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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


Der Begriff Literaturkritik wird in der Moderne als eine Bezeichnung von Schriften, die Literatur beurteilen, Versuche verwendet. Der Begriff wird für die Bewertung von Literatur des frühen 20. Jahrhunderts genutzt. Autoren fragen nach den Kriterien für die Unterscheidung von Kunst und Kritik. In der Einleitung eines Schreibens auf die Rundfrage Bedarf die Kritik einer Reform? Welches sind die Hauptmängel der Kritik?- Wie verhalten Sie sich zur Nachtkritik, das von Thomas Mann im Jahre 1905 gedruckt wurde, wird in einer Ansprache der Kritiker Alfred Kerr bei der Erörterung des Begriffs Kritik als Kunst erwähnt: "Ich sehe über Ihre Absichten nicht ganz klar. Sie wünschen die Kritik als Kunst ausgeübt zu sehen - also : Kerr? Sie lassen Ihr Unternehmen von Hermann Sudermann segnen- also: Wider die "Verrohung"? Ich bekenne Ihnen offen, daß dies letztere mein Fall nicht wäre und ich durch ihn eine Liga von großen Männern wider die respektlose Kritik etwas unendlich Lächerliches empfinde. Aber eine solche Liga läßt die Liste von Herren, die Ihnen zustimmend geantwortet haben, fast schon vor dem geistigen Auge erstehen. [...] Es gibt keinen wahren Künstler -heute gewiß nicht! -der nicht zuletzt auch ein Kritiker wäre, und kein wahrhaft kritisches Talent ist denkbar ohne die Feinheiten und Kräfte der Seele, welche den Künstler machen." (672)

In der Sammlung Vom Wesen der Kritik definiert Julius Bab im Jahre 1922 in der Schrift Kritische Betrachtungen das Wort kritisieren und die Fähigkeit der Nachahmung von Künstler und Kritiker: "Kritisieren heißt scheiden, trennen. Es kann also als geistige Funktion nur die Bewältigung eines Gesetzten durch begriffliche Zerlegung bedeuten. Im Gegensatz zur Erfassung durch künstlerische Gestaltung. (673)[...] Der Künstler und der Kritiker sind Nachahmer durch Zeichen: [...] Der kritische Geist will dem künstlerischen weder dienen noch ihn nachahmen. Er will wie jener die Welt noch einmal geben -aber in seinen besonderen Zeichen, in den Zeichen begrifflichen Denkens. Gleich elementar und groß steht von Anbeginn neben dem künstlerisch-gestaltenden der philosophisch-kritische Trieb in der Menschheit. Was wir im engern Sinne "Kunstkritik" nennen, hat Sinn und Eigenrecht als Ausstrahlung dieses philosophischen Erkenntnistriebes auf die Einzelerscheinungen in jenem Kreise von Erfahrungen, der uns "Kunst" heißt." (674) Die ältere Forschung der Moderne legt mit ihren Beurteilungen auch Beispiele für die Idee der Nachahmung dar. So schreibt der Dichter Alfred Henschke unter dem Pseudonym Klabund im Epilog seiner Literaturgeschichte im Jahre 1929: "Nicht nur die Kritiker, auch die Dichter selbst machten Gesinnung und nicht Gestaltung zum Wertmesser einer Dichtung." (675) Die Schrift Vom Kunstrichter zum Kunstdiener ist ein Vortrag, der auf der Tagung des Reichskultursenats am 29. November 1936 von Alfred-Ingemar Berndt gehalten wurde. Werner Mahrholz schreibt zum Verhältnis von Kritik und Literaturgeschichte in seiner im Jahre 1932 erschienenen Abhandlung Literargeschichte und Literaturwissenschaft über den Kritiker: "Der Kritiker ist der Vorläufer des Literaturhistorikers. So ist es kein Zufall, daß zunächst eine ganze Generation von Kritikern lebt, schreibt und wirkt, bevor die ersten Literarhistoriker, die [...] Darsteller literarischer Entwicklungen sind, auf den Plan treten." (676)

Max Bense verwendet in seiner Schrift Vom Wesen deutscher Denker oder Zwischen Kritik und Imperativ im Jahre 1938 den Begriff Kritik der Existenz für den Umgang mit der Krisis: "Eine Kritik der Existenz richtet sich nicht an ein Problem, sondern an die Krisis, denn sie richtet sich nicht an eine gegenständliche, sondern an eine reflexive Problematik." (677) In dieser Schrift Benses steht Martin Luther als ein Symbol für den Geist der Sprache und des Protests. Johannes Kepler ist ein Vertreter für die Ordnung des Sichtbarlichen. Gottfried Wilhelm Leibnitz ist ein Repräsentant für die Beziehung zwischen Mathematik und Musik. Immanuel Kant ist ein Beispiel für das Wesen des Denkers. Sören Kierkegaard dient Bense für einen Vergleich mit dem deutschen Geist. An Friedrich Nietzsche veranschaulicht Bense die das Zusammenwirken von Philosophie und Verführung. Oswald Sprengler ist ein Beispiel für die Kritik der Geschichte und David Hilbert für die Rechtfertigung des Mathematik. Leonard Bergers Schrift Die literarische Wertung mit dem Untertitel Ein Spektrum der Kritik erscheint im Jahre 1938. Diese Schrift gliedert sich in die Grundlagen wie subjektive und objektive Vorraussetzungen der Wertung, Idee und Symbol als die Hauptbegriffe der Literaturwissenschaft im Unterschied zur Kunst -und Musikwissenschaft. Die Koordination von ästhetischer und außerästhetischer Betrachtungsweise ist ein Teil der Beurteilung von Dichtwerken. Zu den ästhetischen Gesichtspunkten der Wertung zählen Begriffe wie der inhaltlich-stoffliche Gesichtspunkt (Erfindung), die Sprache, die Symbolik, die Atmosphäre und die Form (Gattung). Zu den Begriffen für die außerästhetischen Gesichtspunkte der Wertung zählen die Weltanschauung, das Ethos ("Persönlichkeit"), der religiöse Gesichtspunkt und der nationale Gesichtspunkt. Siegfried J. Schmidt beschreibt Prinzipien zur literarischen Wertung des literarischen Handelns: "Für literarisches Handeln wird postuliert, daß es sich an Prinzipien wie Selbstorganisation und Selbstverwirklichung, Innovation, Ordnung aus Fluktuation und Abbau von Kontrollhierarchien, an offenen Lernprozessen und Tolenanz orientieren soll." (678)

Zurück zum Text  672. Mann, Thomas: ´Kritik´ und Schaffen´. S. 369-370. Zitat S. 369 und S. 370.

Zurück zum Text  673. Bab, Julius: Vom Wesen der Kritik. In: Ders: Über den Tag hinaus. Kritische Betrachtungen. Darmstadt 1960. S. 17-23. Zitat S. 17.

Zurück zum Text  674. Bab: Vom Wesen der Kritik. 1960. S. 19.

Zurück zum Text  675. Klabund: Literaturgeschichte. Die deutsche und die fremde Dichtung von den Anfängen bis zur Gegenwart. Wien 1929. S. 398.

Zurück zum Text  676. Mahrholz, Werner: Literargeschichte und Literaturwissenschaft. Leipzig 1932. S. 1.

Zurück zum Text  677. Bense, Max: Die abendländische Leidenschaft oder zur Kritik der Existenz. München und Berlin 1938. S. 27.

Zurück zum Text  678. Schmidt, Siegfried J.: Literarische Wertung. Zur Reformulierung eines Problems im Rahmen der Empirischen Literaturwissenschaft. In: Lyrik -Erlebnis und Kritik. Gedichte und Aufsätze des dritten und vierten Lyrikertreffens in Münster. Heraus-gegeben von Lothar Jordan, Axel Marquardt, Winfried Woesler. Frankfurt am Main 1988. S. 186-211. Zitat S. 186.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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