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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


Der Mond ist ein Motiv in einem Dialog zwischen Mariette und Dorine, die von der Bediensteten über die Symbolik des Mondes für die Liebe unterrichtet wird:

Mar. Wir warten hier in aller Stille auf den Mond.
Dor. Auf den Mond?
Mar. Ganz sicher. Ein kluger Mann hat uns gesagt,
Der Mond, welcher diese Nacht aufgeht,
Sey vielbedeutend, merkwuerdig, astronomisch
Dor. Astronomisch?
Dor. Freylich. Zum Exempel,
Wenn ein Maegdchen gerne
Von ihren Schicksal versichert seyn wollte,
So mueßte sie sich diese Nacht unter freyem
Himmel befinden,
Wenn der Mond aufginge. Ginge er
Klar, hell und rein auf, so wuerde gewiß
Das Maedchen eine gute Heyrath thun;
Ist er aber blaß und schwarz, so bedeutet es nichts Gutes. (1059)

Das Ende dieser Nacht wird durch den Gesang des Chors bei Anbruch der Morgendämmerung eingeleitet:

Andiamo a letto,
Che mi par ora,
Spunta lŽaurora,
Bella è fiorita,
E la critica note è gia finita.
(1060)
Laßt uns zu Bette gehen;
Es bricht die Morgensonne
In vollem, schoenen Glanze,
Wohltaetig schon hervor.
Und die kritische Nacht ist zu Ende.
(1061)

Im 19. Jahrhundert werden in Zeitschriften Theaterkritiken publiziert. Die Wissenschaftlich-literarische Encyklopädie der Aesthetik schreibt im Jahre 1843 über die Schwierigkeit der Kritik bei der Schauspielkunst, Schauspieler und persoenlichen Charakter zu trennen: "Diese Bemerkungen finden insbesondere auf die Schauspielkunst Anwendung, wo außerdem die Kritik mancher Schwierigkeit unterliegt, da sie es mit Spiel, Haltung und Gewohnheit auf der Buehne zu thun hat, ueberhaupt also mit der Anwesenheit der Schauspieler auf der Buehne, wodurch sie auch einen persoenlichen Charakter anzunehmen scheint, was oft zu Mißverstaendnissen geführt hat. Allein der Schauspieler kann nicht anders als seinen Leibe bilden, und das ihm dargestelle Kunstwerk kann nicht von seiner Person getrennt, und außerhalb derselben befindlich beurtheilt werden. (1062) Ästhetische Kritik wird von Hebenstreit als kritisch theoretische Prosa mit Kunstkritik gleichgesetzt. (1063) In der Enzyklopädie wird von ihm jedoch der Werthe der Kritik für die Beförderung der Kunst und Wissenschaft hervorgehoben: "Die Kritik hat entscheidend zur Beförderung der Kunst und Wissenschaft beigetragen, und ein Mißbrauch derselben, so tadelnswerth dieser seyn mag, kann ihrem eigentlichen Werthe nichts entziehen." (1064)

Im 20. Jahrhundert werden neben Zeitschriften mit Theaterkritiken auch poetische Werke mit Wertungen publiziert. Parodierende Formen der darstellenden und bildenden Künste mit Elementen der Kritik sind Kabaretts, Comik und Karikatur. Das Handbuch der Kritik des Schweizers Alfred Polgar wird im Jahre 1938 von Hermann Broch mit dem Wort Reprise rezensiert: "Theaterkritik hat mit den Stücken, die sie kritisiert, etwas gemeinsam; sie verträgt und braucht Reprisen, sie erhärtet erst in der Reprise ihren Bestand, und diese Ansicht wird auch durch das Handbuch des Kritikers, den kürzlich erschienenen fünften Band der kritischen Schriften Polgars, bestätigt." (1065)

Zurück zum Text  1059. Piccini: La notte critica. 1768. S. 39.

Zurück zum Text  1060. Piccini: La notte critica. 1768. S. 180.

Zurück zum Text  1061. Piccini: La notte critica. 1768. S. 181.

Zurück zum Text  1062. Hebenstreit, Wilhelm: Wissenschaftlich-literarische Encyklopädie der Ästhetik. Ein etymolisch-kritisches Woerterbuch der ästhetischen Kunstsprache. Wien 1843. S. 402.

Zurück zum Text  1063. Hebenstreit: Wissenschaftlich-literarische Encyklopädie. 1843. S. 396.

Zurück zum Text  1064. Hebenstreit: Wissenschaftlich-literarische Encyklopädie. 1843. S. 401.

Zurück zum Text  1065. Broch, Hermann: Kommentierte Werkausgabe. 1977. S. 269-270. Zitat S. 269.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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