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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


Kant knüpft in seiner Ästhetik an das auch für die Kunst der Kritik in der Philologie vertretende Tugendideal an. So bemerkt Kant zur Kritik eines ästhetischen Urteils, daß das Geschmacksurteil nicht Gegenstand einer Methode ist. Die Kritik des ästhetischen Urteils ist ein Spiegel sittlicher Ideen und der Kultur des moralischen Gefühls.82 Kants Schriften verweisen als Motive der Kritik Zirkel und Welt auf. Kant spricht in seiner Logik vom Circulus in probando (Cirkel im Beweisen), der eintritt, "wenn man denjenigen Satz, den man hat beweisen wollen, seinem eignen Beweise zum Grunde legt." (858) Im zweiten Abschnitt Von den Urtheilen nimmt Kant eine Erklärung eines Urtheils überhaupt vor: "Ein Urtheil ist die Vorstellung der Einheit des Bewußtseins verschiedener Vorstellungen oder die Vorstellung des Verhältnisses derselben, sofern sie einen Begriff ausmachen." (859)

Der Begriff Critik wird in Schreiben über Kant im 18. Jahrhundert verwendet. Diese Bewertungen von Kants Lehre durch Zeitgenossen dokumentieren Briefe. Die Kritischen Briefe an Herrn Immanuel Kant Professor in Königsberg ueber seine Kritik der reinen Vernunft, die in Göttingen im Jahre 1790 publiziert werden, haben eine Einleitung in die Kantische Kritik der reinen Vernunft. In diesen Briefen mit der Anrede Mein Herr eines anonymen Autors zu dem Vorwort des in K.. verfaßten Schreibens vom 18. Februar des Jahres 1790 wird im ersten Brief die Methode der Erkenntnis beschrieben: "Mein Herr, freylich leidet es keinen Zweifel. Alle unsere Erkenntniß nimmt mit Erfahrungen ihren Anfang. Es muessen Gegenstaende da seyn, welche unsere Sinne ruehren, und dadurch theils von selbst Vorstellungen bewirken, theils unsere Verstandesfaehigkeit in Bewegung bringen, daß sie diese Gegenstaende vergleichet, sie mit einander verknuepfet, sie trennet, und so der Stoff sinnlicher Eindruecke zu einer Erkenntniß der Gegenstaende verarbeitet, welchen wir Erfahrung nennen." (860) Der Verfasser der Briefe über den neuesten Idealism, Wilhelm Traugott Krug, bezeichnet im 6. Brief die Vernunftkritik als Methode für den Charakter eines kritisch Philosophirenden: "Auf jedem Graenzpunkt ist, wenn mich nicht alles trügt, auch die Vernunftkritik stehen geblieben, ob sie ihn gleich nicht so bestimmt angedeutet hat, und ihn unverrueckt zu behaupten, scheint mir die erste Pflicht und der wesentliche Charakter eines kritisch Philosophirenden zu seyn." (861) Schriften eines Recensenten und Briefstellers sind im Neuen philosophischen Magazin als Bornsche Angriffe nach sieben Briefen zur Kritik der reinen Vernunft, die seine Briefe zu Kant kommentieren, zu einer Vertheidigung der Kritischen Briefe an Herrn Emanuel Kant gestaltet worden. Diese anonym publizierten Briefe schließen mit der Feststellung ihres Autors, seine Antikritik dem Rezensenten zukommen zu lassen: "Hiermit wird diese Antikritik der Pruefung des H. Rec. ueberlassen, und man trauet seiner Aufrichtigkeit das Gestaendniß zu, daß dasjenige, was er aus den Briefen zur Untersuchung herausgehoben hat, bey weitem das wichtigste nicht ist, was in ihnen der Kantischen Kritik entgegengesetzet wurde." (862)

Der Begriff Critik wird von Zeitgenossen Kants in Titeln ihrer Werke als Hinweis auf die Methode zur Behandlung ihres Themas verwendet. Georg Nüssleins Werk Critik der falschen Ansichten der Logik stammt aus dem Jahre 1803. Christian Friedrich Michaelis Werk Entwurf der Ästhetik als Leitfaden bei akademischen Vorlesungen über Kant"s Kritik der ästhetischen Urtheilskraft erscheint im Jahre 1796. Paul Johann Anselm von Feuerbachs Kritik des natürlichen Rechts als Propädeutik zu einer Wissenschaft der natürlichen Rechte wird im Jahre 1795 gedruckt. Akademische Lehrwerke greifen die Lehren Kants auf. Johann Gottlieb Buhles Einleitung in die allgemeine Logik und die Kritik der reinen Vernunft wird im Jahre 1795 publiziert. Die Sammlung Vorlesungen über die Critik der reinen Vernunft wird von Lazarus Bendavid in Wien im Jahre 1795 publiziert. Das Werk Erläuternder Auszug aus den critischen Schriften des Herrn Prof. Kant auf Anrathen desselben erscheint von Jakob Sigismund Beck in einem Band, der die Critik der Urtheilskraft und die metaphysischen Anfangsgruende der Naturwissenschaft enthält und in Riga im Jahre 1794 gedruckt wird. Im Jahre 1788 erscheint das Wörterbuch zur Kritik der reinen Vernunft von Samuel Heinicke, das nach Kant die Critik der reinen Vernunft als eine Wissenschaft des reinen Vernunftvermögens definiert. (863) Der Begriff Metakritik wird von Herder in der Auseinandersetzung mit Kant in seiner Schrift Metakritik zur Kritik der reinen Vernunft verwendet. Herders Schrift Verstand und Erfahrung, Vernunft und Sprache erscheint im Jahre 1799 als eine Metakritik zur Kritik der reinen Vernunft. Karl Christian Erhard Schmids Werk Critik der reinen Vernunft im Grundrisse erscheint in zweiter Auflage im Jahre 1788. Die Schrift Materialien zur Geschichte der critischen Philosophie von Karl G. Hausius ist eine Sammlung von Schriften mit den Titeln Abhandlungen und Recensionen, die sich mit den Wirkungen von Kants Schriften auseinandersetzen.

Zurück zum Text  858. Kant, Immanuel: Kants Werke. Akademie-Textausgabe. Unveränderter photo-mechanischer Abdruck des Textes der von der Preußischen Akademie der Wis-senschaften 1902 begonnenen Ausgabe von Kants gesammelten Schriften. Band IX. Logik, Physikalische Geographie, Pädagogik. Ber-lin 1968. S. 135.

Zurück zum Text  859. Kants Werke. 1968. S. 101.

Zurück zum Text  860. Anonymus: Kritische Briefe an Herrn Immanuel Kant Professor in Königsberg über seine Kritik der reinen Vernunft. Göttingen 1790. S. 3-8. Zitat S. 3.

Zurück zum Text  861. Anonymus: Briefe über den neuesten Idealism. Eine Fortsetzung der Briefe über die Wissenschaftslehre. Leipzig 1801. S. 100.

Zurück zum Text  862. Anonymus: Vertheidigung der Kritischen Briefe an Herrn Emanuel Kant ueber seine Kritik der reinen Vernunft vornehmlich gegen die Bornschen Angriffe. Göt-tingen 1792. S. 135.

Zurück zum Text  863. Heinicke, Samuel: Wörterbuch zur Kritik der reinen Vernunft und zu den philo-sophischen Schriften von Herrn Kant. Presburg 1788. S. 45.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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