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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


Joachim Christoph Nemeitz beschreibt in seinem Vorbericht zum ersten Teils seiner Sammlung Vernünftige Gedanken über die Rublic dieser Schrift, die Artikel zu einzelnen Themen beinhaltet, die Buecher und Schrifften, die den Stoff zu seinen Werken gaben, als unschuldige Sachen: "Die Rublic dieser Blaetter zeiget zur Genuege/ was der Geneigte Leser in denselben antreffen wird. Es sind Gedancken / wozu mir meine Reisen/ mein ehemaliges Hoff=Leben/ und eine vieljaehrige Lesung allerhand Buecher und Schrifften / den Stoff gegeben. Der Goettlichen Vorsehung hat es ohnlawngst gefallen/ mich von allen Hoff= und Welt=Geschaefften zu entfernen/ und mich dagegen in eine vergnuegte Retraite zu versetzen. Und wie kann ich solchemnach in diesem Otio Literario meine Zeit besser anwenden/ als mich mit der gleichen unschuldigen Sachen zu amusieren?" (968)

Der deutsche Ausdruck Kritikus wird in Johann Adolf Schlegels Übersetzung des Werkes Einschraenkung der schönen Künste auf einen einzigen Grundsatz des Rhetorikers Charles Batteux verwendet. (969) Ein Kommentator zu dem Werk mit dem Originaltitel Les beaux arts reduits à un même principe vermerkt über die Kritik: "Auch scheint mir Herr Batteux das zum Fehler anzurechnen, daß ich aus dem Werken gegen die Grundsaetze schließe. Und ist nicht eben dieß das Verfahren, das die Kritik geziemet, und das allem die Rechte und Freyheiten des Genies ungekraenkt laeßt?" (970) Batteux bemerkt im Hinblick auf das zeitgenössische Urteil, daß bei der Urteilsfindung, insbesondere in der Literatur, sich der Geschmack an Natur und Meisterstuecken zu bilden habe. (971)

Die Beschreibung ist ein Teil der Werke zur Kritik von Kunstwerken, aus der sich die Theorie ableitet. Die Bezeichnung critische Beschreibung findet sich für eine Methode im Jahre 1747 in der historisch-critischen Beschreibung für die bildenden Künste in Michael Lilienthals Werk Vollständiges Thaler-Cabinet. Der Zweck der Kunst wird in der Kunstkritik für die Bewertung von Kunstwerken untersucht. Kritiker verweisen auf den nationalen und gesellschaftlichen Zweck von Kunst. Johann Tobias Köhlers Schrift Vollständiges Ducaten-Cabinet ist ein Historisch-critische Beschreibung nicht nur Ducaten, sondern auch aller gangbaren Goldmünzen. Mimesis ist für die Kritiker der Künste ein Kriterium der Unterhaltung bei einer zumeist auf den visuellen Sinn abzielenden Wirkung des Gemäldes. Anläßlich des Berichtes der Dresdner Kunstausstellung im Jahre 1770 vergleicht der Verfasser die Hierarchie von Kunstwerken der Malerei und der Dichtkunst. Als Bestandteile der Kunst werden in Johann Jakob Wilhelm Heinses Sammlung Briefe aus der Düsseldorfer Gemäldegalerie von 1776/77 im Teutschen Merkur Werke von Rubens beschrieben. Begriffe zur Beschreibung bei Heinse sind das Goettliche, Idee und Zusammensetzung, Zeichnung (Form, Gefäß des Göttlichen, Leben), Erscheinung, Kolorit (Puls und Lebenswärme) für die wesentlichsten Stücke der Kunst, ohne die das Goettliche nicht bestehen kann, neben Licht und Schatten (Stellung in der Welt, Lebensatem, Zeit und Tag und Stunde und Augenblick, Gegenwart, Szene und Anordnung) und Bekleidung (hoechste Taeuschung)." (972) Kopie und Original sind Bezeichnungen von Kunstwerken, mit denen die Methode ihrer Nachahmung gekennzeichnet wird. Die Kunst wird als Thema mit Begriffen der Beurteilung behandelt. Der Begriff Urtheil wird für eine Bewertung, die auf dem Geschmack beruht, in der Ästhetik genutzt. Georg Friedrich Meiers nennt in seinem Werk Anfangsgründe aller schönen Wissenschaften aus dem Jahre 1759 den Begriff aesthetisches Urtheil, das er in die Gegensätze von unerweitertem, erweitertem, fragendem, verwunderungsvollem, wünschendem, befehlendem, verbietendem, bestimmtem und unbestimmtem, einfachem und zusammengesetztem, anschauendem Grundurtheile und theoretischem oder practischem, unerweislichem und erweislichem widersprechendem Urtheile nach untergeordneten Begriffen unterscheidet. (973)

Zurück zum Text  968. Nemeitz, Joachim C.: Vernuenfftige Gedanken ueber allerhand critische und moralische Ma-terialien. O. O. 1739. O. S.

Zurück zum Text  969. Batteux, Charles: Einschränkung der schönen Künste auf einen einzigen Grund-satz. Übersetzt von Johann Adolf Schlegel. Leipzig 31770 (Reprint Hildesheim und New York 1976). Zweiter Theil. Leipzig 1770. S. 265.

Zurück zum Text  970. Batteux: Einschränkung. 1770. S. 373.

Zurück zum Text  971. Batteux: Einschränkung. 1770. S. 72.

Vgl. zum Ende der freien Künste (artes liberales) und dem Beginn des neuen Sys-tems der schönen Künste: "ars". In: Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Bd. 1. Sp. 1029.

Zurück zum Text  972. Heinse, Johann Jakob Wilhelm: Briefe aus der Düsseldorfer Gemäldegalerie. Herausgegeben von Arnold Winkler. Leipzig und Wien 1912. S. 112.

Zurück zum Text  973. Meier, Georg Friedrich: Anfangsgründe aller schönen Wissenschaften. Dritter Theil. Zwote verbesserte Auflage. Halle 1759. [Reprint Hildesheim New York 1976].

Vgl. zu den Begriffen S. 139, 146, 148, S. 150, S. 152, S. 155, S. 184, S. 187, S. 192, S. 196.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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