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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


Karl R. Poppers Theorie untersucht die Aufgaben der Kritik von Gesellschaften. Popper vermerkt in der Schrift Die offene Gesellschaft und ihre Feinde über die Kritik des Aristoteles an der Freiheitsbewegung in Athen: "Das meiste, das wir von der athenischen Freiheitsbewegung wissen, verdanken wir der Kritik und den Rügen des Aristoteles. Indem er gegen die Vorkämpfer der Freiheit argumentierte, bewahrte er einige ihrer Äußerungen auf. In einigen Punkten mildert Aristoteles Platons Theorie der Sklaverei ein wenig, und er tadelt seinen Lehrer nach Gebühr für seine allzu große Härte. Er konnte weder einer Gelegenheit zur Kritik an Platon widerstehen noch einer Gelegenheit zu einem Kompromiß, nicht einmal dann, wenn dies ein Kompromiß mit den liberalen Tendenzen seiner Zeit war." (945) Popper beschreibt im Vorwort zur ersten englischen Ausgabe im Jahre 1963 in Berkeley seine These, die zur Kritik der Versuche besagt, daß "wir aus unseren Irrtümern, aus den Fehlern, die wir gemacht haben, lernen können. [...] Es ist eine Theorie der Vernunft, die den rationalen Argumenten die bescheidene, aber doch wichtige Rolle der Kritik zuweist - der Kritik unserer immer mit Fehlern behafteten Versuche, die praktischen und die theoretischen Probleme zu lösen, denen wir gegenüberstehen." Zur Untersuchung von Vermutungen durch diese Kritik äußert sich Popper, um ein Verfahren der Prüfungen zu veranschaulichen, durch das es möglich ist, festzustellen, welche Theorien mit einem kritischen und progressiven Charakter als Wissenschaft gelten können:

"Vermutungen werden durch Kritik kontrolliert, und das heißt: durch versuchte Widerlegungen, also durch strenge kritische Prüfungen. Unsere Vermutungen können solche Prüfungen bestehen, aber sie können durch Überprüfung niemals positiv gerechtfertigt werden: man kann weder ihre Wahrheit sicherstellen noch ihre "Wahrscheinlichkeit" (im Sinne der Wahrscheinlichkeitsrechnung). Die Kritik unserer Vermutungen ist von entscheidender Wichtigkeit: durch Aufdecken unserer Fehler hilft sie uns, die Schwierigkeiten unseres Problems überhaupt zu verstehen. [...] Diejenigen unserer Theorien, die auch der schärfsten Kritik widerstehen und die uns zur Zeit als bessere Annäherungen an die Wahrheit erscheinen als andere bekannte Theorien, können (zusammen mit den Berichten über ihre Prüfungen) als "die Wissenschaft" unserer Zeit bezeichnet werden. Keine von diesen Theorien kann positiv gerechtfertigt werden; und so ist es im wesentlichen ihr kritischer und progressiver Charakter, der die Rationalität der Wissenschaft ausmacht: die Tatsache, daß wir aufgrund von Argumenten entscheiden können, daß sie die Probleme besser lösen als andere Theorien." (946)

Als Aufgaben von Sprache und Schrift beschreibt Popper im Jahre 1984 im Vorwort zur vierten Auflage seiner Schrift Objektive Erkenntnis den Umgang mit Probleme und Theorien, die Objekte im kritischen Studium sind: "Es ist die menschliche Sprache und die Schrift, die uns erlauben, unsere Probleme und Theorien objektiv zu formulieren und unabhängig von unseren Erlebnissen objektiv darzustellen; sie zu Objekten unseres kritischen Studiums zu machen und sie auf ihre Wahrheit hin zu überprüfen und kritisch zu bewerten." (947) Im Vorwort zu seiner Schrift Conjectures and refutations bemerkt Popper nach der Darstellung des Kritizismus unserer Konjekturen (Criticism of our conjectures) über die Begriffe frei (liberal) und Liberalismus (liberalism): "To avoid misunderstandings I wish to make it quite clear that I use the terms ´liberal´, ´liberalism´, etc., always in a sense in which they are still generally used in England (though perhaps not in America): by a liberal I do not mean a sympathizer with any one political party but simply a man who values individual freedom and who is alive to the danger inherent in all forms of power and freedom." (948) Popper beschreibt in seiner Schrift Conjectures and refutations die formale Logik (formal logic) als ein Organon für den rationalen Kritizismus (rational criticism) durch das Zurückschicken (re-transmission) von Falschheit (falsity): "This re-transmission of falsity makes formal logic the Organon of rational criticism." (949) Popper unternimmt mit einer Kritik des strengen Positivismus und des Apriorismus eine Bestimmung des Urteils: "Jedes Urteil, jede Darstellung, insbesondere aber jedes wissenschaftliche Urteil transzendiert über das unmittelbar Gegebene, ist mehr, als eine pedantisch genaue Beschreibung von reinen Erlebnissen." (950) In Anschluß an Popper behandelt Kurt Hübner in seiner Schrift Kritik der wissenschaftlichen Vernunft nach dem bei Descartes überlieferten Begriff ´Kriterium des Wahren´ (κριτηριον veri) eine Kritik an der Theorie der Wissenschaft von Popper und Versuche über die Quantenmechanik. (951)

Zurück zum Text  945. Popper, Karl R.: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde. II. Falsche Propheten. Hegel, Marx und die Folgen. München 1975. S. 7.

Zurück zum Text  946. Popper, Karl R.: Das Wachstum der wissenschaftlichen Erkenntnis. Teilband I. Vermutungen. Tübingen 1994. S. XI-XII.

Zurück zum Text  947. Popper, Karl R.: Objektive Erkenntnis. Ein evolutionärer Entwurf. Übersetzung von Hermann Vetter, in Abstimmung mit dem Autor überarbeitet von Ingeborg Gerd und Bernd Fleischmann. Hamburg 1995. S. VII-IX. Zitat S. VIII.

Zurück zum Text  948. Popper, Karl R.: Conjectures and refutations. The growth of scientific know-ledge. London 1968. S. VII u. VIII.

Zurück zum Text  949. Popper: Conjectures. 1968. S. 64.

Zurück zum Text  950. Popper, Karl R.: Die beiden Grundprobleme der Erkenntnistheorie. Aufgrund von Manuskripten aus den Jahren 1930-1933. Herausgegeben von Troels Eggers Hansen. Tübingen 1979. S. 42-80. Zitat S. 45.

Zurück zum Text  951. Hübner, Kurt: Kritik der wissenschaftlichen Vernunft. Freiburg und München 1978. S. 97-133 (zu Popper), 168-192 (zur Quantenmechanik) und S. 236-237 (zu Descartes).

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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