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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


3.2.8 Der Begriff Kritik in journalistischen Schriften des 18. Jahrhunderts

Kritik ist als ein Begriff in der Literatur, die durch ihre Veröffentlichung nach dem Ideal einer Republik strebt, im Zeitalter des Barock vorhanden. Der Ausdruck Kritik ist als ein Begriff für ein Fach der Wissenschaften bereits vor der Aufklärung zu finden. Als Disziplin wurde die Kritik im 18. Jahrhundert wie andere Fächer in Bibliotheken behandelt. Der Ausdruck Critik wird als ein Begriff einer Gattung in Titeln als Bezeichnung für eine selbständige Schrift genutzt. Eine Unpartheyische Critik über die neuesten juristischen Schriften von August Friedrich Schott wird im Jahre 1768 gedruckt. Im zeitgenössischen Journalismus etablieren sich in den letzten Jahrzehnten des Jahrhunderts der Aufklärung die Bezeichnungen Kritik und Critik für die Berichterstattung zur Kultur In Europa in den Journalen Deutschlands. Ihre Verbreitung setzt in den Schriften von Kulturjournalen und Kunstzeitschriften wie dem Teutschen Merkur ein.

In der Neuzeit ist ein Ort Europas für die Anwendung von Kritik in der Lehre Amsterdam, wo auch die Reihe Histoire critique de la republique des lettres tant ancienne que moderne vom Jahre 1712 bis zum Jahre 1718 als Druck herausgegeben wurde. Eine Art kritische Bibliothek entsteht in den Niederlanden im 18. Jahrhundert in Amsterdam zunächst mit dem Titel Collectanea critica von Hendrik Friesemann im Jahre 1788. Dort befindet sich auch eine Bibliotheca critica von holländischen Gelehrten, die seit dem Jahre 1777 gedruckt wird. Die Essais de critique sur la Litterature ancienne et moderne von Jean Marie Bernard Clement werden auch dort veröffentlicht. Dieser Anstieg von Drucken gilt für gelehrte Literatur und Literatur zur Unterhaltung. Im Jahre 1795 erscheint in Deutschland die Schrift Ist der Buechernachdruck widerrechtlich oder nicht? von dem Jenaer Professor der Philosophie Johann Christoph Hoffbauer. Bei der Frage nach einem Gesetz zum Schutz von Büchern kommt Hoffbauer zu dem Schluß: "Aber was koennen Verleger und andere, welche solche Gesetze wuenschen, hiebey gewinnen? Wenn positive Gesetze schweigen, so kann der Richter nur nach dem Naturrechte sprechen; und wenn er anders als der Gesetzgeber urtheilt, der den Buechernachdruck nicht fuer widerrechtlich haelt, so kann er nicht gegen den Nachdrucker entscheiden." (1101)

Gattungen von Werken wie die Kritischen Verzeichnisse, das Kritische Repertorium, die Kritische Bibliographie, das Kritisches Lexikon (lexicon criticum), die Kritische Bibliothek, Artikel mit der Bezeichnung Kritik in Journalen und seit dem späten 18. Jahrhundert im Feuilleton und die kritischen Nachrichten von Zeitschriften werden in diesem Jahrhundert in Journalen in ganz Europa verbreitet. Materie (materia) ist ein Teil der Disziplin Kritik von Schriften wie Nicolaus Hieronymus Gundlings Abhandlung Materia continuata oder allerhand, zur Jurisprudentz, Philosophie, Historie, Critic, Litteratur, und übriger Gelehrsamkeit gehörige Sachen, die im Jahre 1731 gedruckt wird. Johann Friedrich Brauns Nützliche Anmerckungen über allerhand Materien aus der Theologie, Kirchen- und Gelehrten-Historie, wie auch aus der Critic und Literatur werden im Jahre 1734 gedruckt. In dem Werk Lampas, sive Fax artium liberalium mit der erklärenden Beischrift hoc est, Thesaurus criticus werden von Janus Gruterus nach unbeendeten Stellen in Dokumenten von Theologen, Anwälten, Medizinern, Philosophen, Rednern, Historikern, Dichtern und Grammatikern (infinitis locis theologorum, iurisconsultorum, medicorum, philosophorum, oratorum, historicorum, poetarum, grammaticorum scripta) in einem Band (tomus) durch die Vorgänge des Vervollständigens (supplere), Korrigierens (corrigere), Veranschaulichens (illustrare) und Anmerkens (notare) vom Autor bearbeitet.

Die Gattung Katalog repräsentiert im Jahre 1794 der Catalogus historico-criticus librorum rariorum von Johann Vogt. Im Jahre 1795 ist die Kritik in Johann Arnold Eberts Werk Verzeichniß der Büchersammlung des Hrn. Johann Arnold Ebert aus verschiedenen Wissenschaften, besonders der Theologie, Philosophie, schönen Literatur und Kritik, in alten und neuen Sprachen repräsentiert. In einem Bücherkatalog (Catalogus librorum) von Daniel Ernst Jablonski werden die alten und profanen Schreiber (scriptores veteres, profani) der Griechen (Graeci) und Römer (Romani) nach Vertretern der Gruppen Antiquare (antiquarii), Kritiker (critici) und Schriftsteller (litteratores) in einem Abschnitt (sectio) zusammengefaßt. (1102) Das Repertorium (repertorium) ist durch einen Kritischen Wegweiser zu Ulysse Chevaliers Repertorium Hymnologicum repräsentiert, das als ein Katalog (Catalogue) von Gesängen (chants), Hymnen (hymnes), Prosa (proses), Sequenzen (séquences) und Tropen (tropes) zur Benutzung in der lateinischen Kirche (en usage dans lŽeglise latine) von Clemens Blume in Leipzig im Jahre 1901 herausgegeben wurde. Das Repertorium enthält ein Alphabetisches Register falscher, mangelhafter oder irreleitender Hymnenanfänge und Nachweise mit Erörterung über Plan und Methode des Repertoriums.

In Bibliotheken von Privatgelehrten wird die Kritik als selbständige Disziplin in ihren Katalogen geführt. Ein Beispiel einer französischen Universalbibliothek mit Arten (sortes) von Fakultäten (facultez) und Sprachen (langues) ist die Bibliotheca universalis eines unbekannten Besitzers, die im Jahre 1772 innerhalb der Wissenschaften auch das Gebiet der Kritiker (Critici) berücksichtigt:

Libri Theologici
Libri Juridici
Libri Philosophici, Medici & Historiae Naturalis
Libri Mathematici
Libri Architecturae
Libri Picturae
Libri Sculpturae
Libri Numismatici
Libri Antiquarii
Inscriptiones
Libri Geographici
Libri Chronologici
Epistolographi & Oratores
Poetae veteres et recentiores
Libri Historia Universalis
Libri Historia Graeca
Libri Historia Romana
Rerum Italicarum scriptores
Rerum Galliarum scriptores
Rerum Hispanicarum scriptores
Rerum Germanicarum scriptores
Rerum Anglicarum scriptores
Rerum Belgicarum scriptores
Rerum Asiaticarum, Africanarum et Americanarum scriptores
Genealogici, Heraldici, operum collectiones, vitae, elogiae, historiae fabulosae. & c.
Critici, Lexicographi et bibliothecarii
(1103)

Zurück zum Text  1101. Hoffbauer, Johann Christoph: Untersuchungen ueber die wichtigsten Gegen-staende des Naturrechts. Nebst einer Censur der verdienstlichen Bemuehungen um diese Wissenschaft. Halle 1795. S. 330-348. Zitat S. 348.

Zurück zum Text  1102. Anonymus: Catalogus librorum, viri summe reverendi D. Dan. Ernesti Jablon-ski quodam regis Borussorum a concionibus aulae sacris, sanctioris Dicasterii re-rumque ecclesisticorum consilarii, societatis regiae scientarum praesidis, senioris fratrum unitatis per majorem Poloniam et Prussiam cet. publicae auctionis lege in Aedibus P. Def. distrahendorum ejus initium erit d. 12. Febr. 1742. Berlin 1742. S. 176-190.

Zurück zum Text  1103. Siehe Gliederung von: Daalen, Nicolas van: Bibliotheca universales (sic) vetus et nova ou catalogue dŽune magnifique collection de livres, choisis, curiex et rares, en toutes sortes de Facultez & Langues, tant Anciens que Modernes. Paris 1772. Inhaltsverzeichnis. O. S.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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