fachpublikation.de

Hauptseite fachpublikation.de

Verzeichnis aller Publikationen

Verzeichnis aller Autoren

Schlagwortverzeichnis

Dokumente kostenlos publizieren
 

Impressum fachpublikation.de

 

 

Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


Die Fabel wird für die Verkörperung von Eigenschaften als Gattung zur Beschreibung von Eigenschaften der Kritik genutzt. Motive der Kritik in einer Tierfabel enthält der von Clemens Brentano veröffentlichte Wettstreit eines Kukuks mit der Nachtigall, den bereits Erasmus für seine Allegorie des Fehlurteils nutzte. Ein Beispiel für das Lied zur Überlieferung von Personen der Mythologie, das Gegenstand der Kritik ist, das Lied der Nibelungen. Das Motiv des Ringes ist in der Sage der Nibelungen, für deren erste Ausgabe Breitinger sorgte, zu finden. Eine Ankündigung zur Vorlesung Die Erklärung des Gedichtes der Nibelungen von Wilhelm Grimm wird im Jahre 1831 bekannt gegeben. Karl Lachmanns Abhandlung Kritik der Sage von den Nibelungen wurde im Jahre 1832 publiziert. Das Werk Die Nibelungen wird von Friedrich Hebbel zusammen mit einer Elegie auf das Nibelungenlied veröffentlicht. Am 13. November des Jahres 1861 beschreibt Hebbel John Marshall in Weimar die Arbeit nach dem Verfassen des Werkes: "Ich war vier Wochen abwesend, sah in Holstein meinen Bruder, verkaufte in Hamburg meine Nibelungen, brachte sie in Berlin und Dresden aufs Theater, fand in Wien eine neue Wohnung vor, die nicht bloß schöner und größer ist [...]." (1084) Im Jahre 1862 erscheint in den Blättern für literarische Unterhaltung eine Rezension zu Hebbels Trauerspiel Die Nibelungen von August Henneberger, in der die Wirkung der Strafrede Siegfrieds auf das Herz des Hörers durch das Wissen um Verrath gesteigert wird: "Wie zart, wie ergreifend in seiner edeln Einfachheit ist dagegen das Bild, welches der Dichter von dem ersten Zusammentreffen Siegfried´s mit Kriemhild entwirft. Wie trifft die Strafrede, mit welcher Siegfried den vermeinten Treubruch und Verrath der Dänen und Sachsen brandmarkt, das Herz des Hörers, der da weiß, daß nicht in Dänemark, und Sachsen, daß in Burgund selbst, in der Königsburg von Worms der Verrath gesponnen wird." (1085) Richard Wagners Sämtliche Werke mit einem kritischen Bericht zur Götterdämmerung werden in Mainz im Jahre 1982 publiziert.

Zu den Formen der Lyrik, die im 19. Jahrhundert als Gegenstand der Kritik auftreten, gehören bei den Lieder die Balladen. Die Ballade wird als Gegenstand der Kritik erst im Jahre 1864 in der Schrift Deutschland"s Balladen- und Romanzen-Dichter von Ignaz Hub entdeckt. Mit einer Auswahl des Schönsten und Eigenthümlichsten aus dem Schatze der lyrischen Epik erschließt Hub neben Biographien und Charakteristiken der Dichter in den Jahren 1864 bis 1870 unter Berücksichtigung der namhaften kritischen Stimmen Quellen dieser Gattung aus Epochen, die mit den Bezeichnungen ältere Zeit, neuere Zeit und Gegenwart unterschieden werden. Eine historische Studie über ihre Vertreter erscheint im Jahre 1968 unter dem Titel Die deutsche Ballade von Bürger bis Brecht als Kritik und Versuch einer Neuorientierung.

Im 20. Jahrhundert werden Briefe zur Musikkritik über Leiden und Heil des Menschen verfaßt. Im Jahre 1905 erscheint ein Dritter Brief von der Allegorie in Rudolf Kassners Sechs Briefen des Joachim Fortunatus an irgend einen Musiker mit einem Vorspiel, das den Titel Joachim Fortunatus´ Gewohnheiten und Redensarten trägt. Kassner leitet mit einer Anrufung an den Freund eine Beschreibung der Allegorie von Krankheit und Leiden für das Räsonnieren und Denken ein: "Es gibt Denker, die nur darum räsonnieren, weil sie leiden, nein, weil sie krank sind. Eine christliche Form des Stoikers! Auch sie denken nur allegorisch. Es ist so wichtig zu erkennen, ob du leidest oder ob du nur krank seiest. Nur für Sentimentale ist es dasselbe. Viele sagen: wir leiden, und man kann durch ihr Leiden ihre Krankheit fühlen wie durch ein Kleid den nackten Leib. Das Leiden ist nur eine Allegorie ihrer Krankheit. Kranke räsonnieren; Leidende denken." (1086) In Briefen thematisieren Musiker die Freuden und Leiden als Ausdrücke von Affekten. Zu Beginn des Jahres 1909 beschreibt Gustav Mahler in New York Bruno Walter eine Krise mit den Metaphern Licht und Bewegung mit dem Vergleich seines Zustandes mit einem neuen Körper: "Von mir ist zuviel zu schreiben, als daß ich auch nur versuchen könnte, anzufangen. Ich durchlebe jetzt so unendlich viel (seit anderthalb Jahren), kann kaum darüber sprechen. Wie soll ich die Darstellung einer solchen ungeheuren Krise versuchen? Ich sehe alles in einem so neuen Lichte- bin so in Bewegung; ich würde mich manchmal nicht wundern, wenn ich plötzlich einen neuen Körper an mir bemerken würde." (1087) Am 28. Februar des Jahres 1906 schreibt Mahler an Wilhelm Gericke als ein Musiker wie Sie über sein freudiges Gefühl: "Verehrter Herr Kapellmeister! Herzlichsten Dank für alles Liebe, was Ihnen mein Werk zu danken hatte. Über die Kritiken bin ich ganz "paff". Nicht, als ob dieß ein Erhebliches zu meinem freudigen Gefühl beitragen könnte; denn der Umstand, daß ein Musiker wie sie Interesse für mein Werk gewonnen und es mit soviel Liebe in die Öffentlichkeit brachte, wiegt für mich mehr als die lauteste Zustimmung." (1088)

Zurück zum Text  1084. Hebbel, Friedrich: Ursprünglich in Zeitungen und Periodika veröffentlichte Schriftstücke (nebst einigen bisher unbekannten). Gesammelt und erläutert von Ulrich Henry Gerlach. Heidelberg 1975. S. 198-199. Zitat S. 199.

Zurück zum Text  1085. In: Blätter für literarsche Unterhaltung. Leipzig. 1862. Nr. 23. 5. Juni. S. 412-413. Zitiert nach: Literaturkritik. Eine Textdokumentation zur Geschichte einer literarischen Gattung. Herausgegen von Alfred Estermann. Band 4. 1848-1870. Bearbeitet von Peter Uwe Hohendahl. Lichtenstein 1984. S. 449-453. Zitat S. 452.

Zurück zum Text  1086. Kassner, Rudolf: Dritter Brief von der Allegorie. In: Derselbe: Die Moral der Musik. Sechs Briefe des Joachim Fortunatus an irgend einen Musiker, nebst einem Vorspiel: Joachim Fortunatus´ Gewohnheiten und Redensarten. München 1905. S. 42-78. Zitat S. 70.

Zurück zum Text  1087. Mahler, Gustav: Briefe. Herausgegeben von Mathias Hansen. Leipzig 1985. S. 394-395. Zitat S. 394.

Zurück zum Text  1088. Mahler: Briefe. 1985. S. 334. Zitat S. 334.

 

Seite zurück  Eingangsseite  Inhaltsverzeichnis  Seite vor  Graphiksonderzeichen-Version


Home | WorldWideBooks | imMEDIAtely


Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
Bei Fragen und Anregungen zu dieser Website wenden Sie sich bitte an: webmaster@fachpublikation.de