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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Briefe über Kunst als Form der Kommunikation.


In den akademischen Kunstzeitschriften Deutschlands wie der Reisend - und correspondierende Pallas oder Kunst-Zeitung, die von der Akademie der Freien Künste in Augsburg seit dem 1756 veröffentlicht wurde, wird auf kunsttheorietische und kritische Diskurse verzichtet. Im Jahre 1781 wird in den Kunstnachrichten des Journal zur Kunstgeschichte und allgemeinen Litteratur (1775-1789) die Einrichtung einer ersten chronologischen K.K. Gemälde-Galerie deutscher Kunst in Wien erwähnt. (19) Die Kunstnachrichten dieses Journals beschränken sich auf neue Werke und deren Preise. Die Wende vom beschreibenden Austellungsbericht zum bewertenden rezeptivem Kommentar wird in den letzten zwei Jahrzehnten des 18. Jahrhundert in der deutschsprachigen Presse deutlich. (20) In der Schrift Erinnerung über die Betrachtung der Werke der Kunst schreibt Winckelmann, daß er diese Abhandlung als Antwort auf die fasttägliche Erfahrung, wie sonderlich junge Reisende von blinden Fehlern geleitet werden, wenn sie Kunstgalerien besuchen, verfaßte. (21) Gegen Ende der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ändert sich die Form der Kunstkritik von der Auflistung zur dokumentierenden Auslandsberichterstattung. Die Bezeichnungen der Artikel lauten nun Nachrichten, Kunstnachrichten von..., F(reymüthige) Gedanken über ... oder Briefe aus. Der Begriff Kritik wird erstmals 1791 in Bezug auf einen Bericht über die Kunstausstellung des Jahres 1790 in Wien verwendet. (22) Im Vergleich zu ein konventionellen Ausstellungsberichten ist die Gliederung der Freymüthigen Kritik, in einen theoretischen Teil, in dem der Adressat über die Urteilsfindung Rechenschaft ablegt, und einen Ausstellungsbericht gegliedert. Im praktischen Teil ihres Ausstellungsberichts werden die Gemälde nach Künstlern und Kunstgattungen gegliedert besprochen. Die Berichterstattung über die Kunstausstellungen ist eingebunden in die allgemeine Berichterstattung aus Paris. Im Jahre 1758 wird in der Bibliothek der schönen Wissenschaften und freyen Künste der Artikel Verzeichnis der Werke der Malerey, Bildhauerey, Kupferstecherkunst u.a.g. welche im Jahre 1757 von der Königlichen Maler-Akademie zu Paris, gewöhnlicher Weise öffentliche ausgestellet worden sind veröffentlicht. (23) Die Bemerkungen des anonymen Verfassers des Artikels zu Gemälden und Kupferstichen beziehen sich auf Sachinformationen und eine stilistische Bewertung des Gemäldes, deren Schwerpunkt die handwerkliche Ausführung des Werkes darstellt: "Zween andere von eben denselben nach Herrn B. Rode gestochene Bildnisse, unter dem Titel, der Muselmann die Ammenianerin, sind in Folioformat heraus gekommen. Sie verdienen alles Lob. Das letztere ist zwar hin und wieder etwas hart; aber wir bemerken darinn eine Analyse zur Festigkeit des Stichels, die, wenn sie mit mehrerer Delicatesse, und wo es die Haltung erfordert, mit der gehörigen Stärke verbunden wird, eine glückliche Wirkung hervorzubringen geschickt ist." (24) Von Elie Catherine Fréron erscheint eine Nachricht, die auf das gleiche Ereignis Bezug nimmt. (25)

Als 1759 in Frankreich die ersten Kritiken Denis Diderots zu den Salons, den öffentlichen Ausstellungen der Academie des Beaux-Arts, entstehen und in Form eines Briefes, der gewissermaßen die frühste Form publizistischer Kunstkritik darstellt, veröffentlicht werden, ist dies ein Wendepunkt von der kunsttheoretischen Anschauung hin zur aktuellen und direkten Auseinandersetzung mit dem Werk. Diderot markiert den Wendepunkt zum unabhängigen Status des Kunstkritikers: Als Literat ist er nicht wie bildende Künstler und Theoretiker künstlerischer Lehren der königlichen Akademie verpflichtet. (26) Denis Diderots, Marie-Jean Hérault des Sechelles und Honoré-Gabriel Mirabeaus Betrachtungen über Mahlerei, Bildhauerei und Kupferstiche, die anläßlich der Pariser Kunstausstellung im Louvre 1965 verfaßt werden, erscheinen im Jahre 1765 in deutscher Übersetzung. In diesen Betrachtungen wird die Überführbarkeit von Malerei in Dichtung, der Gedanke ut pictura poesis, beim Gemälde Das um seinen Vogel weinende Kind des Malers Greuze angeführt: "Welch reizende Elegie! Welch niedliches Gedicht! Welch schöne Idylle würde Geßner nicht hieraus nehmen!" (27) Diderots Bemerkungen zu den Gemälden der Pariser Salons umfassen Anmerkungen, die den eigenen Stil des Künstlers bewerten, statt sich auf historische Vorbilder zu beziehen. Begriffe wie Natur, Wahrheit, Feuer, Genie, Geist, Einfachheit, Weisheit bilden die Termini der Bewertung. Auf der Grundlage der Kategorien couleur und composition bezeichnet er den dargestellten Christus in Bachaliers Wiederauferstehung als tout disloque und kommt zu dem Schluß: "Tous ces chercheurs de méthodes nouvelles nónt point de génie." (28) Dabei wendet er Kategorien der Technik, die bislang Werken historischer Künstlern vorbehalten waren, als individuelle ästhetische Kategorien zeitgenössischer Künstler an: "Ce Chardin est homme d"esprit; il entend la théorie de son art; il peint d"une manière qui lui est propre, et ses tableaux seront une fair recherchés." (29) Expressive Ausdrücke und ironische Wendungen dienen Diderot zur Charakteristik der Bilder: "Quelles coulours! Quelles varieté. Quelles richesse d" objets et d"idées! Cet homme [Boucher] a tout, excepté la verité." (30) Das Bildnis der Frau des Malers Greuze als römische Vestalin kommentiert er mit den Worten: "Cela, une vestale! Greuze, mon cher, vous vous monquez de nous." (31) In diesen Beschreibungen nutzt Diderot auch die verabsolutierten Bewertung von Kunstwerk und Künstler: "Il (Halle; d.V.) ne connait pas la nature; il n" a rien dans la tête, et c"est un maivais peintre." (32) Viens Bilder haben "de la verité, de la simplicité, uns grande sagesse dans ses compositions." (33)

Zurück zum Text  19. In: Journal zur Kunstgeschichte und allgemeinen Litteratur. 1781; Nr. 10. S. 75f.

Zurück zum Text  20. Lehmanns bibliographische Erschließung von Zeitschriften des frühen Kulturjournalismus legt eine Tendenz nahe, daß die Veröffentlichungen, die seit 1750 von Kunstgesellschaften und Akademien herausgegeben werden, um die Jahrhundertwende Literaturzeitschriften ablösen werden. Vgl.: Lehmann, Ernst Herbert: Die Anfänge der Kunstzeitschrift in Deutschland. Leipzig 1932. S. 159ff.

Zurück zum Text  21. Winckelmann, Johann Joachim: Erinnerung über die Betrachtung der Werke der Kunst. In: Bibliothek der schönen Wissenschaften und freyen Künste.1759. 5. Bd. 1. St. S. 10. Hier zit. n.: Johann Joachim Winckelmann. Kunstheoretische Schriften. Baden-Baden 1971. S. 13.

Zurück zum Text  22. Anoymus: Freymüthige Kritik über die in der Akademie zu Wien ausgestellten Kunstwerke 1790. In: Olla Potrida. 1791. 2. St. S. 42-60.

Zurück zum Text  23. In: Bibliothek der schönen Wissenschaften und freyen Künste. 1758. 3. Bd. 1. St. S. 168-172. Vgl. zu den Kunstkritiken französischer Ausstellungen in der Bibliothek KK der schönen Wissenschaften und freyen Künste: Lehmann: Anfänge. S. 69.

Zurück zum Text  24. Bibliothek der schönen Wissenschaften und freyen Künste. 1759. Bd. 4. S. 820.

Zurück zum Text  25. Fréron, E[lie] C[atherine]: Nachricht von der Ausstellung der Malereyen, Bildhauerarbeiten und Kupferstiche. In: Bibliothek der schönen Wissenschaften und freyen Künste. 1760. 6. Bd. 1. St. S. 131-142.
Vgl. für den Einfluß Winckelmanns in Bezug auf das Konzept der Nachahmung der Natur, Salomon Gessners und Lessings für das Prinzip "ut pictura poesis": Biard-Millérioux, Jaqueline: L"esthetique d"Elie Catherine Fréron. Littérature et critique au XVIII siècle. Paris 1985. S. 520 und S. 530.

Zurück zum Text  26. Vgl.: Bauer, Hermann: Kunsthistorik. München 1985. S. 34.

Zurück zum Text  27. Diderot, D[enis]; Hérault des Sechelles, M[arie]-J[ean]; Mirabeau, H[onoré]-G[abriel] Comte de: Betrachtungen über Malerei, Bildhauerei und Kupferstiche. Bei Gelegenheit einer Bildergalerie, welche im Jahre 1765 im Louvre ausgestellt wurde. In: Deutsche Monatsschrift; 1796. 2. Bd. S. 94.

Zurück zum Text  28. Diderot, Denis: Salons. Herausgegeben von Jean Seznac und Jean Adhémar. Oxford 1975. S. 67.

Zurück zum Text  29. Diderot: Salons. S. 66.

Zurück zum Text  30. Diderot: Salons. S. 112.

Zurück zum Text  31. Diderot: Salons. S. 126.

Zurück zum Text  32. Diderot: Salons. S. 116.

Zurück zum Text  33. Diderot: Salons. S. 116.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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