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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


3.1.2 Begriffe der Kritik von Autoren psychologischer Schriften zwischen Aufklärung und Moderne

Die Lehrschriften zur Psychologie in der Aufklärung verwenden Begriffe der Kritik. Die Bezeichnungen Charakteristik, kritische Biographie und Kritik sind in der Literatur seit dieser Zeit Bestandteile von Gattungen für Motive der Kritik. Als Methoden der Kritik im 18. Jahrhundert treten neben diesen Formen die Gattungen Charakteristiken und Kritiken auf. Die Schrift Versuch über den Character des Großen Arztes, oder Kritische Lebensbeschreibung Herrn D. Herrmann Boerhaves wird im Jahre 1748 mit einem Verzeichnis der Boerhavischen Schriften von Matthew Reinhold Maty als Beispiel für diese Art von Biographie gedruckt. Die Kritischen Gedanken von dem Charakter und der Schreibart des Thucydides erscheinen von Johann David Heilmann im Jahre 1758. Johann Friedrich Juglers Beyträge zur juristischen Biographie oder genauere litterarische und critische Nachrichten von dem Leben und den Schriften verstorbener Rechtsgelehrten auch Staatsmänner, welche sich in Europa berühmt gemacht haben werden in Leipzig in den Jahren von 1773/74 bis 1780 publiziert. Johann H. Abichts Kritische Briefe über die Möglichkeit einer wahren wissenschaftlichen Moral, Theologie, Rechtslehre, empirischen Psychologie und Geschmakslehre mit prüfender Hinsicht auf die Kantische Begründung dieser Lehre werden in Nürnberg im Jahre 1793 veröffentlicht. Friedrich Wilhelm Basileus von Ramdohrs Schrift Venus Urania wird mit dem Untertitel Über die Natur der Liebe, über ihre Veredelung und Verschönerung als eine Naturkunde der Liebe im Jahre 1798 publiziert. In den Abhandlungen Vom Veredeln und Verschönern der Liebe überhaupt und Critik der Seelenliebe wird eine Darstellung einer Ästhetik der Liebe und ihr Anspruch auf Adel und Schönheit genutzt. (775)

Im Zuge der Verbreitung des sich im 18. Jahrhundert neben Theorie und Geschichte der Kunst und Literatur etablierenden Schrifttum zu Werken der Gegenwart werden in Deutschland Charakteristiken und Charakterstudien von zeitgenössischen Künstlern eingesetzt. Die Wirkung von Theorien zur Kunst und Literatur auf diese Charakteristiken dokumentieren Johann Kaspar Lavaters Studien zur Physiognomie und LeBruns Schrift Charakter-Köpfe oder bildliche Darstellung menschlicher Leidenschaften, die in deutscher Übersetzung in Deutschland im Jahre 1810 erscheint. In Form von Briefen mit Charakterisierungen sind in der Aufklärung Beschreibungen von Zeitgenossen zu finden. Die einundzwanzig Briefe über die eigene Lebensbeschreibung des Theologen und Staatsministers Karl Friedrich Bahrdt, die an einen Freund gerichtet sind, erscheinen im Jahre 1790 von Friedrich Karl Laukhard als anonyme biographische Schrift, die mit Elementen der Kritik zur Schrift und dem Leben eines Staatsmannes und Gelehrten im 18. Jahrhundert schildert. Der erste Brief behandelt den Charakter Bahrdts und seine eigene Lebensbeschreibung. (776) Der zweite Brief stellt Bahrdts Büste mit einer schamlosen unlateinischen Unterschrift dar. Im dritten Brief wird beschrieben, wie Bahrdt seine eigenen Verdienste preist. Der vierte Brief behandelt Bahrdts Beruf. Im fünften Brief wird Bahrdts Lebensbeschreibung aus der Sicht seines Bekannten, Johann Friedrich Pott, wiedergegeben. Als Themen vom sechsten bis zum zwölften Brief werden Bahrdts Vater, seine Kinderjahre, die Zeit auf der Volksschule und auf der Universität als Student, Magister, Katechet, akademischer Dozent, Adjunkt seines Vaters und als außerordentlicher Professor geschildert. Über seinen sprachlichen Ausdruck, den Styl, heißt es hier: "Bahrdts Styl fing erst etwas später an, ganz geniesbar zu werden. Dann kömmt er auf seinen apparatus criticus veteris testamentis, ohne sich merken zu lassen, daß die Kritiker damit, wie sie auch gegründete Ursachen hatten, sehr unzufrieden waren." (777) Das Motiv der Katastrophe wird neben den Stationen der Karriere von Laukhardt an Orten beschrieben, in denen Bahrdt lebte. So trägt der dreizehnte Brief den Titel Bahrdts Katastrophe. Im vierzehnten Brief wird Bahrdt als Klotzens Geschoepf in Erfurt dargestellt. Der fünfzehnte Brief hat den Titel Der wueste Mensch verheirathet sich. Der sechzehnte Brief behandelt Bahrdts Promotion zum Doktor der Philosophie. Der siebzehnte Brief hat den Titel Bluehende Aussicht in Gießen. Der achtzehnte Brief schildert seine Position als Direktor eines Philanthroismus in Marschlinz. Der neunzehnte Brief handelt von seinem Stelle als Superintendent in Duerkheim und Philanthropinspektor in Heidenheim, an den sich im zwanzigsten Brief die Schilderung der Duerkheimer Katastrophe anschließt. Der einundzwanzigste Brief behandelt seinen Aufenthalt in Halle, der mit seinen Leiden und Freuden von Laukhardt geschildert wird. Auch in Sammlungen werden Biographien von Gelehrten dargestellt. Die Schrift Charaktere der vornehmsten Dichter aller Nationen nebst kritischen und historischen Abhandlungen über Gegenstände der schönen Künste und Wissenschaften von einer Gesellschaft von Gelehrten wird von Johann Gottfried Dyck im Jahre 1792 veröffentlicht. Die Historisch-kritische Encyclopädie über verschiedene Gegenstände, Begebenheiten und Charaktere berühmter Menschen von Heinrich Georg Hoff wird im Jahre 1787 gedruckt.

Zurück zum Text  775. Steinecke, Hartmut: Romantheorie und Romankritik von der Gründung der "Hallischen Jahrbücher" bis zur Märzrevolution. In: Ders.: Romantheorie und Romankritik in Deutschland. Die Entwicklung des Gattungsverständnisses von der Scott-Rezeption bis zum programmatischen Realismus. Band 1. Stuttgart 1975.S. 130-200.

Zurück zum Text  776. Laukhard, Friedrich Karl: Freimüthige Briefe ueber Doktor Bahrdts eigne Lebensbeschreibung. Berlin und Leipzig 1791.

Vgl. die Begriffe der Abschnitte S. 3-15; S. 16-19; S. 19-22; S. 22-27; S. 27-38; S. 38-40; S. 47-56; S. 56-64; S. 64-79; S. 79-85; S. 85-92; S. 93-95; S. 96-110; S. 111-129; S. 130-137; S. 137-140; S. 141-166; S. 166-176; S. 177-195; S. 195-199; S. 199-208.

Zurück zum Text  777. Laukhard: Freimüthige Briefe. 1791. S. 153.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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