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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


Die Terminologie der philologischen Kritik dokumentiert im Jahr 1716 die Schrift Diatribe de variis modis litteras colendi apud veteres Romanos von Johann Georg Walch. Walch verwendet Quintilian als einen Gewährsmann für seine Darstellung der Aufgaben von Grammatik und Beredsamkeit. Zur Veranschaulichung dieser Verbindung von Staatsführung und Kritik dienen ihm die Anweisungen Quintilians und seine Fähigkeiten als Kritiker. Diese Eigenschaften gelten Walch auch als Bestandteil für die Beredsamkeit, die auch zur Ausübung von Staatsgeschäften förderlich ist. Quintilian ist somit Gewährsmann für die richtige Ausbildung zum Redner und die allgemeine Bedeutung der Rede für den Aufbau des Staates und zur Ausübung von Staatsgeschäften. Dabei versteht sich Walch in seiner Argumentation darauf, allgemeine Vorstellungen der Ausbildung des Redners auf die Staatssache zu übertragen. Zunächst nennt er Qualitäten, die zur Ausbildung förderlich sind. Die Verbesserung (emendatio) gilt Walch als ein äußerst nützlicher Teil von Studien jedweder Art. (763) Nach Quintilian Anraten ist zu jeder Art von Studium eine einfache Lebensführung (frugalitas) notwendig. (764) Im abschließenden Teil der Rede wird der Nutzen von Kritik und Beredsamkeit auf die Staatsführung herausgestellt. Walch bezeichnet Kritik (critica) als Bestandteil der Redekunst (dicendi ars) und der Beredsamkeit (eloquentia). Insbesondere auf deren Bedeutungen als Bestandteile der Staatspolitik weist der Verfasser am Beispiel Roms hin. Zum Zwecke der Beratung, zur Ausübung der Tätigkeiten von Amtsträgern und für die Ansprache der Bevölkerung ist Beredsamkeit erstrebenswert. (765)

In Johann Ernst Immanuel Walchs Abhandlung De arte critica veterum Romanorum, die als Geschichtskompendium Vertreter der griechischen und römischen Kunst der Kritik (ars critica) zusammenstellt, handelt es sich um einen Werk der literarischen Gattung Rede. Dieser Vortrag wurde von Walch in Jena im Jahre 1757 in zweiter Auflage veröffentlicht. Bereits ein Jahrzehnt zuvor wurde der Hauptteil dieser Schrift in Form der Rede Diatribe de ortu et progressu artis criticae apud veteres romanos als separater Druck veröffentlicht. Walchs Schrift ist beispielhaft für den Bereich der Kritik, der als Verbindung zwischen Disziplinen der Philologie dient und dessen Methoden unter dem Begriff ars critica zusammenfaßt werden. Diese Kunst der Kritik (ars critica) beruht als Analyse von Texten in der Philologie für den Autor auf dem Quellenstudium von antiken Schriften. Auf diese Methode stützt sich seine Schrift mittels der kommentierten Wiedergabe von antiken Quellen und ihrer philologischen Kritik im 17. Jahrhundert. Auch für die Zusammengehörigkeit von Dichtung und Kritik ist der Rhetoriker für Walch ein veranschaulichendes Beispiel. Die Textkorrektur, Interpretation und Kommentierung von Schriften sind bei Walch Bereiche, die Rhetorik, Kunst der Kritik (ars critica) und Grammatik nutzen.

Kritik setzt Johann Jakob Rentsch in seiner Rede als eine Methode der Staatspolitik in Schriften, die Aufgaben der ars critica mit Anweisungen zur Staatsführung verknüpfen, bei der Personifizierung von Beispielen aus der geschichtlichen Überlieferung ein. So veranschaulicht Rentsch die vorbildliche Verbindungen von Herrschern der Antike und Kritikern. Eine Staatsrede, in der die Vorstellung der Verbindung von Herrscher und Kritiker und die Vorstellung der Vorbildfunktion von Redner und Kritiker miteinander verbunden werden, ist seine Rede Oratio de arte critica ab imperatoribus non aliena. Diese Schrift, die im Jahre 1758 in Jena veröffentlicht wird, ist auch beispielhaft für die Verknüpfung von Kunst der Kritik (ars critica) mit dem Lob des Herrschers in einem Rückblick auf die Zusammenarbeit von antiken Kritikern und Herrschern, die Vorbilder für ein zeitgenössisches Ideal der Politik sind. Rentsch verweist auf ein konkretes zeitgenössisches Beispiel, Friedrich den Großen, für das Ideal der Zusammengehörigkeit von Herrschaft und Kritik in der Gegenwart. Im einleitenden ersten Teil seiner Rede wird so der Bereich der Wirkung der antiken ars critica veranschaulicht. Rentsch nennt als ihre frühsten Beispiele die Dichtungen Homers und beruft sich bei seiner Aufzählung von weiteren Kritikern der Antike wie Sokrates, Aristoteles, Theophrast, Kallimaches, Aristophanes und Aristarchus auf Johann Ernst Immanuel Walchs Schrift De arte critica veterum Romanorum. (766) Rentsch nennt Horaz stellvertretend für die Fachleute (experti) der Kritik (ars critica). Als Beispiel für einen ihr würdigen Mann nennt er für einen guten und klugen Mann (vir bonus et prudens) aus der Ars poetica von Horaz den Philologen, Grammatiker und Kritiker Aristarchus. (767) Die Argumentation im Hauptteil der Rede bedient sich des historischen Exemplums. Rentsch benutzt eine Auflistung von Kritikern und Herrschern der Antike für ein konkretes Ideal der Bildung, in dem der Herrscher als Typus verkörpert wird. Die Methoden der ars critica für die Herrschaft werden durch unterschiedliche historische und topographische Beispiele des Bundes zwischen Herrschern und Kritikern veranschaulicht. Aus der Gattung (genus) der Kritiker nennt er den einst den ägyptischen Herrscher Ptolemäus Euergetes belehrenden Aristarchus. Plutarch, dessen Werke von dem mauretanischen König Juba gelesen wurden, zählt ebenfalls zu den Kritikern. Cäsar, der in den Schriften von Cato und Cicero belesen war, verkörpert den Typus des lehrbegierigen Herrschers in der römischen Kultur. Quintilian dient Rentsch als eine Autorität für die Verbindung von Herrschaft und Kritik und zum anderen als Gewährsmann für die Qualität des richtigen Sprechens (recte loquendi). (768) Der Schlußteil seiner Rede zielt auf die Aktualisierung des Ideals des mittels der Kritik gebildeten Herrschers mit einem Beispiel der Gegenwart ab. Die ars critica war für Rentsch als gemeinsame Disziplin von Grammatikern, Sophisten und Philosophen auch den Herrschern hilfreich. In einem zweiten Schritt verweist Rentsch auf die Wirkung der Kritik, in der Gegenwart. Als zeitgenössischen Vertreter des Herrschertypes, der Kritik fördert, nennt Rentsch Friedrich den Großen. (769)

Zurück zum Text  763. Walch, Johann Georg: Diatribe de variis modis litteras colendi apud veteres Romanos. Jena 1716. S. 36.

Zurück zum Text  764. Walch: Diatribe de variis modis litteras colendi. 1716. S. 43.

Zurück zum Text  765. Walch: Diatribe de variis modis litteras colendi. 1716. S. 55.

Zurück zum Text  766. Rentsch, Johann Adolf Jakob: Oratio de arte critica ab imperatoribus non aliena. Jena 1758. S. 8.

Zurück zum Text  767. Rentsch: Oratio de arte critica. 1758. S. 9.

Zurück zum Text  768. Rentsch: Oratio de arte critica. 1758. S. 10-13.

Zurück zum Text  769. Rentsch: Oratio de arte critica. 1758. S. 15.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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