. Über die Krisis der Dichter (crisis poetarum) vermerkt Henrich, daß sie in der Geschichte der Dichter (historia poetarum) bei römischen Autoren, griechischen Autoren, Scholastikern und in der Neuzeit bei Causebon und Scaligers zu finden ist: "Dictum est hactenus de Institutione Poetica & de Historia Poetarum, per modum excerptorum: addi potest tertio Crisis Poetarum, de qua eximia multa occurrunt in Ciceronis, Quintiliani & Graecorum Rhetorum ut & scholastarum scriptis. [...] Crisis quoque Poeticam exhibet Casaubonus in libro de Satyra. In Crisi autem circa poetas facienda omnium ingenium & curas superavit Iulius Caesar Scaliger in Poeticis, de quibus supra dictum." (626) Die kritische Geschichte (historia critica) dient als eine Form der Darstellung von Wissenschaften
und Künsten. Auf dem Titelblatt von Pierre Bayles Dictionaire historique et critique ist im Jahre
1738 ein Emblem in Form eines Rondos mit einer sitzenden Frau, die einem Helm und ein langes
Gewand trägt, abgebildet, auf deren Knien ein Buch liegt. Vor ihr lesen ein stehender und zwei
liegende männliche Kinder in aufgeschlagenen Büchern. Im Hintergrund befindet sich eine Säule und
ein rundes Gebäude, vor dem eine Sphinx auf einem Podest hockt. Jakob Friedrich Reimmann
verwendet im Werk Versuch einer Critique ueber das Dictionaire historique & critique des Mr.
Bayle im Jahre 1711 das Wort Critique für seine Methode zum Nachweis von Bayles Rückgriff auf
Arbeiten von Johann Wower. (627) Johann Jakob Brucker notiert im Jahre 1743 in seinem Werk
Historia critica philosophiae über die Empfehlung (commentatio) des Aristoteles für den Weg des
Philosophierens (philosophandi via), den kritischen Geist (genius criticus) im 16. Jahrhundert und
die Kunst der Kritik (ars critica) folgende Beschreibung: "Sufficere haec ad commendationem
Aristotelis apud illos poterant, qui munerum, dignitatum, commodorumque illecebris persuasi
receptis opinibus deflectere nolebant, et tamen Scholasticas quisquilias perosi meliorem
philosophandi viam tentabant. Verum novam iis rationem suggessit, animumque valde addit seculi
XVI in orbe literario genius. Ille enim totus criticus erat, et linguarum eruditarum, maxime
Graecae et Latinae historiae veteris, antiquitatum et similium notitia superbiebat, adeoque plus ad
artem criticam, quam ad philosophiam adspirabat." (628) Brucker spricht von einer Nichtbeachtung
der Kunst der Kritik (ignorantia in arte critica), die David Blondellus tadelt: "Quem malum
argumentandi morem merito reprehendit
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