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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


2.3.2 Die Disziplinen Literärgeschichte und Literaturkritik in Deutschland im 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert werden die Begriffe Geschichte und Kritik für Bearbeitungen von Literatur in deutscher Sprache genutzt. Unter den Wissenschaften haben die philologischen Disziplinen ihre Methoden mit diesen Begriffen auch auf die Darstellung ihrer eigenen Geschichte angewandt. Die Begriffe Literaturkritik und Litterärkritik sind seit der Verwendung von deutscher Sprache in wissenschaftlichen Schriften ein Teil der Terminologie von Kritik. Gattungen der Litterärgeschichte und Kritik der Literatur in Schriften zur Wortlehre von Sprachen der Antike sind repräsentiert durch die historisch-kritische Abhandlung (dissertatio historica-critica). Beispiele für die praktische Anwendung von Kritik (critica) als eine Methode im 19. Jahrhundert finden sich zur Interpretation von Epochen der Geschichte in der Gattung Rede. Die Schrift Gegenwärtiger Zustand der Besitzungen der Europäer in Ostindien von August Henning ist im Jahre 1786 ein Teil des Versuchs einer ostindischen Litteratur-Geschichte, der nebst einer kritischen Beurtheilung der Aechtheit der Zend-Bücher veröffentlicht wird. In Moskau erscheint der Versuch einer kritischen Literatur der russischen Geschichte von Johann Gottlieb Buhle im Jahre 1810. Leopold von Rankes Schrift Zur Kritik neuerer Geschichtsschreiber wird im Jahre 1824 mit einer Beilage zur romanischen und germanischen Geschichte publiziert.

Die Schrift Umrisse zur Geschichte und Kritik der schönen Literatur Deutschlands während der Jahre 1790 bis 1818 erscheint von Franz Horn in drei Büchern in zweiter Auflage im Jahre 1821. Horn unterscheidet die Kritik, die "nur darauf ausgeht, das Fehlerhafte und Untröstliche eines Buches, eines Menschen, oder einer Zeit aufzufinden" als eine "Kritik, die sich sehr bequem ausüber läßt" von der wahrhaften Kritik, die der anderen entgegengesetzt ist: "Sie erkennt das Gute und Schöne im Leben und in der Schrift als sein sollend, und da sie selbst hervorgegangen ist aus der reinen Idee jener beiden Elemente des Lebens, so kann sie nie ohne Liebe sein [...]." (650) Horn spricht von der Schwierigkeit des Unternehmens, zu bestimmen, was die Kritik sein soll. In seinem Rückblick auf die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des französischen Revolution wird der damalige Zustand der schönen Literatur in Deutschland an den Autoren Klopstock, Wieland, Gesner, Lessing, Goethe und Schiller dargestellt. Horn verwendet die Begriffe irrige Tendenzen, falsche Aufklärung, Volkserziehung und Jugenderziehung für die Kultur in dieser Zeit. Horn bespricht die Zustände der Künste, Musik, Poesie, Schauspielkunst, Malerkunst und den Begriff Kritik der schönen Redekünste für die Kultur während der Aufklärung. Für die Wirkungen von Frankreich auf die deutsche Bildung verfaßt er die Schrift Bemerkungen über das Verhältnis beider Völker zu einander. Über die Richtung der schriftstellerischen Thätigkeit der Deutschen seit 1789 stellt er fest, daß gegenüber der politischen Kunstthätigkeit die producierende Kunstthätigkeit überwiegt. Ihre Vertreter sind die Dichter Klopstock, Wieland, Goethe, Schiller, Herder, Kotzebue, Iffland, Johann Andreas Cramer und Gotthelf Wilhelm Christoph Starke. Die Neue Zeit in der Literatur beginnt für Horn mit der Wissenschaftslehre von Fichte und den Horen und Xenien Schillers.

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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