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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


Der Begriff Literaturkritik ist mit Regeln für journalistische Formen verbunden, die der antiken Wissenschaft verpfichtet sind. Der Begriff wird nicht allein als ein Hinweis auf die Kunst der Kritik mit Vermerken auf die Legitimation des Kritikers verwendet. Karl Friedrich Müller nutzt in der Schrift Die literarische Kritik in der mittelhochdeutschen Dichtung und ihr Wesen im Jahre 1933 für die Darstellung seines Verfahrens die Begriffe geistiger Standort des Beurteilers, Form und Funktion der Kritik und das sie auslösende Moment. (679) Georg Lucács behandelt die Kritik der Moderne. Vom Typus Kritiker spricht Lucács in der Schrift Schriftsteller und Kritiker aus dem Jahre 1939: "Die Geschichte der Ästhetik kennt neben dieser Gestalt des Dichter- Kritikers nur noch einen anderen Typus, der wirklich fruchtbar gewirkt, wirklich Neues gebracht hat: den philosophischen Kritiker." (680) Eine Kritik an der Literaturtheorie Lasalles erscheint von Lukács in der Zeitschrift Der rote Aufbau im Jahre 1932. Diese Studien für einen Vortrag an der Deutschen Akademie der Künste im Jahre 1956 zum Thema Die Gegenwartsbedeutung des kritischen Realismus aus dem Jahre 1957 legt Lukács im Vorwort vom April des Jahres 1957 dar. (681)

Klaus Manns Schrift Der Geist der Toleranz wurde als Erstveröffentlichung nach dem amerikanischen Manuskript aus dem Jahre 1939 publiziert. Im Jahre 1941 wird sein Aufsatz Die Aufgabe des Schriftstellers in der gegenwärtigen Krise nach dem Typoskript The functions of the writer in the present crisis publiziert. Mann spricht hier von der Selbstverteidigung des Schriftstellers unter den Mitbürgern. (682) Im Januar des Jahres 1947 erscheint von Erich Kästner in der Neuen Zeitung der Artikel Erste Hilfe gegen Kritiker mit dem Untertitel Methodologische Betrachtungen mit den einleitenden Worten: "Die Menschheit zerfällt nach Linné in gute und böse Menschen. Die bösen Menschen zerfallen ihrerseits in die Gelegenheitsbösewichte und in solche, die von Jugend aus böse sind. Und auch diese, die gebürtigen Bösewichte oder Professionals, zerfallen in zwei Teile: in die Verbrecher mit Volksschulbildung und in die Kritiker." (683) Karl August Horst beschreibt im Vorwort seines Kritischen Führers durch die deutsche Literatur der Gegenwart vom 14. Mai des Jahres 1962 die Form der kritischen Darstellung: "Eingehendere Beschäftigung mit der essayistischen Literatur, insbesondere mit den Schriften von Walter Benjamin und Theodor W. Adorno, lieferte für die kritische Darstellung der erzählenden und lyrischen Dichtung wertvolle Gesichtspunkte. [...] Der Autor hat sich auch nicht gescheut, Urteile der ersten Fassung zu revidieren, wenn ihn die inzwischen erschienenen Bücher eines Schriftstellers zu der Überzeugung brachten, daß er ihn vorher aus zu kurzen oder zu weitem Abstand gesehen hatte." (684) In seiner Einleitung beschreibt Horst den Unterschied zwischen Kritik und Geschichte der Literatur: "Der Kritiker ist der verwegenen Anschauung, daß nicht nur sein Urteil über die Bücher sich im Laufe der Zeit ändert, sondern auch daß sich die Bücher selbst ändern. Mit dieser Anschauung gerät er häufig in Widerspruch zur Literaturgeschichte, die den Bestand sichert und nicht alle zehn Jahre neu geschrieben wird. Der Kritiker geht von der Beobachtung aus, daß sich durch Hinzutreten einer neuen Größe zu einer bestimmten Reihe die gesamte Reihe ändert." (685)

Nach dem Zweiten Weltkrieg erscheint der Vortrag Die Kulturfunktion der Kritik von Jürgen Rausch am 12. Juni des Jahres 1958. Fritz J. Raddatz gibt die Schrift Summa iniuria oder Durfte der Papst schweigen? mit dem Untertitel Hochhuths "Stellvertreter" in der öffentlichen Kritik im Jahre 1964 heraus. In Reden und Preisreden zur Kritik von Schriftstellern werden Allegorien für diesen Ausdruck genutzt. Zu Knut Hamsuns Werk Auf überwachsenen Pfaden beschreibt Gottfried Benn das moralische Gesetz: "Nun wird Kant angerufen und sein Königsberger Traum, und plötzlich ist das moralische Gesetz ohne Zäsur und ohne Krisen -jedoch die Breitengrade und die Geographie und der Wandel der Kulturkreise lassen in dieser Richtung gewisse Fragen offen." (686) Auch sind bei der Erforschung der literarischen Wertung Neologismen in der Terminologie ihrer Begriffe ein auffälliges Merkmal. Schriften mit einer Stellungnahme oder Absicht, eine Geschichte zur Literatur der Kritik zu verfassen, gibt es reichlich. Strukturell sind sie -prospektiv konzipiert- mit den Vorworten verwandt: "Ein deutsches Buch über das letzte deutsche Halbjahrhundert täte uns not. Aber wahrscheinlich wird ein Professor es schreiben, nicht ein Kritiker. Schade!" (687) In diesem Zitat mit dem Begriff literarische Kritik von Ernst Robert Curtius erwähnte der Philologe auch als Formen des Schriftstudiums die Kritik neben der Philologie, Exegese und den Geisteswissenschaften. (688) Friedrich Stroht vermerkt im Handbuch der germanischen Philologie im Jahre 1952 mit Berufung auf Curtius: "Auslegen heißt aber vor allem: unterscheiden (Kritik). Dem folgt erst das Verbinden (Vergleichung), und "nur eine so gewonnene Synthese ist legitim." (689) Zu den Kritikern der Aufklärung bemerkt Stroht: "Die Philologen der Aufklärung sind Kritiker, zumal des Gegenwärtigen. Sie regeln wie Gesetzgeber und Diktatoren, sanktionieren wie Päpste" (690)[...] So hoch Jacob Grimm die Kritik achtete und an Geistern, die für sie ausgerüstet schienen, bewunderte, ihm lag doch mehr am Herzen, versiegte Quellen wieder aufzutun." (691)

Zurück zum Text  679. Müller, Karl Friedrich: Die literarische Kritik in der mittelhochdeutschen Dichtung und ihr Wesen. Frankfurt am Main 1933. S. 104-111.

Zurück zum Text  680. Lukács, Georg: Essays über Realismus. Berlin 1971. S. 377-412. Zitat S. 400.

Zurück zum Text  681. Lukács: Kritik der Literaturtheorie Lasalles. In: Georg Lukács in Berlin. Literaturtheorie und Literaturpolitik der Jahre 1930/32. Berlin 1990. S. 457-458. Zitat S. 459.

Zurück zum Text  682. Mann, Klaus: Zweimal Deutschland. Aufsätze, Reden, Kritiken 1938-1942. Herausgegeben von Uwe Naumann und Michael Töteberg. Reinbeck bei Hamburg 1994. S. 263-271. Zitat S. 268.

Zurück zum Text  683. Kästner, Erich: Erste Hilfe gegen Kritiker. Methodologische Betrachtungen. In: Ders.: Gesammelte Schriften. Bd. 5. Vermischte Beiträge. Frankfurt am Main, Wien, Zürich 1965. S. 93-98. Zitat S. 93.

Zurück zum Text  684. Horst, Karl August: Kritischer Führer durch die deutsche Literatur der Gegen-wart. Roman, Lyrik, Essay. München 1962. S. 10.

Zurück zum Text  685. Horst: Kritischer Führer. 1962. S. 13.

Zurück zum Text  686. Benn, Gottfried: Prosa und Szenen. Gesammelte Werke in vier Bänden. Heraus-gegeben von Dieter Wellershoff. 4. Bd. Stuttgart 1985. S. 262 und S. 149.

Zurück zum Text  687. Curtius, Ernst Robert: Büchertagebuch. Mit einem Nachwort von Max Rych-ner. Bern und München 1960. S. 25.

Zurück zum Text  688. Curtius: Büchertagebuch. 1960. S. 14 und S. 26.

Zurück zum Text  689. Stroht, Friedrich: Handbuch der germanischen Philologie. Berlin 1952. S. 20.

Zurück zum Text  690. Stroht: Handbuch der germanischen Philologie. 1952. S. 50.

Zurück zum Text  691. Stroht: Handbuch der germanischen Philologie. 1952. S. 83.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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