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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


4.2 Die Verfahren zur Darstellung und Überlieferung von Kritik

In dieser Arbeit wurden die Verfahren und Methoden von Kritik in drei Hauptteilen in Abschnitten mit historischen Beispielen von Vertretern der Kritik und ihren Quellen dargestellt. Der erste Teil, der sich mit den Quellen von literarischer Kritik in der Antike und ihren Begriffen in einem Fächerkanon, der von dem Begriff artes liberales erfaßt wird, beschäftigte, zeigte, daß mit der Berufung auf historische Autoritäten hier die Überlieferung von Methoden gewährleistet wurde. Definitionen von Kritik, ihrer Methoden und Autoren in der Antike sind in der späteren Überlieferung dabei nicht nur zur Dokumentation für den Aufbau der Künste und Wissenschaften der Neuzeit gewählt worden. Mit den Verweisen auf Verfahren und Autoritäten sicherten die zeitgenössischen Vertreter der Kritik ihre eigenen Verfahren ab. Mittels der Überlieferung ihrer historischen Begriffen aus Quellen in verschiedenen Epochen, in denen einige prominente Vertreter die Funktionen von Kritik innerhalb der Künste und Wissenschaften ihre Geschichte ausübten und garantierten, lassen sich auch mit den Schriften dieser Autoren die literarischen Gattungen der Kritik seit der Antike als Teile der überlieferten Terminologie zusammenstellen. So ermöglichte, ja erforderte, die Rezeption von Schriften von Autoren in der Antike ganz erheblich die Etablierung von Kritik in der Neuzeit.

Die Gliederung von Geschichte in zeitliche Epochen, die durch die Aufteilung in Abschnitte oder andere Medien von Kritikern gestaltet wurde, ermöglichte ihnen als Systematik eine Methode zur Darstellung von Aufgaben und Formen von Kritik. Mit diesem Verfahren war die Möglichkeit gegeben, Kritik neben Konzeptionen wie den Disziplinen der artes liberales in der Antike und der Literaturgeschichte zu etablieren. Vor dem Hintergrund dieser interdisziplinären Methodik wurde es möglich, daß die Überlieferung dieser Lehre sich durch die Schriften der Kirchenväter, Quellen von Gelehrten in der Renaissance und im Barockzeitalter, aber auch von Vertretern der Literaturkritik in der Aufklärung und den außerliterarischen Medien von Kritik in der Moderne bis zur Gegenwart und sogar in privaten Schriften mit ihren literarischen Elementen wie Motiven, Themen, und Formen dokumentieren läßt. Elemente der Kritik sind auch sprachliche und bildliche Ausdrücke, die aus Begriffen und Bildern eine Terminologie bilden, die für ihre Autoren zur Beurteilung dient.

Die Rückbesinnung auf eine Tradition ihrer Disziplin wurde von Kritikern zumeist individuell in der eigenen Forschungsarbeit durch den Vermerk der Autoritäten, die zur Überlieferung eines Werkes beitrugen, vorgenommen. Jedoch gab es insbesondere mit dem Aufkommen der gelehrten Journale in der Aufklärung Ansätze, diese Überlieferung des Fachwissens systematisch - wenn auch auf einen Fachbereich begrenzt - zu erschließen. Die Quellenschriften der Kritik sind in der Aufklärung als Teile der Fachliteratur historisch nach Themen einer Kunst und Disziplin angeordnet worden. Mit diesem Verfahren der Dokumentation, das die Nähe von Aufgaben des Kritikers zu anderen Gelehrten im Bibliothekswesen zeigt, wurde die historische Konzeption von Quellen der Kritik, beispielsweise zur Sprache und Literatur, seit der Antike bis zur Gegenwart im 18. Jahrhundert, dem Zeitalter der Kritik, ersichtlich. Die nach den Themen der Quellen vorgenommene Einordnung und Klassifizierung des Materials, das Wissenschaftlern zur Verfügung stand, erfolgte hinsichtlich der Methoden und Eigenschaften von entsprechenden Künsten und Wissenschaften mit einem Titel und einer Bezeichnung, in der ein Begriff der Kritik vertreten war, der so durch den Titel bereits über die Art der Behandlung des Themas Aufschluß gab. Durch die Nutzung von Zitaten von Stellen aus den Quellen wurde zum einen die historische Schreibweise von Begriffen dokumentiert. Historische Begriffe konnten der zeitgenössischen Schreibweise und Definitionen aus den Bereichen der Philologien und außerhalb der philologischen Bereiche bei der Erforschung von Sprache so gegenübergestellt werden.

Die Bereiche der angewandten Kritik erstrecken sich in den Epochen der Neuzeit auf die Philologien, die mit Begriffsbezeichnungen in den traditionellen Fächern Rhetorik, Poetik, Dialektik, Grammatik, Linguistik und anderen Wissenschaften mit schriftlichen Aufzeichnungen von Sprache dokumentiert ist. Diese Terminologie wird ergänzt von Begriffen aus Quellen von geisteswissenschaftlichen Disziplinen wie Hermeneutik, Philosophie und Ästhetik und Begriffen aus den Gebieten der schönen, bildenden und darstellenden Künste. Ihre Schriften mit den in der Sprache des 20. Jahrhunderts belegten Ausdrücken und Begriffen sind Beispiele für Definitionen von Kritik und der Terminologie von historischen Begriffen. Auch die literarischen Gattungen sind für die Anwendung von Kritik in der Literatur und ihren Bezeichnungen relevante Kategorien.

Um als Kritiker dem Anspruch nach allgemeiner Verbindlichkeit des Urteils nachzukommen, erarbeiten die Autoren Funktionen und Möglichkeiten von Kritik durch Vergleiche von ihren Vertretern. In diesen Quellen zur Geschichte der Kritik dokumentieren ihre Verfasser die Autorität von kanonischen Kritikern in Epochen seit der Antike in der Gelehrtenrepublik. Diese historischen Quellen der Wissenschaft und Kunst bieten auch für die Bearbeitung von Literatur und den formal festgelegten literarischen Gattungen und Medien der Kritik aufschlußreiche Dokumente. So wurde für die Anwendung von Kritik eine Behandlung ihrer Gegenstände in Form von Begriffen ihrer Terminologie, literarischen Gattungen, Formen, Themen und Motiven genutzt. Quellen für diese historischen Begriffe der Kritik sind in literarischen Gattungen aus den Bereichen der schönen Literatur, Wissenschaften, Kunst und Medien zu finden. Auch Definitionen in literarisch erhaltener Kritik für ein Werk sind ein Bestandteil der Terminologie in Wissenschaften und Künsten. Dabei ist auffällig, das Kritik in Form von privaten Schreiben von Gelehrten ebenso wie in den Abhandlungen, die für wissenschaftliche Zwecke herausgegeben wurden, zu finden ist. Werke der Kritik sind auch als Ergänzungen zu anderen Schriften herausgegeben worden. Daneben finden sich die als Primarquellen zu klassifizierenden Werke zur Geschichte und Theorie der Kritik.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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