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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


Die jüngere Forschung vertritt philologische Ansätze zur Erforschung einer Geschichte der Kritik nach den Strukturen von ihren formalen Elementen. Herbert Jaumann wies mit dem Stichwort Kritikgeschichte im Epilog seiner Schrift Critica auf die von der Forschung bislang unberücksichtigte Kritikgeschichte im 18. und 19. Jahrhunderts hin. (703) Jaumann erwähnt hier, daß die Untersuchung der "Folgen der bloßen Existenz der Ästhetik [...] für die praktische Kritik" das der neuesten Kritikgeschichte aufgegebene Thema sind, das mit einer Untersuchung von Formen der Abgrenzung, der Opposition und der Konkurrenz oder auch der selektiven Übernahme von Elementen zu betrachten ist. (704) Mit diesen Kriterien der Veränderung wies Jaumann darauf hin, daß seit dem 19. Jahrhundert die "Kritik, in deren Nachkommenschaft ein bestimmter Typus der Kontextualisierung literarischen Formen, Themen, Autoren usw. gepflegt wird", in einer neuen Lage ist. (705) Die Bemerkungen von Holger Dainat und Hans-Martin Kruckis erscheinen im Jahre 1995 zur Definition von Literaturkritik seit dem 18. Jahrhundert. Diese Literaturkritik unterscheidet von der Literaturwissenschaft darin, daß sie als Teil der Theorie der Trennung "weniger an tradierte methodische Verfahren gebunden ist". An dieser Stelle sagen die Autoren auch, daß Literaturkritik und Literaturwissenschaft komplementäre Funktionen erfüllen und sich grundsätzlich in ihrem internen Prozessieren unterscheiden. (706) Horst S. Daemmrich vermerkt in der Schrift Literaturkritik in Theorie und Praxis im Jahre 1974, daß unter die Wahrnehmung psychische Faktoren, die Einstellung des Lesers zum literarischen Text, Erfahrungs- und Erwartungshorizont, Phasen des Wahrnehmungsvorganges und Gefühle fallen, für die er die Begriffe Illusion, Distanz und Mimesis verwendet. Daemmrich definiert Literaturkritik als eine Untersuchung von Reduktion und Abstraktion: "Für den Kritiker entsteht die Aufgabe zu untersuchen, ob eine Reduktion ins Besondere (konkretes Detail) oder eine Abstrahierung des Allgemeinen (Typen) so weit geht, daß sie die Einbildungskraft des Lesers beeinträchtigt." (707)

Die Beiträge der Forschung in der Postmoderne trennen Literaturkritik durch Begriffe von der Literaturgeschichte und anderen Disziplinen. Auf historische philologische Begriffe für ihre Kriterien von anderen Disziplinen wird bei der Darstellung von Kritik hingewiesen. Hinsichtlich der Berücksichtigung von Disziplinen und Institutionen, die für eine Geschichte der Kritik relevant sind, weist dieser Forschungsstand einen einheitlichen Ansatz mit Begriffen auf. Diesen Ansatz vertritt Hans Mayer, der die beiden Begriffe literarische Kritik und Literaturkritik im Vorwort zu seiner Ausgabe der Deutschen Literaturkritik im Januar des Jahres 1975 verwendet. (708) Meyer argumentiert im Jahre 1976 im Vorwort von seiner Schrift über Eigenschaften von Kritikern historisch nach biographischen Eigenschaften: "Da die Meister der Kritik zwischen 1750 und 1830 fast alle bedeutende Künstler waren, war eine Trennung, ein Auseinanderfallen von Künstler und Kritiker, nahezu unmöglich." (709) Hans Dieter Zimmermann stellt in seiner Schrift Vom Nutzen der Literatur aus dem Jahre 1977 die Frage, wozu Literatur nach Affirmation und Negation dient. Zimmermann, der die Gefahr der Kritik, daß die Interpretation am Text vorbei geht, erwähnt, untersucht den Erwerb der Sprache mit vom Autor augeleiteten Begriffen: Das Ich und das Selbst, das symbolische Spiel, das innere und das äußere Sprechen, die literarische Übersetzung, das Phantasieren des Autors und die Biographie des Autors, die Entwicklung der Identität, instrumentales und kommunikatives Handeln und Literatur als kommunikatives Handeln, Disposition und Motivation, die Konstruktion des Textes, Gelegenheitsdichtung, Typen und Gattungen, Symbole und Zeichen, die Fiktionalität des Textes, Reproduktion und Rezeption, Wort und Bild, Leser und Kritiker und Lebensgeschichte. Abschließend stellt er die Frage nach dem Literaturkritiker, der sich einem Typus von Leser zuordnen läßt. (710)

Die Nähe der Kritik zu anderen zeitgenössischen Disziplinen ist ein Thema der Forschung. Paul Reimanns Schrift Hauptströmungen der deutschen Literatur 1750-1848 aus dem Jahre 1965 ist ein konventioneller Grundriß der Geschichte und Kritik. In Metzlers Literaturlexikon wird Literaturkritik definiert als "Behandlung literarischer Werke und Stile, bei der die kritische Interpretation, Reflexion und literarische Wertung im Vordergrund stehen." (711) In der Vorbemerkung zum Kritischen Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartliteratur beschreibt Heinz Ludwig Arnold die Funktion der Kritik für den Aufbau eines kritischen Lexikons: "Das Wort ´kritisch´ in seinem Titel wurde 1978 bei der Gründung dieses Lexikons nicht als modischer Anstrich, sondern mit Bedacht gewählt: weil sich die Artikel des KLG nicht mit werkimmanenten und allgemeinen Beschreibungen begnügen, sondern Werk und Autor im Zusammenhang der zeitgenössischen Literatur darstellen und problematisieren." (712) An anderer Stelle wird in diesem Lexikon im Verglich mit einem Gesetzbuch zur Person des Kritikers vermerkt, daß er sich vom Richter unterscheidet: "Ein literarisches Lexikon ist kein normierendes Gesetzbuch, der literarische Kritiker ist kein Richter. Tendenzen, die in zunehmend unsicherer Zeit ausgerechnet der Literatur mit scheinbar objektiven Urteilen beikommen möchten, will das KLG mit seiner Konzeption entgegenwirken." (713)

Zurück zum Text  703. Jaumann, Herbert: Critica.Untersuchungen zur Geschichte der Literaturkritik zwischen Quin-tilian und Thomasius. Leiden, New York und Köln 1995. S. 304.

Zurück zum Text  704. Jaumann: Critica. 1995. S. 308.

Zurück zum Text  705. Jaumann: Critica. 1995. S. 308.

Zurück zum Text  706. Dainat, Holger und Kruckis, Hans-Martin: Die Ordnungen der Literatur(wissen-schaft). In: Fohrmann, Jürgen; Müller, Harro: Literaturwissenschaft. Unter Mit-wirkung von Susanne Landeck. München 1995. S. 117-156. Zitate S. 153 und S. 155.

Zurück zum Text  707. Vgl. zu den Begriffen die Abschnitte in: Daemmrich, Horst S.: Literaturkritik in Theorie und Praxis. München 1974. S. 26-54, S. 55-81, S. 82-120, S. 121-144, S. 145-161, S. 161-175, S. 175-186, S. 186-205. Zitat S. 129.

Zurück zum Text  708. Deutsche Literaturkritik im 19. Jahrhundert. 1976. S. 13-37.

Zurück zum Text  709. Deutsche Literaturkritik im 19. Jahrhundert. 1976. S. 33.

Zurück zum Text  710. Zimmermann, Hans Dieter: Vom Nutzen der Literatur. Vorbereitende Bemer-kungen zu einer Theorie der literarischen Kommunikation. Frankfurt am Main 1977. Zitat S. 161-162.

Vgl die entsprechenden Abschnitte S. 9-11, S. 12-17, S. 25-32, S. 33-36, S. 37-40, S. 45-49, S. 50-53, S. 54-60, S. 41-44, S. 72-79, S. 61-66, S. 67-71, S. 97-104, S. 79-87, S. 88-91, S. 92-96, S. 105-115, S. 116-128, S. 129-138, S. 139-151, S. 152-158, S. 159-167, S. 168-172, S. 168-172.

Zurück zum Text  711. Metzlers Literaturlexikon. Begriffe und Definitionen. Herausgegeben von Gün-ther und Irmgard Schweikle. Stuttgart 1991.S. 277.

Zurück zum Text  712. Arnold, Heinz Ludwig: Vorbemerkung. In: Kritisches Lexikon zur deutsch-sprachigen Gegenwartliteratur. Herausgegeben von Heinz Ludwig Arnold. Mün-chen 1978.O. S.

Zurück zum Text  713. Arnold: Vorbemerkung. 1978. O. S.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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