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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


In seiner Abhandlung Philosophie als Kulturkritik beschreibt Max Horkheimer die ersten philosophischen Erklärungen als kritische Antworten: "Philosophie ist bewahrend und kritisch zugleich. Als Kraft des Negativen hat sie die sich entfaltende Einheit gestiftet, die dem Bewußtsein der Individuen den Charakter verlieh. Die ersten philosophischen Erklärungen, die Aufstellung von universalen Prinzipien der Natur, waren, ihrer objektiven Bedeutung nach, kritische Antworten auf den herrschenden Götterglauben und Mythos. Ohne es zu vernichten, haben sie es dem Hergebrachten ein Begriffliches entgegengesetzt. Kritik war auch die große griechische Philosophie." (904) Horkheimer spricht von der Gefahr der Kritik, eine Ideologie wiederherzustellen: "Kritik, nicht zuletzt Kulturkritik, gerät in Gefahr, die romantische Ideologie auf höherer Ebene wiederherzustellen, oder vielmehr dürftig den Schleier zu ersetzen, dessen Praxis schon entarten kann. Kulturkritik muß sich hüten, daß sie nicht selbst durch Denunziation der Kultur als Ablenkung von den Themen wegführt, die dem Gedanken noch geblieben sind: von den krassen Unterschieden der Macht, die niemand wahrnimmt, weil sie offenkundig sind, vom Elend hinter den Mauern der Zucht- und Irrenhäuser, von radikal materiellen Bestimmungsgründen der Politik, gerade dort, wo sie besonders edel sich gibt." (905) Horkheimers auf den 5. Juni des Jahres 1965 datierter Brief an den S. Fischer Verlag wird im Jahre 1968 publiziert. Horkheimer beschreibt hier seine Schwierigkeit, alte Gedanken auszusprechen: "Mein Zögern entspringt der Schwierigkeit, die alten Gedanken, die von jener Zeit nicht unabhängig waren, wieder auszusprechen , ohne dem, was heute mir als wahr erscheint, Eintrag zu tun, dem Glauben an die nahe Verwirklichung der Ideen westlicher Zivilisation zu entsagen und für die Ideen trotzdem einzustehen - ohne Vorsehung, ja gegen den ihr zugeschriebenen Fortschritt." (906) Das Gespräch Zur Zukunft der Kritischen Theorie zwischen Horkheimer und Claus Grossner behandelt im Jahre 1971 die praktische Anwendung von Kritik: "Grossner: Wie weit läßt sich eine umfassende Kritik der bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse - ausgehend von einem, mit Adorno zu reden, marxistisch "gebrochenen" Hegel -mit Hilfe der Spezialwissenschaften realiter vollziehen? Horkheimer: Eine solche Kritik läßt sich vollziehen. Zunächst dadurch, daß die Marxsche Theorie in ihrer Zeitbedingtheit erkannt und diese Zeitbedingtheit klargelegt wird." (907) Im Kapitel Aufklärung seiner Vorlesungen über die Geschichte der neueren Philosophie beschreibt Horkheimer den Begriff kritische Geschichtsschreibung: "Wer nur einmal in das zu Voltaires Zeiten angesehenste Buch über Weltgeschichte hineingesehen hat, nämlich in den Discours sur l´histoire universelle von Bossuet, der wird nach dieser theologischen Dichtung, die ja als Geschichte ausgegeben wird und nach der die Weltgeschichte bei der Schöpfung der Welt beginnt, alle Erzählungen der Heiligen Schrift durchläuft und schließlich mit einer Apotheose der siegreichen Kirche über die Ketzer endet - der wird begreifen, was Voltaires kritische Geschichtsschreibung bedeutet." (908) Horkheimer untersucht in der Abhandlung Zur Kritik der Geschichtsphilosophie der Schrift Dialektik der Aufklärung die Kritik der instrumentellen Vernunft mit den Begriffen Mittel, Zwecke und gegensätzliche Allheilmittel bei der Revolte der Natur und beim Aufstieg und Untergang des Individuums. Besondere Bedenken gegen die Anwendung mechanischer Methoden in der Kritik vermerkt Horkheimer in seiner Abhandlung Zur Antinomie der teleologischen Urteilskraft aus dem Jahre 1922. Die Gefahr, daß "die Anwendung der mechanischen Methode auf dem Gebiete der Erkenntniskritik zu Schwierigkeiten führt, die zu einer neuen Besinnung über Kants Auflösung der Antinomie Anlaß geben könnte", vermerkt er. (909) Horkheimers Schrift Traditionelle und kritische Theorie enthält vier Aufsätze aus dem Jahre 1968 mit den Titeln Traditionelle und kritische Theorie, Materialismus und Metaphysik, Egoismus und Freiheitsbewegung und Autorität und Familie. Horkheimer schreibt hier zur kritischen Denken: "Dafür jedoch, wie die Zukunft konsumiert wird, um die es dem kritischen Denken zu tun ist, gibt es keine solchen Beispiele." (910)

Zurück zum Text  904. Horkheimer, Max: Philosophie als Kulturkritik. Gesammelte Schriften. Band 7. Vorträge und Aufzeichnungen 1949-1973. Herausgegeben von Gunzelin Schmid Noerr. Frankfurt am Main 1985. S. 81-104. Zitat S. 87.

Zurück zum Text  905. Horkheimer: Gesammelte Schriften. 1985. S. 101.

Zurück zum Text  906. Horkheimer, Max: Kritische Theorie. Eine Dokumentation. Herausgegeben von Alfred Schmidt. Band II. Frankfurt am Main 1968. S. I-XI. Zitat S. XI.

Zurück zum Text  907. Horkheimer, Max: Gesammelte Schriften. Band 7. Vorträge und Aufzeichnungen 1949-1973. Herausgegeben von Gunzelin Schmid Noerr. Frankfurt am Main 1985. S. 419-434. Zitat S. 420.

Zurück zum Text  908. Horkheimer, Max: Gesammelte Schriften. Band 9: Nachgelassene Schriften 1914-1931. 1. Vorlesung über die Geschichte der neueren Philosophie. Herausge-geben von Alfred Schmidt. Frankfurt am Main 1987. Gesammelte Schriften. Her-ausgegeben von Alfred Schmidt und Gunzelin Schmid Noerr. Frankfurt am Main 1987. (Gesammelte Schriften. Herausgegeben von Alfred Schmidt und Gunzelin Schmid Noerr. Frankfurt am Main 1987). S. 361-362.

Zurück zum Text  909. Horkheimer, Max: Gesammelte Schriften. Band 2. Philosophische Frühschriften 1922-1932. Herausgegeben von Gunzelin Schmid Noerr. Frankfurt am Main 1987. S. 48

Zurück zum Text  910. Horkheimer: Gesammelte Schriften.1987. S. 36.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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