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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


3.2.7 Begriffe der Kritik in Schriften zur Musik und lyrischen Formen zwischen 18. und 20. Jahrhundert

Die Anwendung von Kritik als Methode für die Bewertung von Musik in der Berichterstattung in Zeitschriften setzt im 18. Jahrhundert in der deutschen Literatur für lyrische Formen ein. Im zweiten seiner im Jahre 1774 veröffentlichten Briefe eines aufmerksamen Reisenden die Musik betreffend beschreibt Johann Friedrich Reichhardt den Verlust des Nutzen der Critik durch ihren Mißbrauch: "Freylich wenn unvorsichtige, eingebildete und nicht selten neidische Critiker die kleinen Nachlaeßigkeiten grosser Männer, mit welchen sie der Menschheit ihren Tribut bezahlen, in eben demselben Tone verschreyen, mit dem sie nur allein den Unwissenden und Unerfahrenen, der sich dennoch der Welt aufdringt, zuechtigen sollten; den muessen solche Maenner unwillig werden; und dann geht auch der ganze Nutzen der Critik verlohren; der Stuemper troestet sich mit dem aehnlichen Schicksal der wahrhaft gelehrten Mannes, und keine Critik ist alsdann im Stande, ihn zu bessern." (1079)

Die Kritischen Briefe über die Tonkunst werden in Berlin in den Jahren von 1759 bis 1764 von einem anonymen Verfasser publiziert. Eine Reihe von Schriften von Johann Mattheson erscheint im Jahre 1777 unter dem Titel Critica Musica. Das Werk definiert sein Autor als grundrichtige Untersuch- und Beurtheilung zur Behandlung vieler theils vorgefaßter theils einfaeltiger Meinungen, Argumente und Einwuerffe, die in alten und neuen gedruckten musicalischen Schrifften zu finden sind, für die Ausraeumung grober Irrthuemer, und zur Befoerderung bessern Wachsthums der reinen Harmonischen Wissenschaft. Vor dieser Schrift sind Widmungen an ihren Urheber (auctor) in dem Buch beigefügt. Ihre Verfasser verwenden die Begriffe Kritik (critica) und Gerücht (fama). Zu den Techniken dieser Kritik zählen das Rezensieren (recensere) von Schriften (scripta) mittels einer Norm (norma) für den Sinn (sensus), Methode (ratio) und Kunst (ars), das gelehrte Schreiben (docte scribere), das Urteilen (iudicare), Belehren (docere) und Gefallen (placere). Den Anrede an sein Werk Critica folgen das Lob des Begründens (condere) dieses gelehrten Buchs (docta liber) durch den Verfasser, einen Gymnasiallehrer aus Minden:

Conficit ad normam sensus, rationis & artis,
Quae Matthesonus Musica scripta facit;
Exigit ad normam, quae scripta recenset, eamdem:
Si docte scribit, iudicat atque docet.
Quumque tomum Critice primum placuisse peritis
Cum reliquis libris consons fama canat;
Alter iure suo, quem scripsit acumine eadem
Quo primum, celebrem ducet ad astra virum.

Clarissimo & Doctissimo
Criticae Musicae
Auctori
P.
Jo. Ludolph: Bünemann.
Reg. Biblioth. & Gymn. Mind. Rector
Non, ejus generis Critice quae, prodiit ulla,
Accurata simul facta gravi:
Condidit hanc Matthesonius qui Musicus arte,
Semper erunt studiis dedita corda suis.
Bavaricum Lyncem lustrans errare sub umbris,
Emulgit lumen sidereoque micat:
Hoc tomus Auctoris primus commonstrat amanti,
Non carpit Canones idque coronat opus.
Jam praecedentem sequitur scriptus Tomus alter,
Quaesitaque mora prodit opus citius;
O Lector! cupide tu nunc impende laborem,
Nam docta scriptus dexteritate liber.

Corn. Ant. Heinertus
Gymn. Mind. Cantor

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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