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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


4 Abschließende Betrachtungen

4.1 Die historischen Funktionen der Sprache der Kritik

Kritik war in den Staatsorganisationen in der Antike der res publica als Sache verpflichtet. Ihre Vertreter verstehen sich seit dieser Epoche als Anwender einer Methode oder Kunst öffentlicher Auseinandersetzung im Schreiben oder Reden über andere Aufzeichnungen. Disziplinen der Wissenschaften und Künste von der Antike und Neuzeit -insbesondere seit dem 18. Jahrhundert- bis zum 20. Jahrhundert nennen ihre Methoden, Geschichte und literarischen Elemente. Mit diesen Überlieferungen von ihren Bestandteilen ist Kritik auch zu einer Einheit in Form einer eigenständigen wissenschaftlichen Lehre oder Kunst geworden. Zu ihren historischen Funktionen bei der Anwendung als eine Disziplin zählen die verschiedenen Verfahren und Begriffe im Umgang mit Literatur. Die Fachdisziplinen, deren Material mit Methoden der Kritik behandelt wird, grenzen sich durch ihre Darstellungen und Methoden ihrer Arbeit von den Methode der ihnen immanenten Kritik ab.

Trotz ihrer historischen Änderungen unterworfenen Sprache lassen sich für die Kritik typische Elemente ihrer Lehre wie Methoden und Terminologie in Quellen ihrer Überlieferung aufzeigen. In dem Bereich ihrer Überlieferung als Lehre geben Vergleiche der hinzugezogenen Methoden Auskunft über Verfahren der Kritik in der wissenschaftlichen Arbeit. Die Fachdisziplinen der akademischen Lehre nutzen die Übernahme von Verfahren der Kritik oder ihre Bestandteile wie literarische Gattungen oder Begriffe. Von den Autoren wird so auch immer wieder auf den Nutzen von literarischem Quellenstudium von Disziplinen wie Literaturgeschichte, Ästhetik und wissenschaftlichen Disziplinen, die sich mit kulturellen Themen in der Literatur beschäftigen, und Methoden der Kritik hingewiesen. Überlieferung ist - sei es in Form der propagierten Idee von der Mimesis, der Nachahmung von Künsten, sei es in Form der wissenschaftlichen Methoden der Erhaltung von Literatur, in deren Dienste sich die Kritik stellt oder auch im Interesse der Vermittlung allgemeiner Informationen an den Laien im Journalismus- ein Ziel dieses Verfahrens.

Die Disziplinen der Wissenschaft tragen zu einer Geschichte der Kritik bei, die in politischen Ordnungen republikanischer Staaten und der Idee der res publica litteraria vertreten ist. Kritik erstreckt sich jedoch auch auf andere politische Organisationen. Gleichwohl ist sie ein Teil der Gesellschaft, der - unter den Bedingungen der Überprüfung auch in der Variante als Zensur - unterschiedliche Funktionen der Bewertung von Literatur hat. Aus dem antiken Ägypten sind Staatsschriften erhalten, in denen der Schreiber seine Schrift mit dem Hinweis der korrekten Abschrift beschließt und so mit seinem Beitrag ein Verfahren der Nachahmung garantiert, das die Überlieferung eines Werkes sichert. Dieser Gedanke der Nachahmung von Künsten (mimesis), der zu den Bedingungen und Zielen der Anwendung von Kritik gehört, läßt sich auch bei den späteren Vertretern der Kritik - hier freilich in Form einer speziellen Methode der Nachahmung und Ergänzung - von der Antike bis zum 20. Jahrhundert verfolgen.

Für Schriftgelehrte und zu einem Teil auch der Schrift und Sprache Unkundige, litterati und illitterati, erschließt sich der in ihren visuellen, mündlichen und durch Schriften überlieferte Gehalt von Medien mittels der Untersuchung ihrer Ideen durch die Kritik. Die visuellen Medien sind neben der Schrift beispielsweise für die Veranschaulichung und Sicherung des Staatsaufbau einer Gesellschaft von Gelehrten und Künstlern genutzt worden. Motive ihrer Quellen für die Kritik sind ein Gegenstand der im Fächerkanon der zeitgenössischen Wissenschaften nachweisbaren Lehren über Methoden. Diese Motive zählen auch zu ihrer Theorie, die fachsprachliche Ausdrücke ihrer Terminologie und Methoden von ihren Begriffen umfaßt und von der Antike bis zur Gegenwart kontinuierlich sowohl die Fachsprachen als auch die allgemeine Sprache ergänzte.

Durch die Fachgebiete der Anwendung - Kritik ist in unterschiedlichen Bereichen der Kultur als Medium der Vermittlung von Wissen vertreten - ist ihre Sprache historischen Veränderungen unterworfen. Durch die veränderte Terminologie werden jedoch allgemeine Aspekte der Sprache, die in Quellen zu ihrer Theorie und Praxis dokumentiert ist, zu unterschiedlichen Zeiten sichtbar. Die Quellen für die Überlieferung ihrer historischen Begriffe und Methoden sind im Wortschatz ihrer Anwender in Dokumenten mit Hinweisen auf ihre historischen Autoritäten seit der Antike zu finden. In Europa tragen die in Landessprache verfaßten Schriften, die zunehmend das Latein ersetzen, nicht geringfügig als Medien zur Erörterung von Fragen zur Beschaffenheit von Sprache und Literatur, zur Verbreitung einer nationalen Kritikersprache im zeitgenössischen Schrifttum und anderen Medien und letztlich auch zur sprachgeschichtlichen Untersuchungen von Sprache und Literatur in Teilen der Welt außerhalb Europas bei. Damit war eine Dokumentation und Bewertung von zeitgenössischen Quellen möglich, die von verschiedenen Kulturinstitutionen und Gelehrten als wichtigster und vornehmster Teil der Kritik, wenn nicht sogar des Schriftstudiums überhaupt, angesehen wurde. Von den Autoren dieser Schriften wird auch gesellschaftliches Handeln und die Stellung von den Kritikern innerhalb der Gesellschaft von Gelehrten beschrieben, die mit Bezeichnungen wie ahl al-kitab im Orient und literati oder hommes des lettres als Teil der Bevölkerung in Europa erfaßt wurden.

Die Kritiker wenden für die Kritik an ihrer res publica litteraria und für die Gestaltung als Stoff der freien Künste in der Tradition der artes liberales, der schönen Küsten und der Ästhetik Bild und Schrift als Medien an. Die an der öffentlichen Bewertung beteiligten Vertreter der Kritik pflegten in historischen Schriften und in der Gegenwartsliteratur Begriffe und Verfahren mit ihrer Terminologie zu beschreiben. Diese historischen Begriffe ergänzen sich bis in das 20. Jahrhundert mit den Fachbegriffen zur Konstitution von Theorien, Gattungen und publizistischen Medien anderer Bereiche, die als Bestandteile wissenschaftlicher Sprache zur Dokumentation von Wissen dienen. Neben Begriffen und Worten in Schriften der Fachdisziplinen gehören auch Ideale und Utopien zu den Motiven der Literatur bei der Darstellung von Kritik, die Autoren in ihren Werken für Beschreibungen einer Gesellschaft verwenden.

Bewertung und Beurteilung von Schriften wurde von den Kritikern als Ausdruck ihrer Möglichkeiten und Fähigkeiten betrachtet, die eng mit den Tugenden dieses Berufsstandes verbunden sind. Daher auch die mit den Sachfragen einhergehende Darstellung von Literatur durch Kritiker, die als Teil der Theorie ihre eigene Funktion erörtern. Die Frage nach der auctoritas, der Urheberschaft, und die sich daraus ergebende Verantwortung für die korrekte Überlieferung von seinem Dokument behandeln die Kritiker nicht nur für die Verfasserschaft eines historischen Werkes, sondern in Hinblick auf ihre eigenen Bearbeitungen eines Werkes auch zur Rechtfertigung ihrer eigenen Arbeit. Der Nutzen von Begriffen und ihren Definitionen für die Bewertung von Literatur und ihrer Sprache liegt in der Verallgemeinerung der Beschreibung von Ergebnissen eines Kritikers, der - von der evidentia, der Augenscheinlichkeit, bis hin zum theoretischen Konstrukt für einen Sachverhalt- eine reichhaltige Methodik dieser Disziplin nutzen kann.

Kritiker haben seit der Antike Anteil an der Erhaltung von Bildungsgut. Die Entstehung, Überlieferung und der Schutz von Büchern ist eng mit Verfahren dieses Berufs gebunden. Kritik wird von Philologen als Methode einer Zusammenführung der Überlieferung für die Ausgabe von Quellen genutzt. Die handwerkliche Kritik als Methode zur Erhaltung und Erforschung von Literatur und Sprache und die intellektuelle Kritik an Disziplinen und Künsten werden in der historischen Überlieferung von Schriften ihrer kanonischen Kritiker unterschieden. Neben den Themen des Schrifttums dieser Autoren wird im Gespräch auch eine Streitkultur in unterschiedlichen Bereichen mündlicher Rede und in schriftlicher Aufzeichnung durch Kritik gepflegt, die jedoch auch als Umkehrung öffentlichen Dialoges die Verfahren der Zensur im Falle des Mißbrauch als zweiten Januskopf in der Geschichte dieser Disziplin hervorbringt.

In den artes liberales, in denen die Kritik freilich auch nach der Antike nur als eine ergänzende Methode der kanonischen Fächer aufgenommen war, ist insbesondere das trivium von Grammatik, Rhetorik und Dialektik ein Ort für Untersuchungen, die bei sprachlichen Aufzeichnungen und mündlicher Rede als Gegenstand von Kritik innerhalb der Wissenschaft einsetzen. Die Künste des quadriviums und die Naturwissenschaften belegen durch eine Bindung an die Schrift und Sprache auch ihre Eignung für die Anwendung von Kritik. Formen ihrer Medien - geschriebenes Wort, Rede, visuelle und informelle Medien - werden bei der Ausübung, Vermittlung und Anwendung von Kritik genutzt. Ihre historischen sprachlichen Ausdrücke und Begriffe werden für Theorien der Beurteilung in der Wissenschaft und Lehre eingesetzt.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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