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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


3.1.6 Kritische Theorie als Begriff für eine interdisziplinäre Methode der Wissenschaften zwischen Moderne und Postmoderne

Für Theodor Adornos sind Begriffe der Kritik in der Wissenschaft Bestandteile der Konzeption eines Staates. Adorno vermerkt über den Zusammenhang von Kritik und Politik des Staates, daß "Kritik aller Demokratie wesentlich" ist: "Nicht nur verlangt Demokratie Freiheit zur Kritik und bedarf kritischer Impulse. Sie wird durch Kritik geradezu definiert." (925) Der Autor gliedert in der Schrift Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Drei Studien zu Hegel in den Studien in die Metakritik der Erkenntnistheorie in der Einleitung und in die Kritik des logischen Absolutismus unter Verwendung der Begriffe Spezies, Intention und Dialektik als Bezeichnungen für die erkenntnistheoretischen Begriffe Wesen und reines Ich. Den Begriff immanente Kritik verwendet Adorno hier als Verfahren für das "Ineinander von Verständnis und Kritik." (926)Adorno bemerkt hier zum Verfahren der immanenten Kritik: "Aber der methodologische Einwand bleibt allzu formal der Dialektik gegenüber, die auf den Unterschied von Methode und Sache überhaupt sich nicht verteidigen läßt. Ihr Verfahren selber ist die immanente Kritik." (927) Zum Begriff Urteil schreibt Adorno: "Im Begriff der Erkenntnis im strengen Sinne liegt es, ein Urteil zu sein, das nicht bloß den Anspruch erhebt, die Wahrheit zu treffen, sondern auch der Berechtigung dieses Anspruches gewiß ist und diese Berechtigung auch wirklich besitzt." (928)

Adornos Werk behandelt auch die Beurteilung von Musik. In seiner Abhandlung Noten zur Literatur findet sich in der Abhandlung Der Essay als Form die Bemerkung über den Essay, daß dessen volle Kritik ein Teil der Philosophie ist: "Wie er Urgegebenheiten verweigert, so verweigert er die Definition seiner Begriffe. Deren volle Kritik ist von der Philosophie unter den divergentesten Aspekten erreicht worden." (929) Adorno schreibt am 16. März des Jahres 1927 an Alban Berg über den Begriff Krise zur Beschreibung von Musik: "Daß die Krise des heutigen Schönberg nicht von der Zwölftontechnik kommt, sondern von ihm, beweist Ihr Quartett. Zwischen Ihren und Schönbergs letzten Werken ist überhaupt kein Vergleich möglich: Ihre sind lebendig, jene sind sich selbst historisch geworden." (930) Das Thema Beurteilung von Musik wird in Adornos Aufsatz Zeitlose Mode. Zum Jazz im Juniheft der Zeitschrift Prisma nach seiner Replik auf einen Beitrag von Joachim Ernst Berendt im Septemberheft der Zeitschrift Merkur aus dem Jahre 1953 mit einer Schrift fortgesetzt, die den Fanatismus als eine Grenze der Kritik beschreibt: "Um es als Kritiker des Jazz Joachim Ernst Berendt recht zu machen, müßte man selber ein Fan sein, und das eben schlösse die Kritik aus." (931) Adorno bemerkt in der Schrift Zum ästhetischen Gefühl über den Begriff relatives Werturteil für das Kunstwerk: "In der Kunst sind relative Werturteile, Berufung auf Billigkeit, Geltenlassen von halb Gelungenem, alle Excusen des gesunden Menschenverstands, auch der Humanität, schief: ihre Nachsicht schadet dem Kunstwerk, indem sie stillschweigend seinen Wahrheitsanspruch kassiert." (932)

Adorno vermerkt in seinem Werk Ästhetische Theorie zur Kritik, daß sie eine Methode ist, die zu den Spuren eines Werkes führt: "Ein jedes bedeutende Werk hinterläßt in seinem Material und seiner Technik Spuren, und diesen zu folgen ist die Bestimmung des Modernen als des Fälligen, nicht: zu wittern, was in der Luft liegt. Sie konkretisiert sich durchs kritische Moment. [...] Der Wahrheitsgehalt der Kunstwerke ist fusioniert mit ihrem kritischen. Darum üben sie Kritik auch aneinander." (933) Adorno beschreibt das Phänomen Mimesis mit der Eigenschaft Rationalität, die dem Kunstwerk und der Kritik gemeinsam ist: "Kunst ist Rationalität, welche diese kritisiert, ohne sich ihr zu entziehen." (934) Adorno verwendet den Begriff Krisis der Kunst und weist auf die Entsprechung von Kunst und Kritik hin, die ihre Theorie ist: "Die Krisis der Kunst, gesteigert zur Erschütterung ihrer Möglichkeit, affiziert ihre beiden Pole gleichermaßen: ihren Sinn und damit schließlich den geistigen Gehalt, und den Ausdruck ohne Sinn, ohne das Medium von Vergeistigung; kein Sinn ohne das mimetische Moment: ohne jenen Sprachcharakter von Kunst, der heute abzusterben scheint." (935)[...] "Darum muß jegliche Theorie der Kunst zugleich Kritik an ihr sein. Selbst an radikaler Kunst ist soviel Lüge, wie sie das Mögliche, das sie als Schein herstellt, dadurch herzustellen versäumt." (936)

Zurück zum Text  925. Adorno, Theodor W.: Kulturkritik und Gesellschaft II. Eingriffe, Stichworte, Anhang. Frankfurt am Main 1997. (Theodor W. Adorno. Gesammelte Schriften. Herausgegeben von Rolf Tiedemann unter Mitwirkung von Gretel Adorno, Susan Buck-Morss und Klaus Schulz). S. 791.

Zurück zum Text  926. Adorno, Theodor W.: Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Drei Studien zu Hegel. Frankfurt am Main 1997. (Theodor W. Adorno. Gesammelte Schriften. Herausgegeben von Rolf Tiedemann unter Mitwirkung von Gretel Adorno, Susan Buck-Morss und Klaus Schultz. Band 5).

Vgl. zu den Begriffen S. 96-129; S. 130-189; S. 190-235. Zitat S. 374.

Zurück zum Text  927. Adorno, Theodor W.: Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Studien über Hus-serl und die phänomenologischen Antinomien. Herausgegeben von Gretel Adorno und Rolf Tiedemann. Frankfurt am Main 1990. S. 14.

Zurück zum Text  928. Adorno: Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. 1990. S. 63.

Zurück zum Text  929. Adorno, Theodor W.: Der Essay als Form. In: Ders.: Noten zur Literatur. Gesammelte Schrif-ten II. Frankfurt am Main 1997. S. 9-33. Zitat S. 19.

Zurück zum Text  930. Adorno, Theodor W.: Theodor W. Adorno und Alban Berg. Briefwechsel 1925-1935. Heraus-gegeben von Henri Lonitz. Frankfurt 1997. (Dialektische Studien. Herausgegeben vom Theodor W. Adorno Archiv. Band 2). S. 141-144. Zitat S. 143.

Vgl den Begriff ´dialektische Formautonomie´ des Essays. In: Bolz, Norbert W.: Geschichtsphilosophie des Ästhetischen. Hermeneutische Rekonstruktion der "Noten zur Literatur" Th. W. Adornos. Hildesheim 1979. S. 1-27.

Zurück zum Text  931. Adorno, Theodor W.: Kulturkritik und Gesellschaft. II. 1997. S. 805-809. Zitat S. 805.

Zurück zum Text  932. Adorno, Theodor W.: Zum ästhetischen Gefühl; Kritik des Kantischen Objek-tivitätsbegriffs. In: Gesammelte Schriften in zwanzig Bänden. Herausgegeben von Rolf Tiedemann unter Mitwirkung von Gretel Adorno, Susan Buck-Morss und Klaus Schultz. Bd. 7. Frankfurt am Main 1997. S. 246.

Zurück zum Text  933. Adorno, Theodor W.: Ästhetische Theorie. Theodor W. Adorno. Gesammelte Schriften. Band 7. Frankfurt am Main 1972. S. 59.

Zurück zum Text  934. Adorno: Ästhetische Theorie. 1972. S. 87.

Zurück zum Text  935. Adorno: Ästhetische Theorie. 1972. S. 413.

Zurück zum Text  936. Adorno: Ästhetische Theorie. 1972. S. 129.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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