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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Briefe über Kunst als Form der Kommunikation. Das Medium Zeitung wird in dieser Abhandlung am Beispiel von Vertretern in Deutschland als Quelle der Berichterstattung aus Frankreich vor den Hintergrund der zeitgenössischen Theorien zur Kunst von Autoren in beiden Ländern in der Epoche der Aufklaerung betrachtet. (1) Die Themen und Inhalte der deutschen kunstkritischen Publikationen sind als Literatur im Zeitungswesen dieser Zeit durch französische Einflüsse aus der Kunsttheorie, Ästhetik und Kritik im 18. Jahrhundert nach Deutschland gelangt. (2) In vielem hatte Frankreich für die Vertreter publizistischer Medien bereits im 18. Jahrhundert die Voraussetzungen erfuellt, die den deutschen Journalisten als Quelle zur Erschließung von Kunstwerken dienlich, wenn nicht sogar notwendig waren. In Frankreich ist das Ausstellungswesen als Institution öffentlicher Ereignisse weitaus früher als in Deutschland ausgeprägt. Der Diskurs über den Wert von Kunst wird außerhalb der Akademien früher in die Öffentlichkeit von Autoren getragen. Im Zeitalter der Frühaufklärung bis zum Ende des 18. Jahrhundert hat sich Kunstkritik, die bis dahin ohne Bezug zum zeitgenössischen Kunstgeschehen Bestandteil der Künstler-Biographie oder theoretischer Abhandlungen war, zur eigenständigen Form der Bewertung von Kunst in deutschen Zeitschriften entwickelt. (3) Bei den Berichten über deutsche und französische Ausstellungen in Deutschland handelt es sich um Korrespondenz von Autoren, die sich vor Ort bei den Ereignissen aufhielten. Insbesondere im absolutistischen Frankreich, in dem die Ausbildung von Akademien eher als in anderen europäischen Staaten zu einer Literatur führt, die sich auf das zeitgenössische Kunstwerk bezieht, ist die Funktion von Kunstberichterstattung als Gegenstand der bewertenden Rezeption als Vorbild für Journalisten in anderen europäischen Staaten offensichtlich. Die Tradition französischer Kunstberichterstattung führt zurück zur Gründung der Pariser Akademie der schönen Künste im Jahre 1648 unter Louis XIV, deren Konferenzen von den Mitgliedern in schriftlicher Form festhalten werden. Seit dem 17. Jahrhundert ist es üblich, daß Mitglieder der Akademie die Gespräche der Konferenzen schriftlich festhalten. Im 18. Jahrhundert übernehmen externe Beobachter der Akademie diese Funktion in Frankreich und Deutschland. (4) La Font de Saint Yenne verfaßt im 18. Jahrhundert die erste dem Gattungsbegriff entsprechende Kunstkritik zur Malerei als Repräsentation des Publikumsurteils, indem er das ihm einleuchtendste Urteil des Publikums in seiner Kritik vermittelt. (5) Die kunsttheoretischen Abhandlungen in Frankreich befaßt sich neben den Richtlinien zur Bewertung des Kunstwerkes auch mit den Grundlagen für diese Bewertung. Kunsttheoretische Abhandlungen, die ausgehend von der Gestaltung des Kunstwerkes normative Richtlinien zur Bewertung des Kunstwerkes entwickeln, sind übliche Anweisungen für die Bewertung. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts setzt sich André Félibiens Werk L" Idee du peintre parfait. Pour servir de régle aux jugement que l"on doit porter sur les ouvrages des peintres in einem an diese ästhetische Lehre angeschlossenen Traktat mit den Möglichkeiten solch einer Beurteilung von Gemälden auseinander. Félibiens Werk ist eine der Schriften, in denen Kunsttheorie, Grundlagen der Kunstkritik und Aspekte der Denkmalpflege miteinander verbunden werden. In Félibiens Abhandlung werden auch die kunsttheoretischen Fragestellungen zu praktischen Anweisungen für den Umgang mit Kunstwerken erörtert. Neben einem umfangreichen ersten Abschnitt des Werkes, in dem die essentiellen Bestandteile des Gemäldes erläutert wurden, werden in einem weiteren Teil die Regeln zur Bewertung von Kunstwerken als sortes de connaisance sur le fait des tableaux angeführt. Félibiens Anhang umfaßt für die Bewertung eine Untersuchung der Frage, ob ein Gemälde gute oder schlechte Eigenschaften hat, die kunsthistorische Untersuchung, in der festzustellen ist, wer das Kunstwerk geschaffen hat, und die Untersuchung, ob es sich um Original oder Fälschung handelt. (6) Auch in der Kunsttheorie wird auf der Grundlage von Kategorien das Wesen des Kunstwerkes bestimmt. Von Félibien wird die essence de la peinture in Bezug auf die drei Teile la composition, le dessein, & le coloris, qui font l"essence de la peinture aufgezeigt. (7) Félibien verbindet in seinem Werk L" Idee du peintre parfait so praktische Anleitungen zur Ausbildung von Malern und Regelsystem mit der Bewertung von Kunstwerken: "Si l"on compare l"Art du Peintre, qui a été formé sur la Nature en général, avec une production particiliére de cette même Nature, il sera vray de dire que l"Art est au dessus de la Nature: mais si on le compare avec la Nature en elle même, qui est son modéle, cette proposition se trouvera fausse." (8) Ein Ansatz zur Bewertung von Kunstwerken liegt im Vergleich von Stilen von Künstlern. Die von Félibien erwähnten Künstler der Hochrenaissance dienen der exemplarischen Veranschaulichung von Stilidealen. Püschel, Ulrich: Journalistische Textsorten im 19. Jahrhundert. In: Das 19. Jahrhundert.
Sprachgeschichtliche Wurzeln des heutigen Deutsch. Hrsg. von Rainer Wimmer. Berlin u.a. 1991.
S. 428- 447. Wurst, Karin A.: The self-fashioning of the bourgeoisie in late-eighteenth-century German culture.
Bertuch"s "Journal des Luxus und der Moden". In: The Germanic review - Washington (1997). N.3.
S. 170-182. |
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