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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


Adorno hat auf die Grenzen der immanenten Kritik hingewiesen, die sich als Überprüfung der logischen Richtigkeit einer Theorie versteht, ohne auf deren Axiomata einzugehen, wo dieses Prinzip immanenter Logik, wie in der szientistischen Wissenschaftstheorie, Vorrang vor allen anderen Kriterien genieße. (937) Adorno beschreibt mit dem Begriff Geist öffentlicher Kritik den Einfluß von politischen Gruppen: "Mir will es scheinen, als ob der Geist öffentlicher Kritik, seitdem er von politischen Gruppen monopolisiert und dadurch öffentlich kompromittiert wurde, empfindliche Rückschläge erlitten hätte; hoffentlich täusche ich mich." (938) Ein Thema der politischen Wissenschaften stellen für Adorno die Folgen öffentlicher Meinung, der nichtbeamteten Kritik, in den Demokratien von England, Frankreich und Amerika im Vergleich zu den Formen in Deutschland dar. Zur Funktion eines Kulturkritikers in der Gesellschaft bemerkt Adorno im Jahre 1975 in seiner Schrift Gesellschaftstheorie und Kulturkritik: "Wer gewohnt ist, mit den Ohren zu denken, der muß am Klang des Wortes Kulturkritik sich ärgern nicht darum bloß, weil es, wie das Automobil, aus Latein und Griechisch zusammengestückt ist. Es erinnert an einen flagranten Widerspruch. Dem Kulturkritiker paßt die Kultur nicht, der einzig er das Unbehagen an ihr verdankt." (939)

In Herbert Marcuses Schrift Die Permanenz der Kunst, die mit dem Untertitel Wider eine bestimmte marxistische Ästhetik im Jahre 1977 erscheint, wird eine Feststellung über die Funktion der Kunst publiziert: "Die Kunst kämpft gegen die Verdinglichung, indem sie die versteinerte Welt zum Sprechen bringt - zum Singen, vielleicht auch zum Tanzen." (940) Marcuse beschreibt in der Vorrede mit dem Titel Die Paralyse der Kritik: eine Gesellschaft ohne Opposition die Aufgabe der kritischen Theorie in der Industriegesellschaft: "Es gehört zur Absicht einer kritischen Theorie der gegenwärtigen Gesellschaft, die Wurzeln dieser Entwicklungen zu erforschen und ihre geschichtlichen Alternativen zu untersuchen - einer Theorie, die die Gesellschaft analysiert im Licht ihrer genutzten und ungenutzten oder mißbrauchten Kapazitäten zur Verbesserung der menschlichen Lage." (941) In seiner Schrift Ideen zu einer kritischen Theorie der Gesellschaft schreibt Marcuse zur Kritik der reinen Toleranz in einer gleichgeschalteten Gesellschaft: "Und auf den festen Grundlagen einer gleichgeschalteten Gesellschaft, die sich gegen qualitative Änderung nahezu abgeriegelt hat, dient selbst die Toleranz eher dazu, eine solche Änderung zu unterbinden, als dazu, sie zu befördern. (942)

Ludwig Marcuse verfaßt eine Biographie Börnes. Im Jahre 1989 werden als literarische Portraits und Kritiken von ihm unter dem Titel Wie alt kann Aktuelles sein? Abhandlungen wie der Schrift Was ist Freiheit der Kritik? gedruckt, die erstmals in der Wochenzeitung Zeit vom 2. August des Jahre 1963 veröffentlicht wurde. Dem Artikel Reaktionäre und progressive Romantik aus dem Jahre 1962 folgt ein Nachwort, 15 Jahre später, am 25. Juni 1967 über das Verfahren des Unterminierens von Worten:

"Ich würde diese Arbeit heute gern umschreiben; viele Schriftsteller werden im Laufe der Jahre immer empfindlicher, Worten und Wendungen und dem Rhythmus der Sätze gegenüber.-

Die thesenhafte Überschrift würde ich stehen lassen: den Versuch, das Wort "Romantik" der Sprachregelung zu entreißen, daß romantisch im politischen Zusammenhang reaktionär bedeutet. Die Romantik vom jungen Friedrich Schlegel bis zu Nietzsche und den nicht minder (was die Zukunft betrifft) romantisch-marxistischen Verkündern des Willens zum menschlicheren Menschen, ist progressiv gewesen. Mein Ziel war und ist: das Wort Romantik als eine feste Größe im politischen Vokabular zu unterminieren.

L.M. " (943)

Zurück zum Text  937. Adorno: Ästhetische Theorie. 1972. S. 227-228.

Zurück zum Text  938. Adorno, Theodor W.: Kulturkritik und Gesellschaft. 1997. S. 792.

Zurück zum Text  939. Adorno, Theodor W.: Gesellschaftstheorie und Kulturkritik. Frankfurt am Main 1975. Abschnitt Kulturkritik und Gesellschaft S. 46-65. S. 46.

Zurück zum Text  940. Marcuse, Herbert: Konterrevolution und Revolte. Zeit-Messungen. Die Perma-nenz der Kunst. Herbert Marcuse. Schriften. Band 9. Frankfurt am Main 1987. S. 191-241. Zitat S. 241.

Zurück zum Text  941. Marcuse, Herbert: Der eindimensionale Mensch. Studien der fortgeschrittenen Industriegesellschaft. Übersetzt von Alfred Schmidt. Frankfurt am Main 1989. S. 1-21. Zitat S. 12.

Zurück zum Text  942. Marcuse, Herbert: Repressive Tolenanz. In: Wolff, Robert Paul; Moore, Barrington; Marcuse, Herbert: Kritik der reinen Toleranz. Frankfurt am Main. 1982. S. 127.

Zurück zum Text  943. Marcuse, Ludwig: Essays, Portraits, Polemiken. Ausgewählt aus vier Jahr-zehnten von Harold von Hofe. Zürich 1979. S. 81-90. Zitat S. 90.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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