fachpublikation.de

Hauptseite fachpublikation.de

Verzeichnis aller Publikationen

Verzeichnis aller Autoren

Schlagwortverzeichnis

Dokumente kostenlos publizieren
 

Impressum fachpublikation.de

 

 

Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


3.2 Medien der Theorie und Praxis einer Kritik von Künsten

3.2.1 Die Symbolik der Kritik von Schriften im 18. Jahrhundert

Für die Beurteilung sind Figuren wie Personen und Tiere als Symbole in der Literatur und visuellen Medien zu finden. Der Kritiker hat in der Antike eine Symbolik. Diese Symbolik wurde durch die Idee der Mimesis, der Nachahmung von Künsten, seit der Antike in Vergleichen überliefert. Die Tätigkeit des Unterscheidens (κρινειν) wurde durch das Feuer bei den Mystikern in Griechenland dargestellt. Bei dem Fragment Κóσμου κρíσις von Herakleitos dem Dunkeln von Ephesos mit der Darstellung des Weltbrandes in der Überlieferung bei Aristoteles, Philo, Diogenes und Simplicius stellt Ferdinand Lasalle die Frage "Wenn der κóσμος selbst Feuer ist und noch dazu immerwährendes Feuer, - wie soll das Feuer ihn verbrennen?" (956) Lasalle interpretiert das Wort κρινειν in diesem Fragment als "die Tätigkeit des Feuers, die Dinge in ihren realen Unterschied, aus dem sie bestehen (wie in Feuer und Erde, Wasser und Feuer) zu zerlegen und ist also eine solche Aufhebung und Operation, bei der immer anderes reales Dasein erzeugt wird (Entwicklung), d.h. es wird in dem Fragment nicht nur nicht der reale Weltvertilgungsbrand, sondern sein Gegenteil, der reale Entwicklungsprozeß Heraklits gelehrt. Daß dies κρινειν aber wirklich bei Heraklid gar nichts Anderes bedeutet, zeigt auch recht entscheidend der Ausdruck κóσμου κρíσις, den Pseudo-Origines, gerade indem er dies Fragment anführt, gebraucht und der Sinn, indem er ihn anwendet." (957)

Die Schlange wird neben anderen runden Gegensänden als ein Symbol der Kritik genutzt. (958) Als Symbole der Wirkung von Kritik ringeln Schlangen sich um den Stab des Hermes, mit dem er ihren Kampf beendet. Diese Allegorie der Kritik findet sich auch in Vergils Überlieferung in der Aeneis in Form von Schlangen, die den Laokoon und seine Söhne umringen. (959) Die Erklärung von Bildern und Worten des Kunstwerkes ist eine Aufgabe des Kritikers. In einem Vergleich erwähnt Plinius in einem Brief an den Lupercus über das Betrachten (inspicere) und das Beurteilen (iudicare) einer Statue, daß die Eigenschaft der Ausgelesenheit (elegans) ein Kriterium ist: "Etenim, si avolsum statua caput aut membrum aliquod inspiceres, non tu quidem ex illo posses congruentiam aequalitatemque deprendere, posses tamen iudicare, an id ipsum satis elegans esset." (960) Die Spitzfindigkeit (argutum) des Richters (iudex) wird in der Ars poetica von Horaz im Vergleich vom näheren Abstand (proprius stare) des Betrachters zum Bild (pictura) und dem entfernteren Abstand zur Dichtung (poesis), die beide - jede auf ihre Weise - den Beobachter und Leser einnehmen, beschrieben: "Ut pictura poesis: erit quae, si proprius stes, te capiat magis, et quaedam, si longius abstes; haec amat obscurum, volet haec sub luce videri, iudicis argutum quae non formidat acumen;" (961)

Für die Symbole der Tugenden eines Kritikers und Kunstrichters werden seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert Bezeichnungen genutzt. Zwei allegorische Darstellungen der Kritik werden von Karl Wilhelm Ramler unterschieden, die der Justitia entsprechen. Über die bösartige Kritik und gerechte Kritik bemerkt er: "Diese hat man wie eine Furie abgebildet, welche auf Büchern liegt, die sie zerissen hat, und noch zu zerreissen im Begriff ist. Die gerechte Kritik hält eine Wagschale, worauf sie Bücher abwägt. Neben ihr liegen die Werke des Aristoteles, Longinus und Quintilian, deren Namen auf den Rücken der Bücher oder auf ihren Deckeln angedeutet werden." (962) Johann Joachim Winckelmann nennt für seine Allegorie des Kritikers, des Critikus, ein Bild der Wagschalen des Jupiter nach Homer. (963)

Die frühen kritischen Magazine des 18. Jahrhunderts wie die Vernünftigen Tadlerinnen von Gottsched und die Critischen Nachrichten aus dem Reiche der Gelehrsamkeit, die im Auftrage der Königlichen Academie der Wissenschaften von Berlin veröffentlicht werden, enthalten Artikel mit Briefen. In Abgrenzung zu Begriffen wie Kunstliebhaber, Laie, Dilettant und Kenner wird der Begriff Kritiker von Autoren in der Aufklärung verwendet. Abwertend wird im 18. und im 19. Jahrhundert von Krittlern und Kritikastern gesprochen. Der Begriff Freymüthige Kritik ist für eine Besprechungen von Gemälden in dem Schreiben Freymüthigen Kritik zur Wiener Kunstausstellung aus dem Jahre 1790 belegt. Als Kriterien des Urteilens verweist der Verfasser der Freymüthigen Kritik auf das Studium der Kunst und das Genie für dieses Fach, das aber so selten als das Genie des Künstlers selbst ist. (964) Mit ihnen wird die Malerei erst zu einer Wissenschaft, die Genie und Kunst erfordert. Der Verfasser der Freymüthigen Kritik vergleicht dieses Genie mit den Tugenden des Kritikers: "Allein um ein solcher Mann zu werden, muß man sich nicht nur durch mehrere Jahre mit dem Studium der Kunst bekannt machen, sondern auch so zu sagen mit einem eigenen Genie für dieses Fach geboren seyn; welches aber so selten als das Genie des Kuenstlers selbst ist." (965) Als Eigenschaften des idealen Kritikers werden anhaltendes Studium der Künste und die Begabung des Kritikers neben dem Ideal der Unparteilichkeit genannt: "Partheylichkeit und Zelotenhitze verunreinigen die Kritik. Ich bin frey von beyden, und habe über das Gute und Schoene in der Kunst gedacht. Lob und Tadel sind hier Resultate meiner Ueberlegung, aus der Fülle des Herzens niedergeschrieben." (966) Die Freymüthige Kritik führt an, daß der Künstler nicht über Werke der Kunst richten solle. Handwerk und Natur sind als das mechanische in der Kunst und Natur voneinander getrennt (967)

Zurück zum Text  956. Lasalle, Ferdinand: Die Philosophie Herakleitos des Dunkeln von Ephesos. Zwei Bände. Berlin 1858. Reprint. 2 Bände in einem Band. Hildesheim und New York 1973. Bd. 2. S. 144.

Zurück zum Text  957. Lasalle: Die Philosophie Herakleitos. 1973. Bd. 2. S. 150.

Zurück zum Text  958. Vgl. zur Schlange auch: Metzler Lexikon antiker Bildmotive. Von Percy Pres-ton. Übersetzt und überarbeitet von Stela Bogutovac und Kai Brodersen. Stuttgart und Weimar 1997. S. 165-169.

Zurück zum Text  959. Vergil, Publius Maro: Opera. Apparatu critico in artius contracto iterum recensuit Otto Ribbeck. I-IV. Hildesheim 1966. S. 284-285. 2. Buch. 212-227. S. 285.

Zurück zum Text  960. Plinius, C. Caecilus Secundus: Epistolarum libri decem. Herausgegeben von Helmut Kasten. Zürich 1995. 2. Buch. 5. Brief an den Lupercus. S. 78.

Zurück zum Text  961. Horaz: Epistula ad Pisonem de arte poetica. 1972. Zeile 360-364. S. 26.

Zurück zum Text  962. Ramler, Karl Wilhelm: Allegorische Personen zum Gebrauche der bildenden Künstler. Berlin 1788. S. 64.

Zurück zum Text  963. Winkelmann, Johann Joachim: Versuch einer Allegorie, besonders für die Kunst. Göttingen 1766. Neudruck der Ausgabe von 1825. Osnabrück 1965. S. 25.

Zurück zum Text  964. Anonymus: Freymüthige Kritik über die in der Akademie zu Wien ausgestellten Kunstwerke 1790. In: Olla Potrida. 1791. 2. St. S. 44.

Zurück zum Text  965. Anonymus: Freymüthige Kritik. 1790. S. 44.

Zurück zum Text  966. Anonymus: Freymüthige Kritik. 1790. S. 42 und S. 45.

Zurück zum Text  967. Anonymus: Freymüthige Kritik. 1790. S. 43.

 

Seite zurück  Eingangsseite  Inhaltsverzeichnis  Seite vor  Graphiksonderzeichen-Version


Home | WorldWideBooks | imMEDIAtely


Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
Bei Fragen und Anregungen zu dieser Website wenden Sie sich bitte an: webmaster@fachpublikation.de