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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


Um das Jahr 1928 entsteht das Typoskript Über die kulinarische Kritik, in dem Brecht die Methoden der Kritiker dieser Zeit mit verdorbenen Mägen von Essern vergleicht, die sich auf das Schlürfen von Details und Benutzen einer Rezeptur beschränken: "Sie verhalten sich durchaus beschreibend. Ich zweifle nicht, das es eine Zeit gegeben hat, wo die Bühnen nach ganz bestimmten ästhetischen Grundsätzen beliefert wurden und die Stückeschreiber ihre Kraft auf die eleganteren Griffe hin konzentrieren konnten. Wie ihre Gesichter einfach in Dunkeln blieben und nur einige Eigenschaften zur Wirkung kamen. Die Kraft der Details, der Schwung der Formulierung, die Herzigkeit der Charakterisierung unterschieden die Dichter, und die Kritiker hatten Rezepte in der Brusttasche. Es war eine angenehme und langweilige Zeit." (1071) In den Jahren 1951/1952 erscheint die Schrift Konstruktive Kritik zur Musik und Kritik, in der Brecht die Lehre auf dem Weg zur Kritik als Unterschied zwischen Aesthetik und Physik bemerkt: "Es ist nämlich in der Aesthetik nicht wie in der Physik. Dort mag es angehen, den Schüler zunächst einfach mit den Newtonschen Bewegungsgesetzen bekannt zu machen und ihn "büffeln" zu lassen, bis er den "Standart" erklommen hat, von dem aus seine Kritik einsetzen kann." (1072)

Friedrich Dürrenmatt verwendet in seiner Rede Plauderei über Kritik vor der Presse den Begriff Strafpredigt für die Kritik und deren unkritisches Schreiben: "Kein Schriftsteller ist unempfindlich gegen Kritik, allein aus dem Grunde, weil es ein unkritisches Schreiben nicht gibt, weil die Frage, ob er gut schreibe oder schlecht, den Schriftsteller täglich bewegt, indem er nur schreiben kann, wenn er immer wieder die Zweifel an seinem Können zu überwinden vermag [...]. Ich glaube, es gibt vier Klassen von Theaterkritikern. Die erste kann weder schreiben noch kritisieren, die zweite kann schreiben, aber nicht kritisieren, die dritte kann nicht schreiben, aber kritisieren, die vierte endlich schreiben und kritisieren." (1073)

In der Deutschen Demokratischen Republik wird das zweibändige Werk Von der Freien Bühne zum politischen Theater mit dem Untertitel Drama und Theater im Spiegel der Kritik im Jahre 1987 in Leipzig von Hugo Fetting mit Rezensionen herausgegeben, die seit dem Jahre 1889 in Deutschland verfaßt wurden. Von Friedrich Luft erscheint die Schrift Die Stimme der Kritik für ein Gespräch mit Hans Christoph Knebusch im Jahre 1991 in der Reihe Zeugen des Jahrhunderts. Hier fordert Luft eine Trennung zwischen dem Kritiker und Schauspieler: "Ich halte es sonst für verboten, daß der Kritiker mit Schauspielern, wie der Ostpreuße sagt, "panebratsch" sein will, also intim, oder daß er mit ihnen Bier trinkt. Jedesmal, wenn ich zum Beispiel mit Martin Held ein Bier trinke, würde irgend jemand, der uns in der Kneipe gesehen hat, sagen: Kein Wunder, wenn er den lobt, hat ja mit ihm gestern Bier getrunken." (1074) An anderer Stelle erwähnt Luft mit dem Begriff Theaterkrise eine Eigenschaft dieser darstellenden Kunst: "Die Theaterkrise ist permanent, ja, und sie war in den zwanziger Jahren eigentlich noch größer; trotzdem hat das Theater damals viel Größeres geschaffen als heute. Aber, ich glaube, man darf das Theater nicht allein lassen, deshalb bin ich hin und wieder gerne und aufgeregt im Theater." (1075)

Die Handlung von Dramen nutzt Personen zum Ausdruck von Kritik. In Thomas Bernhards Komödie Immanuel Kant befindet sich der Philosoph auf hoher See auf einem Schiff in Begleitung von seiner Frau, dem Mitreisenden Ernst Ludwig, dem Papagei Friedrich, einer Millionärin, Kunstsammler und Passagieren in einem Schiff mit der Besatzung von einem Kapitän, einem Admiral, Steward, Koch, Schiffsoffizier, Matrosen, Ärzten, Pflegern und Musikern. Im Jahre 1992 veröffentlicht Peter Handke Schriften über jugoslavische Dichter und die Schrift Das plötzliche Nichtmehrwissen des Dichters im Band Langsam im Schatten, die als Gesammelte Verzettelungen der Jahre 1980 bis 1992 im Jahre 1992 publiziert werden. Handkes Stück Kaspar ist ein Beitrag des Theaters zur Kritik der Sprache im 20. Jahrhundert. Zur Dichtung Handkes zur Kritik der Sprache gehören die Schrift Der kurze Brief zum langen Abschied, Ich bin ein Bewohner des Elfenbeinturms und Eigentlich ist es herrlich, daß Gott irgendwann einmal den Menschen die Sprachen verwirrt hat, die in Salzburg im Jahre 1987 publiziert werden. In Handkes Stück Die Unvernünftigen sterben aus sagt Paula über Werbung: "In blaßen, unproduktiven Stimmungen schaue ich mir in Illustrierten Reklame an, die macht meine Stimmung so lächerlich. Also ist sie auch Lebenshilfe, im Unterschied zur bürgerlichen Geheimsprachenpoesie." (1076)

Trennung und Einheit des Menschen sind Motive von Autoren der Postmoderne. Werner Fink beschreibt in dem Vortrag Kritik der reinen Unvernunft im Jahre 1992 die Situation in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg in Form der Person eines Deutschen mit zwei Seelen in der Brust. (1077) Untersuchungen zum Theater in der Postmoderne weisen Definitionen von Kritik und Beschreibungen der Tätigkeiten von Kritikern auf. Die Schrift Theaterkritik und Information von Anton Krättli untersucht im Jahre 1992 die Aufgaben des Kritikers: "Der eine sieht es als Aufgabe an, lediglich über seine Eindrücke zu berichten und damit gleichsam zum Sprecher des Publikums zu werden. Der andere versteht sich selbst als Mitstreiter, der dem Neuen auf dem Theater zum Durchbruch verhelfen will. Der dritte wählt die geistreiche Plauderei des Feuilletons und nimmt den Theaterabend zum Anlaß, impressionistische Kabinettstücke der Kurzprosa zu schaffen. Ein vierter fühlt sich als Prüfer und Richter, ein fünfter als schneidiger Reporter." (1078)

Zurück zum Text  1071. Brecht, Berthold: Schriften I. 1989. S. 250.

Zurück zum Text  1072. Brecht, Berthold. Schriften 3. Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe. Herausgegeben von Werner Hecht, Jan Knopf, Werner Mittenzwei, Klaus-Detlef Müller. Bd. 23. Berlin und Weimar 1988. S. 139.

Kraft, Werner: Krisen Brechts im Gedicht. In: Ders.: Augenblicke der Dichtung. Kritische Betrachtungen. München 1964. S. 176-183. Vgl. auch den Begriff Mo-ralkritik im Zusammenhang mit Brecht. In: Schottlaender, Rudolf: Synopsis. Zu Grundbegriffen aus Philosophie, Politik und Literatur von der Antike bis zur Gegenwart. Würzburg 1988. S. 176-180.

Zurück zum Text  1073. Dürrenmatt, Friedrich: Dramaturgisches und Kritisches. Theater-Schriften und Reden II. Zürich 1972. S. 74-83. Zitat S. 75 und S. 76.

Zurück zum Text  1074. Luft, Friedrich: Die Stimme der Kritik. Gespräch mit Hans Christoph Knebusch in der Reihe "Zeugen des Jahrhunderts". Herausgegeben von Ingo Hermann. Göt-tingen 1991. S. 71.

Zurück zum Text  1075. Luft: Die Stimme der Kritik. 1991. S. 74.

Zurück zum Text  1076. Handke, Peter: Die unvernünftigen sterben aus. Frankfurt am Main 1973. S. 40.

Zurück zum Text  1077. Fink, Werner: Kritik der reinen Unvernunft. In: Wir sind so frei. Kabarett in Restdeutschland 1945-1970. Herausgegeben von Volker Kühn. Berlin 1992. Kleinkunststücke. Band 4. S. 98-99. Zitat S. 98.

Zurück zum Text  1078. Krättli, Anton: ZeitSchrift. Züricher Theaterbriefe. Kommentar, Kritik, Pole-mik. Frankfurt am Main 1992. S. 91.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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