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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


Am 11. November des Jahres 1884 schreibt Engels aus London an Eduard Bernstein in Zürich: "Lieber Ede, Die Anfrage in Deinem Brief wegen des Marx-Artikels über Proudhon erledigt sich durch meine Vorrede, worin ich direkt Bezug darauf nahm. Laßt mich nun wissen, wie Ihr das Ganze zu arrangieren gedenkt, ich kann täglich Korrektur der Vorrede erhalten und mich danach richten in der Bezugnahme auf obigen Artikel, den Auszug aus "Zur Kritik" und event. den "Discours." (828) Engels schreibt am 21. August des Jahres 1890 an Otto von Boeninck in Breslau über den kritischen Unterschied von Zuständen in einer Gesellschaft einen Brief: "Sehr geehrter Herr, Auf ihre Anfragen kann ich nur kurz und allgemein antworten, über die erste müßte ich sonst eine Abhandlung schreiben. Ad I. Die sogenannte "sozialistische Gesellschaft" ist nach meiner Ansicht nicht ein ein für allemal fertiges Ding, sondern, wie alle andern Gesellschaftszustände, als in fortwährender Veränderung und Umbildung begriffen zu fassen. Kritischer Unterschied vom jetzigen Zustand besteht natürlich in Organisation der Produktion auf Grundlage des Gemeineigentums zunächst der Nation an allen Produktionsmitteln." (829) Am 27. Oktober des Jahres 1890 schreibt Engels an Conrad Schmidt. "Was den Herren fehlt, ist Dialektik. Sie sehn stets nur hier Ursache, dort Wirkung. Daß dies eine hohle Abstraktion ist, daß in der wirklichen Welt solche metaphysische polare Gegensätze nur in Krisen existieren, daß der ganze Verlauf aber in der Form der Wechselwirkung- wenn auch sehr ungleicher Kräfte, wovon die ökonomische Bewegung weitaus die stärkste, ursprünglichste, entscheidendste - vor sich geht, daß hier nichts absolut und alles relativ ist, das sehn sie nun einmal nicht, für sie hat Hegel nicht existiert." (830) In der Terminologie des Marxismus geht der Ausdruck Kritik auf Quellen von Autoren der Antike zurück, die als Humanisten bezeichnet werden. Der Begriff bezeichnet im Kritischen Wörterbuch des Marxismus einen Terminus, der nebn dem bürgerlichen Denken der Zeitgenossen von Marx in seinem System genutzt wird: "Aber zu dem Zeitpunkt, als Marx ihn übernimmt, um ihn zu einem Bestandteil seines Systems zu machen, ist der Ausdruck bereits mit philosophischen und politischen Bedeutungen befrachtet, die eng mit der Entwicklung des bürgerlichen Denkens verbunden sind." (831)

Max Weber untersucht Kritik und Krise als Teile des sozialen Aufbaus von politischen Systemen. Über die Bemerkungen von Felix Rachfahls Werk Kritik über ihn und Ernst Troeltsch vermerkt Weber in der Schrift Antikritisches zum Geist des Kapitalismus, die erstmals im Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik veröffentlicht wurde: "Allein dazu hat mein Herr Kritiker die Gepflogenheit angenommen, uns beide als Kollektivität zu behandeln, um uns für einander verantwortlich machen zu können, -was den Vorteil bot, daß wirkliche (oder angebliche) Irrtümer des Einen den Anderen mitzutreffen scheinen." (832) Weber nennt Unwillen als Grund für eine Krisis in der Schrift Die Lehren der deutschen Kanzlerkrisis, die in der Frankfurter Zeitung vom 7. September des Jahres 1917 veröffentlicht wurde: "Die innere Krisis, deren Widerspiegelung in einem Teil der Presse offenbar dem Inland, der Front und dem Ausland ein irreführendes Bild gegeben hat, entstand im Juli, von Nebenpunkten abgesehen, aus drei Ursachen." (833) Im Jahre 1919 erscheint Webers Schrift Parlament und Regierung, in der die Forderung, im Reichstag einer "Instruktion zu kritisieren" nachzukommen, erhoben wird: "Aber vor allem: preußische Minister und Staatssekretäre des Reiches, welche Bundesratsbevollmächtigte Preußens waren, haben wiederholt im preußischen Abgeordnetenhause gesessen und können diese auch heute tun. Als Abgeordnete aber haben sie das Recht nicht nur, sondern auch die Pflicht, "nach eigener Überzeugung" die Instruktionen zu kritisieren, welche ihnen, als Bundesratsbevollmächtigte ihre eigene Regierung gab." (834)

Zurück zum Text  828. Karl Marx. Friedrich Engels. Werke. Band 37. 1967. S. 233-235. Zitat S. 233.

Zurück zum Text  829. Karl Marx. Friedrich Engels. Werke. Band 37. 1967. S. 447-448. Zitat S. 447.

Zurück zum Text  830. Karl Marx. Friedrich Engels. Werke. Band 37. 1967. S. 448-495. Zitat S. 494.

Zurück zum Text  831. Kritisches Wörterbuch des Marxismus. Herausgegeben von Georges Labica und Gérard Ben-sussan. Herausgeber der deutschen Fassung Wolfgang Fritz Haug. Berlin 1983-1988. S. 734-735.

Vgl. auch das Werk für die Belegstellen von Kritik im Werke Marx´ bis zur Frank-furter Schule. S. 733-739 und zum Begriff Kritik der politischen Ökonomie. S. 739-751. Vgl für die Marxistische Kritik, Die Religionskritik Ludwig Feuerbachs und die modernistische Theologie S. 13-29.

Zurück zum Text  832. Weber, Max: Antikritisches zum Geist des Kapitalismus. In: Ders.: Die protes-tantische Ethik. Band II. Kritiken und Antikritiken. Hamburg 1972.S. 149-174. Zitat S. 149.

Zurück zum Text  833. Weber, Max: Die Lehren der deutschen Kanzlerkrisis. In: Ders.: Zur Politik im Weltkrieg. Schriften und Reden 1914-1918. Herausgegeben von Wolfgang J. Mommsen in Zusammenarbeit mit Gangolf Hübinger. Tübingen 1984. (Max Weber Gesamtausgabe. Im Auftrag der Kommision für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Bayrischen Akademie der Wissenschaften. Herausgegeben von Horst Baier, M. Rainer Lepsius, Wolfgang J. Mommsen, Wolfgang Schluchter, Johannes Win-ckelmann. Abteilung I: Schriften und Reden. Band 15). S. 298-306. Zitat S. 301.

Zurück zum Text  834. Weber, Max: Parlament und Regierung im neugeordneten Deutschland. Zur politischen Kritik des Beamtentums und Parteiwesens. O. O. 1999. S. 187.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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