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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Briefe über Kunst als Form der Kommunikation.


Diderots Kritiken sind vorbildlich für Goethe und seine Zeitgenossen. Die Stellung Diderots für die Verbreitung von Kunsttheorie und Kritikertum wird von Johann Wolfgang Goethe im Vorwort der Übersetzung des Versuchs über die Malerei hervorgehoben. Goethe distanziert sich von den Auswirkungen des Massenphänomens Kunst: "(...) ich habe es nicht mehr mit dem abgeschiedenen Diderot zu tun, nicht mit seiner im gewissen Sinne schon veralteten Schrift, sondern mit denen zu tun, die jene Revolution der Künste, welche er [Diderot] hauptsächlich mit bewirken half, an ihrem wahren Fortgang hindern, indem sie sich auf der breiten Fläche des Dilettantismus und der Pfuscherei, zwischen Kunst und Natur einschleifen (...)." (34) Die Empfehlung der Nachahmung des Kunstwerkes und der Natur spiegelt sich in einem aus dem Französischen übersetzten, in der Bibliothek der schönen Wissenschaften und freyen Künste veröffentlichten Artikel über das Kunsturteil wieder: "Da dieses Urtheil auf die Vergleichung des Gegenstandes mit seiner Nachahmung gegründet ist, so scheint es, man sey darinnen einig, daß man die Nachahmung, als das Original, kennen müsse, um richtig den Grad der Wahrheit in der Nachahmung vergleichen zu können (...)." (35) Den Möglichkeiten eines Kunstwerks, als Nachahmung und Idee konzipiert zu werden, ordnet der Verfasser des Artikels das Gedächtnis als Ort zurück, in dem "der Zeichner, ob er gleich die Natur gegenwärtig hat", die Gegenstände findet: "Nach dieser deutlichen Idee von der Natur, welche die Übung in das Gedächtnis gegraben hat, wird ein Künstler sie nicht nur vorzustellen wissen, sondern auch sicher urtheilen, ob sie auch die andern richtig vorgestellet, und deutlich zeigen können, wo sie geirret haben." (36)

Das Feuilleton ist im 18. Jahrhundert in Frankreich ein Ort der Kritik. (37) Seit die Kunstkritik im Jahre 1799 Bestandteil des von Julien-Louis Geoffroy herausgegebenen ersten, unregelmäßig erscheinenden Feuilletons in Frankreich geworden ist, wird das Feuilleton im 19. Jahrhundert ausgehend von Frankreich zum angestammten Ort publizistischer Kunstkritik und kunstkritischer Debatten zur Ästhetik zeitgenössischer Kunst, die aber hinter Literatur- und Theaterkritik einen geringeren Stellenwert in den publizistischen Medien einnimmt. (38) In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entwickelt sich die Kunstkritik in Deutschlands Zeitschriften von der Auflistung von ausgestellten Werken zur dokumentierenden Auslandsberichterstattung über Ereignisse, die in Briefen von Journalen veröffentlicht werden. Ein Beispiel für diese Entwicklung ist die Bibliothek der schönen Wissenschaften und freyen Künste. Im Jahre 1758 wird in der Bibliothek der schönen Wissenschaften und freyen Künste der Artikel Verzeichnis der Werke der Malerey, Bildhauerey, Kupferstecherkunst u.a.g. welche im Jahre 1757 von der Königlichen Maler-Akademie zu Paris, gewöhnlicher Weise öffentliche ausgestellet worden sind veröffentlicht. (39) Die Bemerkungen des anonymen Verfassers des Artikels zu Gemälden und Kupferstichen beziehen sich auf Sachinformationen und eine stilistische Bewertung des Gemäldes, deren Schwerpunkt die handwerkliche Ausführung des Werkes darstellt: "Zween andere von eben denselben nach Herrn B. Rode gestochene Bildnisse, unter dem Titel, der Muselmann die Ammenianerin, sind in Folioformat heraus gekommen. Sie verdienen alles Lob. Das letztere ist zwar hin und wieder etwas hart; aber wir bemerken darinn eine Analyse zur Festigkeit des Stichels, die, wenn sie mit mehrerer Delicatesse, und wo es die Haltung erfordert, mit der gehörigen Stärke verbunden wird, eine glückliche Wirkung hervorzubringen geschickt ist." (40)

Zurück zum Text  34. Goethe, Johann Wolfgang: Diderots Versuch über die Malerei. Übersetzt und mit Anmerkungen begleitet. In: Goethes sämtliche Schriften. Gedenkausgabe der Werke, Briefe und Gespräche. Hrsg. v. Ernst Beutler. Bd. 13. Schriften zur Kunst. Zürich 1954. S. 203.

Zurück zum Text  35. Anonymus: Von der Kenntnis derjenigen Künste, die sich auf die Zeichnung gründen und insbesondere von der Mahlerey. Aus dem Französischen. In: Bibliothek der schönen Wissenschaften und freyen Künste. 1761. 7. Bd. 1. St. S. 11.

Zurück zum Text  36. Anonymus: Von der Kenntnis derjenigen Künste, die sich auf die Zeichnung gründen und insbesondere von Der Mahlerey. Aus dem Französischen. In: Bibliothek der schönen Wissenschaften und freyen Künste. 1761. 7. Bd. 1. St. S. 16.

Zurück zum Text  37. Vgl. zum Zusammentreffen von Entfaltung der Massenpresse und gleichzeitigem Niedergang rhetorischer Traditionen im 19. Jahrhundert: Todorow, Almut: "Feuilleton". In: Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Bd. 3. Stuttgart 1996. S. 259-266.

Zurück zum Text  38. Vgl.: Jakoby, Ruth: Das Feuilleton des Journal des Debats 1814-1830. Tübingen 1988. S. 63f.

Zurück zum Text  39. Bibliothek der schönen Wissenschaften und freyen Künste. 1758. 3. Bd. 1. St. S. 168-172.

Zurück zum Text  40. Bibliothek der schönen Wissenschaften und freyen Künste. 1759. Bd 4. S. 820.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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