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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


3.1.3 Begriffe für die Wertung und Kritik als Bestandteile logischer Wissenschaften zwischen Aufklärung und Moderne

Begriffe und Verfahren der Kritik werden für die Vermittlung eines Wertes als technische Terminologie logischer Verfahren genutzt. In der Arithmetik werden die Begriffe Wert und Urteil für Zahlen genutzt, die in logischen Relationen zueinander stehen. In Leonard Eulers Sammlung Opuscula analytica wird im Jahre 1783 die Schrift De criteriis aequationis fxx + gyy= hzz, utrum ea resolutionem admittat necne? veröffentlicht. Hier werden die Bestandteile dieses Kommentars (commentatio) in aufeinander abfolgenden Teilen wie dem Theorem (theorema), der Demonstration (demonstratio) und dem Korrelarium (correlarium), sowie der Scholie (scholion), dem Probleme (problemata), dem Beispiel (exemplum), der Vorstellung (propositio), der Zeigung (demonstratio) und der Lösung (solutio) dargestellt. (816)

Axiome der Arithmetik wurden unter dem Titel Disquisitiones arithmeticae von Karl Friedrich Gauss im Jahre 1801 behandelt. Am 17. September des Jahres 1845 schreibt Gauss an Heinrich Christian Schumacher einen Brief, in dem Begriffe der Kritik wie Gesundheitszustand und Mond zu unterschiedlichen Themen aufeinander folgen: "Der letzte Theil Ihres Briefes, mein theuerster Freund, Besselīs Gesundheitszustand betreffend, ist sehr betrübend; gleichwohl kann ich die Hoffnung, dass es noch zum Bessern umschlagen könne, noch nicht aufgeben. Fahren Sie doch ja fort, alles was sie erfahren, gütigst mitzutheilen. Auf den Mond [Gauss setzt hier das graphische Symbol eines Halbmondes ein; d. Verf.] will ich aufpassen von dem Augenblick an, wo er über das gegenüberliegende Dach kommt (Höhe 18), bis etwa Mitternacht." (817) Den Parallelismus von Werten in der Arithmetik veranschaulicht ein Zeitgenosse von Gauss, Gotthold Eisenstein, mit dem Begriff Wert (Werth) für die Transformationen von Indexen (indices): "Es giebt zwei Arten solcher Transformationen der Indices, welche eine besondere Beachtung verdienen. Die erste Art besteht darin, daß man irgend zwei constante Zahlen λ und ν wählt und die Gleichungen m= mī+λ, n= nī+ν setzt, aus welchen mī=m-λ, nī= n-ν folgt. Wenn hier m und n alle ganzen Werthe von -unendlich bis unendlich durchlaufen, so durchlaufen mī und nī dieselben Werthe." (818)

August Ferdinand Lueders Abhandlung Kritik der Statistik und Politik erscheint nebst einer Begründung der politischen Philosophie in Göttingen im Jahre 1812. Seine Kritische Geschichte der Statistik gliedert die Statistik in die Zeit vor dem Wirken des Göttinger Professors Gottfried Achenwall bis zum Jahre 1749, die achenwallsche oder wuerkliche Statistik, die vom Jahr 1749 bis zum Jahr 1761 publiziert wurde, die Epoche der Statistik im Flor vom Jahre 1767 bis zum Jahre 1810, und die Statistik, deren Verfall seit dem Jahre 1810 einsetzte und deren Ende mit der Sentenz "Es thaten die Statistiker selbst fast alles, was zur Beschleunigung des Sturzes der Statistik nur geschehen konnte" beschrieben wird. (819)

Im 20. Jahrhundert wird der Begriff Urteilsform von Logikern in der Postmoderne genutzt. Franz von Kutschera gliedert die Urteilsformen der Logik in der Deontischen Logik nach den Begriffen Normen, Imperativ, einfache Normsätze, bedingte Normen, mehrstufige Normen, Normensysteme, Wahrscheinlichkeiten, Ereignisse als Mengen, komparativer und metrischer Wahrscheinlichkeitsbegriff und bedingte Wahrscheinlichkeiten. Weitere Begriffe für Werte sind bei Kutschera Bewertung von Ereignissen, das Mittelwertprinzip, komparative Wertbegriffe und die Metrisierung komparativer Wertbegriffe. Zu den Begriffen der Beurteilung zählen auch Entscheidungen, Metrisierungsprobleme und Entscheidungen. Kutschera nutzt desweiteren die Begriffe Normen, Werte, normative Präferenzen, Präferenzen, Werte und kognitiver Charakter. (820) Von Kutschera wird die Ersetzung des Wortes Bewertung in der Aussagenlogik durch das Wort Interpretation vorgeschlagen. (821) Den Begriff Urteilsformen verwendet auch Hans Lenk im Jahre 1968 in seiner Schrift Kritik der logischen Konstanten. Diese logischen Konstanten (Urteilsformen) im Kantischen System sind für ihn rekonstruierte Ableitungen. An Autoren veranschaulicht er die Deduktion der logischen Urteilsformen, die Herleitung der Urteilsformen und die Begründung der logischen Urteilsformen. Hinzu kommen für Verfahren die Begriffe Deduktion, Herleitung und Begründung der Urteilsformen, die Methoden der Begründung der logischen Satzformen, der Rechtfertigung der "Gedankengefüge", der Begründung der logischen "Satzzeichen" und der Begründung der logischen Konstanten in der operativen Logik. Lenk unternimmt auch die Versuche, die Urteilsformen herzuleiten und abzuleiten. Ergebnis der Kritik an den behandelten Versuchen, die logischen Konstanten (Urteilsformen) zu deduzieren, werden von Lenk genannt, der das Ergebnis der einzelnen Kritiken an den behandelten historisch vorliegenden Reduktionsversuchen aufzeigt. Mit den Begriffen rationale Kritik und protologische Prinzipien verfaßt Lenk den letzten Teil der Schrift. (822)

Zurück zum Text  816. Euler, Leonard: De criteriis aequationis fxx + gyy= hzz, utrum ea resolutionem admittat necne? In: Leonardi Euleri Commentationes Arithmeticae. Volumen ter-tium. Edidit Rudolf Fueeter. Auctoritate et impensis societatis scientarum natura-lium Helveticae. Ghenevae MCMXLI. Venditori exponunt Orell Füssli Turici et Lipsiae B. G. Teubner. Leipzig und Berlin 1917. S. 1-24.

Zurück zum Text  817. Briefwechsel zwischen C. F. Gauss und H. C. Schumacher. Herausgegeben von Christian August Friedrich Peters. Fünfter Band. Altona 1863. S. 44-46. Zitat S. 44.

Zurück zum Text  818. Eisenstein, Gotthold: Mathematische Abhandlungen. Besonders aus dem Gebie-te der höheren Arithmetik und der elliptischen Funktionen. Mit einer Vorrede von C. F. Gauss. Hildesheim 1967. S. 233.

Zurück zum Text  819. Lueder, August Ferdinand: Kritische Geschichte der Statistik. Göttingen 1817. S. 809.

Zurück zum Text  820. Kutschera, Franz von: Einführung in die Logik der Normen, Werte und Ent-scheidungen. Mün-chen 1973.

Vgl. zu den Begriffen die Abschnitte: S. 11-39; S. 73-84; S. 85-100; S. 101-114; S. 115-134; S. 5-46; S. 46-59; S. 59-61; S. 62-80; S. 81-95; S. 96-109; S. 110-131; S. 132-154; S. 155-178; S. 178-215; S. 216-256; S. 257-278; S. 378-404; S. 404-424; S. 425-431; S. 432-452; S. 453-499; S. 500-51; S. 514-537; S. 538-600; S. 601-618.

Zurück zum Text  821. Kutschera, Breitkopf: Einführung. 1973. S.120.

Zurück zum Text  822. Lenk, Hans: Kritik der logischen Konstanten. Philosophische Begründungen der Urteilsformen vom Idealismus bis zur Gegenwart. Berlin 1968. S. 619 und S. 628.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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