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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


Die Bezeichnung Charakteristik wird in den Titeln von Lehrschriften über die Seele genannt. Ein Vertreter der Psychologie im 19. Jahrhundert ist Johann Josef Doemling, dessen Schrift Kritik der vorzüglichsten Vorstellungsarten über Organisation und Lebensprinzip mit dem Untertitel Beytrag zur Erregungstheorie im Jahre 1802 gedruckt wird. Im 19. Jahrhundert wird in der Terminologie der Psychologie auch der Begriff Charakterisierung genutzt. Die Sammlungen Charakteristiken und Kritiken von August Wilhelm von Schlegel und Joseph Görres sind in den Jahren 1804 und 1805 publizierte Werke mit der Bezeichnung Charakteristik für die Literatur in der Epoche der Romanik. Die Beiträge zur Charakteristik der neueren Philosophie erscheinen mit dem Untertitel Kritische Geschichte derselben von Des Cartes und Locke bis auf Hegel von Immanuel Hermann Fichte im Jahre 1841. Eine Sammlung von Werken mit dem Titel Literarische Charakteristiken und Kritiken wird von Conrad Schwenck im Jahre 1847 publiziert. Die Schrift Speculative Charakteristik und Kritik des Hegelschen Systems und Begründung der Umgestaltung der Philosophie zur objectiven Vernunftswissenschaft wird mit besonderer Rücksicht auf die Geschichte der Philosophie von Karl Philipp Fischer im Jahre 1845 veröffentlicht. Der 10. Brief von Johann Eduard Erdmanns Psychologischen Briefen aus dem Jahre 1852 erscheint mit einem Vergleich von Wahrnehmungen von Empfindungen durch den Begriff Unterschied: "Und doch verhält sich´s hier gerade so wie bei dem fünften Sinne, wo man gewiss zugiebt, dass ein Unterschied Statt findet zwischen "ich habe warm, ich fühle warm" und "ich fühle etwas Warmes oder die Wärme des Zimmers." Dass der Unterschied zwischen diesen beiden Sätzen nicht in dem Grade der Wärme oder überhaupt in dem, was gefühlt wird, liegt, sondern bloss darin, ob ich die Wärme als meinen Zustand oder meinen Gegenstand ansehe, das liegt auf der Hand." (778)

Die Selbstkritik des Autors ist ein Thema von den Briefen Friedrich Nietzsches. So schreibt Georg Brandes am 7. März des Jahres 1888 an Nietzsche von Kopenhagen nach Nizza: "Ich kannte den Aufsatz von Hillebrand und las vor Jahren einige erbitterte Ausfälle gegen das Buch über Strauss. Für das Wort Bildungsphilister bin ich Ihnen dankbar; ich ahnte nicht, dass es von Ihnen komme. Ich nehme keinen Anstoss an die Kritik von Strauss, obwohl ich Pietät gegen den Alten Herrn hege. Er war und blieb Tübinger Stiftler." (779) Nach dem Titel zu seiner Schrift Die Geburt der Tragödie oder Griechentum und Pessimismus mit der Unterschrift Versuch einer Selbstkritik folgt ein Rückblick Nietzsches auf die Entstehung des Buches in der Zeit des Deutsch-Französischen Krieges in den Jahren 1870 bis 1871. Nietzsches weit später als die Hauptschrift verfaßter Versuch einer Selbstkritik aus dem Jahre 1886 leitet dieses Werk ein, dessen ursprüngliches Manuskript auf dem Titelblatt zu seiner Schrift Der Antichrist im Jahre 1888 noch den Untertitel Versuch einer Kritik des Christenthums vorsah. Auch Marx Hermann Baumgartens Schrift Der deutsche Liberalismus wird im Jahre 1866 als eine Selbstkritik gedruckt. Baumgarten bezeichnet das Verhalten des Publikums als eine Opposition durch schonungslose Kritik. (780)

In seinem Werk Der Wille zur Macht vermerkt Nietzsche über den Unterschied zwischen Künstler und Kritik folgendes: "Es ehrt einen Künstler, der Kritik unfähig zu sein, - andernfalls ist er halb und halb, ist er "modern." (781) Nietzsche verwendet für Kant die metaphorische Bezeichnung der grosse Chinese vom Königsberg in seiner Schrift Wir Gelehrten, mit der er eine Beschreibung seiner Funktion aus der Sicht von Zeitgenossen ausdrückt: "Unsere neuen Philosophen werden trotzdem sagen: Kritiker sind Werkzeuge des Philosophen und eben darum, als Werkzeuge, noch lange nicht selbst Philosophen! Auch der grosse Chinese vom Königsberg war nur ein grosser Kritiker." (782) Nietzsche bezeichnet in seiner Studie zur Musik aus dem Frühjahr 1871 die Kritiker als eingebildete ästhetische Mensch[en]. An anderer Stelle sagt er, das die Funktion eines Kritikers nur der Genius einnehmen kann: "Nur der Genius ist Kritiker d.h. er entscheidet über das Grosse und die Kleinen sprechen dann nach." (783) Ferdinand Tönnies Abhandlungen Der Nietzsche-Kultus aus dem Jahre 1897 und Nietzsche-Narren aus dem Jahre 1893 setzen sich mit der Wirkung von Nietzsches Werk durch Tadel und Spott gegenüber seinen Zeitgenossen auseinander. (784)

Zurück zum Text  778. Erdmann, Johann Eduard: Psychologische Briefe. Leipzig 1852. S. 209-220. Zitat S. 212.

Zurück zum Text  779. Nietzsche, Friedrich: Nietzsches Briefwechsel. Kritische Gesamtausgabe. Be-gründet von Giorgio Colli und Mazzino Montinari. Weitergeführt von Norbert Miller und Annemarie Pieper. Erste Abteilung. Vierter Band. Herausgegeben von Norbert Miller und Jörg Salaquarda. Berlin und New York 1993. S. 171.

Zurück zum Text  780. Vgl. zu den Begriffen die Abschnitte in: Daumer: Charakteristiken. 1870. S. 55-76; S. 77-82; S. 83-89; S. 91-107; 109-112.

Zurück zum Text  781. Nietzsche, Friedrich: Gesammelte Werke. Neunzehnter Band. Der Wille zur Macht. Versuch einer Unwerthung aller Werthe. Drittes und viertes Buch. Nach-träge. München 1926. Bd. 19. S. 222.

Zurück zum Text  782. Nietzsche, Friedrich: Gesammelte Werke. Fünfzehnter Band. Jenseits von Gut und Böse. Vorspiel einer Philosophie der Zukunft. Zur Genealogie der Moral. Eine Streitschrift. München 1925. S. 151.

Zurück zum Text  783. Nietzsche, Friedrich: Gesammelte Werke. Dritter Band. Die Geburt der Tra-gödie. Aus dem Gedankenkreis der Geburt der Tragödie. München 1920. S. 364.

Zurück zum Text  784. Tönnies, Ferdinand: Der Nietzsche-Kultus. Eine Kritik. Herausgegeben von Günther Rudolph. Berlin 1990. S. 6-97 und S. 98-106.

Klein, Wolfgang: "Ein kühler Denker ist er nicht". Heinrich Manns Nietzsche-Buch 1938/39. Textgeschichte und Problemsichten. In: Die deutsche Literaturkritik im europäischen Exil (1933-1940). Herausgegeben von Michael Grunewald. Bern u. a. 1993. S. 101-104.
 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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