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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


"Ich grüsse Dich, der Du ein Zauberer und ein Freund der Zauberer bist! Freund der Einsamen. Freund der Helden. Freund der Liebenden. Freund der Guten und Bösen. Mitwisser der nächtlichen Geheimnisse. Sag an, - wo es einen Mitwisser gibt: gibt es da nicht bereits etwas mehr, als gewusst werden kann?" (802) Jünger beschreibt die Sprache als ein Gradnetz von Zeichen, das neben anderen Zeichen steht, die der Bürger nicht erkennen kann, obgleich sie vom Licht des Mondes angestrahlt werden: "Die Sprache hat uns die Dinge zu sehr verachten gelehrt. Die grossen Worte sind wie das Gradnetz, das sich über eine Landkarte spannt. Aber ist eine einzige Faust voll Erde nicht mehr als eine ganze Welt, die auf der Landkarte steht? damals hatte das Raunen der namenlosen Gestalten noch einen seltsameren, zwingenderen Klang. An verfallene Zäune und Kreuzwegpfähle sind Zeichen gekritzelt, an denen der Bürger achtlos vorübergeht. Aber der Landstreicher hat Augen für sie, er ist ihrer kundig, sie sind ihm Schlüssel, in denen sich das Wesen einer ganzen Landschaft offenbart, ihre Gefahren und ihre Sicherheit. (803)[...] Du kennst das Leben am Rande der finsteren Wälder, die Gärten, leuchtende Inseln im Glanze der Lampione, eingeschlossen in die Zauberwinkel der Musik. Du kennst die Paare, die sich schweigend im Dunkel verlieren: Dein Strahl trifft ihre Gesichter wie bleiche Masken, während die Wollust den Atem beschleunigt und die Angst ihn unterdrückt. Du kennst den Trunkenen, der einsam das Dickicht durchbricht." (804) Jüngers unterscheidet in der Schrift Charaktere zwischen dem Epigonen, der sich durch die Fähigkeit zur Kritik auszeichnet, und dem Kongenialen und Genialen: "Den festumrissenen Charakteren gegenüber wissen wir, mit wem wir es zu tun haben. Da werden auch die Dingen handlicher. (805) [...] Wie zur Kritik, besitzt der Epigone auch zur Übersetzung eine besondere Begabung. [...] Der Kongeniale hat die weibliche Einfühlung, die dem Genialen fehlt." (806)

Erich Fromm beschreibt unter den Wirkungen die religiöse Funktion eines Idols, die durch das Verfahren der radikalen Kritik an der Gesellschaft und der Religion aufgezeigt werden kann: "Sie ist die Entlarvung der Idole und damit die Bedingung echter Religiosität. Die Aufdeckung der Idole und ihre Bekämpfung ist das gemeinsame Band, das christliche und nicht-theistische Menschen vereint, oder, wie ich meine, vereinen sollte. (807) In der Schrift Die Furcht vor der Freiheit beschreibt Fromm die Krise der Demokratie für den modernen Staat: "Die Krise der Demokratie ist keine ausschließlich italienisches oder deutsche Frage, vielmehr stellt sie sich jedem modernen Staat - ganz gleich, welcher Symbole oder Parolen die Feinde der Freiheit sich dabei bedienen." (808)

Zurück zum Text  802. Jünger, Ernst: Lob der Vokale und Sizilischer Brief an den Mann im Mond. Mit Einleitung und Erläuterungen von Dr. H. J. de Vos. Brüssel 1943. S. 56.

Zurück zum Text  803. Jünger: Lob der Vokale. 1943. S. 57.

Zurück zum Text  804. Jünger: Lob der Vokale. 1943. S. 61-62.

Zurück zum Text  805. Jünger, Ernst: Sämtliche Werke. Zweite Abteilung. Essays. Band 13. Essaxs VII. Stuttgart 1981. S. 190.

Zurück zum Text  806. Jünger: Sämtliche Werke. 1981. S. 439.

Zurück zum Text  807. Fromm, Erich: Religion. Gesamtausgabe. Herausgegeben von Rainer Funk. Bd. 6. Stuttgart 1980. S. 299.

Zurück zum Text  808. Fromm, Erich: Die Furcht der Freiheit. Zürich 1995. S. 13.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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