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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


3.2.2 Begriffe der Kritik an den schönen und bildenden Künsten im 19. Jahrhundert

Journale sind ein Ort für die Publikation von Kritik über Kunstwerke im 19. Jahrhundert. Bereiche dieser Kritik sind die schönen und die bildenden Künste. Währen der Jahrhundertwende werden die Bezeichnungen Kritik und Critik für Artikel zur Berichterstattung zu Kunstausstellungen in Deutschland genutzt. Diese Kunstkritiken, die seit Beginn der Aufklärung von Kulturjournalen und Kunstzeitschriften gedruckt werden, wenden sich an eine anonyme Leserschaft. Ihr Werturteil zu den ausgestellten Gemälden wird zunächst in enger Anlehnung an die kunsttheoretischen Lehren der Mitglieder der Akademien der bildenden Künste übermittelt. Begriffe für Formen und Elemente einer Betrachtung und Unterscheidung zwischen Bild und Abbild sind in der Sprache zur bildenden Kunst vorhanden. Die Theorie für den Unterschied zwischen Bildern in der Antike ermöglicht Philostrat mit seinen Bildbeschreibungen. Beispiele der Neuzeit sind Abhandlungen über das Bild in der Theorie in Goethes Schriften über Polygnots Gemälde und Karl Friedrich Hermanns Epikritische Betrachtungen über die polygnotischen Gemälde in der Lesche zu Delphi, die im Jahre 1849 publiziert werden.

Johann Georg Sulzers mehrbändiges Werk Allgemeine Theorie der schönen Künste, das in den Jahren von 1771 bis 1774 in Deutschland veröffentlicht wurde, behandelt den Begriff Kritik. Sulzer verweist für die Kunst auf die Schriften von de Piles und dem Abbé Laugier, deren deutsche Übersetzungen in der Bibliothek der schönen Wissenschaften und freyen Künste er anführt. Sulzer führt für die in der Antike entstandenen Beschreibungen antiker Gemälde die Beschreibungen (εκφρασεις) des Callistratus und die Historia naturalis von Plinius d. Ä. an. Das Urtheilen über die Kunst und ihre Regeln soll Künstlern und Kunstrichtern überlassen bleiben: "Man überlasse also den Künstlern und Kunstrichtern über die Geheimnisse der Kunst, und über die Regeln zu urtheilen und halte sich an die Wirkung, die ihre Werke auf verständige und nachdenkende Menschen machen." (974) In den Jahrbüchern der Akademie der Wissenschaften zu Berlin wird Sulzers Abhandlung Von der Kraft (Energie) in den Werken der schönen Künste publiziert. (975) Sulzer umschreibt in seinem Schreiben Kurzer Begriff aller Wißenschaften und andern Theilen der Gelehrtsamkeit die Philologie mit den Begriffen Critik der Künste und Kunstkritik. Sein Brief aus Dresden an den Hofrat Karl August Böttiger vom Februar 1828 wird als Antwortschreiben zum Sendschreiben De varia ratione inscriptiones interpretandi obscuras mit der Bezeichnung der Mutter der Philologie für die Phronesis publiziert. (976) Bei der Behandlung dunkler Inschriften hat sich die Kritik an die Züge der Buchstaben zu fesseln. (977)

Gustav von Seckendorf gliedert die Schrift Kritik der Kunst aus dem Jahre 1812 in einen spekulativen Theil und einen applikativen Theil. In seiner Definition der Kritik als Verfahren der Beurtheilung verweist er auf die richtigen Standpunkte: "Kritik sucht eben sowohl die richtigen Standpunkte der Beurtheilung auf, als sie, von diesen aus auch wirklich beurtheilt. Jene ist ihr spekulatifer, dieser ihr applikatifer Theil. Der erste beginnt mit einem Grundsatz. Welcher kann dieser anders seyn, als: die Beurtheilung des Gegenstandes als solchen. Denn, beurtheilt man die Beziehungen des Gegenstandes nach außen, sey es zu uns, oder zu andern Gegenständen, so wird jene Beurtheilung des Gegenstandes schon vorausgesetzt, die Beziehungen nach außen aber sind selbst Gegenstände der Beurtheilung geworden." (978) Das Verständnis des Begriffs Kritik wird durch das Kunstwerk in einem Bericht des Journals des Luxus und der Moden aus dem Jahre 1814 bestimmt: "Die Kunst richtet ihre Werke selbst, und es giebt auch in dieser Ausstellung manches Kunstwerk, das für sich selbst sprechen und alle Kritik überleben wird." (979) Begriffe in der Ästhetik und der Kunstkritik sind im 18. Jahrhundert in Journalen überliefert. Im 19. Jahrhunderts werden diese Begriffe als Kriterien verwendet.

Im Zeitalter der Aufklärung bis zum Ende des 18. Jahrhundert hat sich Kunstkritik, die bis dahin ohne Bezug zum zeitgenössischen Kunstgeschehen Bestandteil der Biographie von Künstlern oder theoretischer Abhandlungen war, zur eigenständigen Gattung entwickelt. (980) Im Bereich ihrer praktischen Anwendung unterliegt Kunstkritik zeitgenössischen medialen Bedingungen. Im Gegensatz zur Theorie ist die zeitgenössische Kunstkritik nicht auf einen Gegenstandsbereich, das isolierte Bild, das sie betrachtet und wertet, reduziert. Dem publizistischen Anlaß, der Ausstellung, entsprechend ist sie auf eine Mehrzahl von Kunstwerken erweitert. Von den Anfängen publizistischer Kunstkritik bis zur zeitgenössischen Kritik ist die Ausstellung das aktuelle Thema der Kritik.

Zurück zum Text  974. Sulzer, Johann Georg: Allgemeine Theorie der schönen Künste. Bd. 3. Leipzig 1793. S. 13.

Zurück zum Text  975. Sulzer, Johann Georg: Vermischte philosophische Schriften. Aus den Jahr-büchern der Akademie der Wissenschaften zu Berlin gesammelt. Leipzig 1773. S. 146-165.

Zurück zum Text  976. Sulzer: Vermischte philosophische Schriften. 1773. S. 49.

Zurück zum Text  977. Sulzer: Vermischte philosophische Schriften. 1773. S. 50.

Zurück zum Text  978. Seckendorf, Gustav von: Kritik der Kunst. Göttingen 1812. S. 1.

Zurück zum Text  979. Anonymus: Die Kunstausstellung in Dresden, am 24. März 1814. (Aus Briefen.) In: Journal des Luxus und der Moden. 1814. 29. Bd. S. 369.

Zurück zum Text  980. Venturi, Lionello: Geschichte der Kunstkritik. München 1972. S. 147.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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