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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


3.1.5 Critik, Kritik und Kritizismus als Begriffe der Philosophie in der Neuzeit

Die Begriffe Critik, Kritik und Kritizismus werden neben der Philologie auch in der Philosophie der Neuzeit genutzt. Das Lexicon auxiliare mit dem Untertitel Ein deutsch-lateinisches Wörterbuch verwendet im Jahre 1982 den lateinischen Begriff criticismus als eine Bezeichnung für Kritizismus." (851) Gottfried Wilhelm Leibnitz beschreibt in seinem Brief an Gabriel Wagner über die Vernunfft Kunst oder Logick die Critik als eine Disziplin der Altertumskunde: "Und ich habe an dem Hrn. Pater Malebranche, so sonst mein guther Freund, nicht billigen können, daß er balld die Critik und Untersuchung des Römischen und Griechischen altherthums, bald die Lesung der rabbinischen und arabischen Bücher, bald den fleiß der Sternseher, bald sonst etwas durchziehen will, da doch alle diese dinge ihren Nutzen haben, und guth dap Leute seyn, so ihr werck davon machen, welche man durch lob bey ihrer müh auffrischen und nicht durch verachtung von der vor das gemeine Wesen offt, ohne Belohnung unternommenen großen arbeit abschrecken muß." (852)

In Deutschland zeigt Kant in den Schriften Critik der reinen Vernunft, Critik der Urtheilskraft, Über eine Entdeckung, nach der alle neue Critik der reinen Vernunft durch eine ältere entbehrlich gemacht werden soll, daß die kritische Methode ein Bereich der Philosophie ist. Von der Idee und Einteilung einer besonderen Wissenschaft unter dem Namen einer Kritik der reinen Vernunft spricht Kant in der Kritik der reinen Vernunft. (853) Die Unterscheidung von eigentlichen Gelehrten und Litteraten (Studierten), und ihrer Funktion "als Instrumente der Regierung, von dieser zu ihrem eigenen Zweck (nicht eben zum besten der Wissenschaften) mit einem Amt bekleidet" sind, unternimmt Kant in der Abhandlung Der Streit der Facultaeten." (854) Die diesem Werk angeschlossene Abhandlung Von den Macht des Gemueths durch den bloßen Vorsatz seiner krankhaften Gefuehle Meister zu seyn ist ein mit dem Namen I. Kant unterschriebenes Antwortschreiben an Herrn Hofrath und Professor Hufeland, der das Buch Von der Kunst das menschliche Leben zu verlaengern verfaßte. (855)

Den Begriff Kritizismus verwendet Kant zur Abgrenzung gegenüber Dogmatismus und Skeptizismus. Auch die Mathematik gehört zu den Wissenschaften im 19. Jahrhundert, die Kritik als eine Methode anwenden. So vermerkt Kant zur Nachahmung der Mathematik im Vorwort zu seiner Schrift Metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaft: "Ich habe in dieser Abhandlung die mathematische Methode, wenn nicht gleich mit aller Strenge befolgt [...], dennoch nachgeahmt [...]." (856) Am 28. Dezember des Jahres 1787 schreibt Kant an Karl Leonhard Reinhold zur Kritik des Geschmacks eine Darstellung des Vermögen des Gemüts: "So beschäftige ich mich jetzt mit der Kritik des Geschmacks, bei welcher Gelegenheit eine andere Art von Prinzipien a priori entdeckt wird, als die bisherigen. Denn der Vermögen des Gemüts sind drei: Erkenntnisvermögen, Gefühl der Lust und Unlust, und Begehrungsvermögen. Für das erste habe ich in der Kritik der reinen (theoretischen), für das dritte in der praktischen Vernunft Prinzipien a priori gefunden. [...] Ich hoffe gegen Ostern mit dieser, unter dem Titel der Kritik des Geschmacks, im Manuskript, obgleich nicht im Drucke fertig zu sein." (857)

Axiome der Kritik und ihre nach Grundsätzen arbeitenden Beweise werden von Kant untersucht. Kants vier Kritiken der Paralogismen werden in der Hauptschrift Kritik der reinen Vernunft veröffentlicht. Kants Werk gliedert sich in der ersten und zweiten Originalausgabe nach der Einleitung in die Idee von der Transzendental-Philosophie, eine Abhandlung von dem Unterschiede analytischer und synthetischer Urteile, eine Einleitung in die Transzendental-Philosophie, die transzendentale Elementarlehre und die transzendentale Ästhetik vom Raume und der Zeit. Im zweiten Teil wird die transzendentale Logik nach einer Abhandlung über die Idee einer transzendentalen Logik gegliedert, deren erstes Buch die Transzendentale Analytik untersucht. Das erste Hauptstück behandelt die Analytik der Begriffe im ersten Abschnitt von dem logischen Verstandesgebrauche und im zweiten Abschnitt in einer Abhandlung mit dem Verfahren der Deduktion der reinen Verstandesbegriffe. Das zweite Buch behandelt die Analytik der Grundsätze mit Abhandlungen von der transzendentalen Urteilskraft mit den Themen Schematismus der reinen Verstandesbegriffe, System aller Grundsätze des reinen Verstandes, allgemeine Anmerkungen zum System der Grundsätze und einem Anhang über die Amphibolie der Reflexionsbegriffe. Themen zur Transzendentalen Dialektik sind im ersten Buch die Begriffe der reinen Vernunft und im zweiten Buch die dialektischen Schlüsse der reinen Vernunft. Das erste Hauptstück handelt von den Paralogismen der reinen Vernunft, das zweite Hauptstück behandelt die Antinomie der reinen Vernunft mit einer Schlußanmerkung zur ganzen Antinomie der reinen Vernunft. Das dritte Hauptstück behandelt das Ideal der reinen Vernunft. Die transzendentale Methodenlehre behandelt die Disziplin der reinen Vernunft. Das vierte Hauptstück behandelt den Kanon der reinen Vernunft mit den Themen Meinen, Wissen und Glauben und einer Architektonik der reinen Vernunft. Das Fehlen von Inhalten der Dialektik bei der Kritik und der Urteilsfindung wird hier auch von Kant als Thema behandelt.

Zurück zum Text  851. Helfer, Christian: Lexicon auxiliare. Ein deutsch-lateinisches Wörterbuch. Saar-brücken 1982. S. 147.

Zurück zum Text  852. Leibnitz, Gottfried Wilhelm: Philosophische Schriften. Bd. 4. Schriften zur Lo-gik und zur philosophischen Grundlegung von Mathematik und Naturwissen-schaft. Frankfurt am Main 1992. S. 4-21. Zitat S. 5.

Zurück zum Text  853. Kant, Immanuel: Kants gesammelte Schriften. Kritik der reinen Vernunft. Her-ausgegeben von der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften. Berlin 1787. Bd. 3. S. 23.

Zurück zum Text  854. Kant, Immanuel: Der Streit der Facultaeten in drey Abschnitten von Immanuel Kant. Königsberg 1798. S. 5.

Zurück zum Text  855. Kant: Der Streit der Facultaeten. 1798. S. 165-205.

Zurück zum Text  856. Kant, Immanuel: Gesammelte Schriften. Herausgegeben von der königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften. Bd. IV. Berlin 1903. S. 478.

Zurück zum Text  857. Kant, Immanuel: Briefe von und an Kant. Herausgegeben von Ernst Cassirer. Erster Teil: 1749-1789. Berlin 1918. S. 343-346. Zitat S. 345.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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