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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


Berthold Brechts Schriften dokumentieren die Behandlung der Kritik durch den Dichter der Moderne, die Faktizität historisch-kritischer Methoden imitiert. Brecht läßt im zweiten Buch der Geschichte Die Geschäfte des Herrn Julius Caesar einen Barbier zur Zeit der Verschwörung des Catilina sagen: "Solange Cicero etwas in Rom zu sagen hat, [...] gibt es keine Diktatur, weder von links noch von rechts. Cicero ist die Republik. Und hinter Cicero steht die City." (1066) In seinen Briefen wendet Brecht sich an Kritiker. Brechts Brief an einen Theaterkritiker ist ein Beispiel für die Gattung Brief mit dem Kritiker als Adressaten. (1067) In dem Schreiben An einen Theaterkritiker gibt Brecht einen Hinweis zur Qualität eines Kritikers: "Seien Sie also nicht so lokalpatriotisch. Es ist angenehm, der beste Kritiker der besten Theaterzeit zu sein, aber Sie werden sich damit begnügen müssen, der beste Kritiker einer schlechten zu sein, und wenn Sie sich in diesen Gedanken eingelebt haben, halte ich es für möglich, daß die Zeit wirklich besser wird." (1068) Eine Darstellung des Aufgaben in der Gesellschaftordnung des Sozialismus ist auch in der theoretischen Abhandlung Aufgaben neuer soz. Kritik über den Irrtum der Literaten, sich "für unabhängig" zu halten, von Brecht genutzt worden. (1069) In der Schrift Fortschritte der Kritik aus den Jahren von 1914 bis zum Jahre 1933 wird von Brecht der Begriff Berufskritik genutzt: "Es sind keineswegs Leute, die unser Talent anerkennen, sondern es sind Leute, die den Anfang damit machen, sich mit der Talentfrage nicht mehr zu befassen." (1070) In dieser Zeit entstehen die Schriften An einen Theaterkritiker, Dialektische Kritik, Über Vorstellungskritik und Über neue Kritik. Die Abhandlung Der Dreigroschenprozess aus dem Jahre 1931 ist in Form eines soziologischen Experiments anläßlich der Verfilmung seines Theaterstücks Die Dreigroschenoper zum Film als Rechtsfall verfaßt worden. Brecht untergliedert diese Schrift in mehrere Abschnitte mit Thesen:

(1) Der Rechtsfall
(2) Von der Spekulation zum Experiment
(3) Kritik der Vorstellungen
(4) Über die Veranstaltung sozialistischer Experimente.
(5) Kritik der Vorstellungen
(6) Die Kunst braucht den Film nicht
(7) Der Film braucht die Kunst
(8) Man kann den Publikumsgeschmack verbessern
(9) Der Film ist eine Ware
(10) Der Film dient der Erholung
(11) Im Film muß das Menschliche eine Rolle spielen
(12) Ein Film muß das Werk eines Kollektivs sein
(13) Ein Film kann inhaltlich rückschrittlich, formal fortschrittlich sein
(14) Politische Zensur ist aus künstlerischen Gründen abzulehnen
(15) Ein Kunstwerk ist der Ausdruck einer Persönlichkeit
(16) Widersprüche des Kapitalismus sind ein alter Schnee
(17) Das Recht des Individuums muß geschützt werden
(18) Das Gericht muß die Produktion ermöglichen.

Zurück zum Text  1066. Brecht, Berthold: Werke. Große kommentierte Berliner und Frankfurter Aus-gabe. Herausgegeben von Werner Hecht, Jan Knopf, Werner Mittenzwei und Klaus-Detlef Müller. d. 17. Prosa 2. Bearbeitet von Wolfgang Jeske. Berlin, Weimar, Frankfurt am Main 1989. S. 213.

Zurück zum Text  1067. Brecht, Berthold: Schriften zum Theater 2. 1918-1933. Aus Notizbüchern. Anmerkungen zu den Stücken. Über Film. Über Kritik. Anhang: Protokolle von Gesprächen. Frankfurt am Main 1992. S. 246-248.

Zurück zum Text  1068. Brecht: Schriften zum Theater 2. 1992. S. 249-250. Zitat S. 250.

Zurück zum Text  1069. Brecht, Berthold: Werke. Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe. Herausgegeben von Werner Hecht, Jan Knopf, Werner Mittenzwei und Klaus-Detlef Müller. Bd. 21. Schriften 1. Bearbeitet von Werner Hecht unter Mitarbeit von Marianne Conrad, Sigmar Gerund und Benno Slupianek. Berlin, Weimar, Frankfurt am Main 1989. S. 334.

Zurück zum Text  1070. Brecht, Berthold: Schriften I. 1989. S. 103.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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