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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Die Charakteristik.


Literatur, die als rhetorische Funktion das Überzeugen ihres Lesers wahrnimmt, repräsentieren die Vertreter von Schriften mit der Bezeichnung Charakteristik, die zur Beschreibung mit den Medien Schrift und Sprache in Deutschland in verschiedenen Wissenschaften genutzt werden. Diese Bezeichnungen sind Elemente innerhalb eines realisierten Textes in einer Sprache, beispielsweise sind sie als Bezeichnungen in Überschriften nachzuweisen. Auch bei der Anwendung des Begriffes Charakteristik als eine textimmanente Bezeichnung für die Gestaltungsform von Sprache in der Literatur lassen sich Funktionen des Textes und die entsprechenden Formen von Medien darstellen. Bereits die Funktion des Ausdrucks Charakter als Bezeichnung für ein Schriftzeichen, das zur Dokumentation von sprachlichen Aufzeichnungen in Form von Reden dient, veranschaulicht uns die Überlieferung der Bibel exemplarisch. In der hebräischen Version der Bibel werden hebräische Charaktere in alphabetischer Reihenfolge für die Untergliederung von Reden, beispielsweise den Sprüchen Salomons, genutzt.

Die Beredsamkeit ist eine Kunst, in der auch die von der Charakteristik abgeleitete Form als stilistische Figur der elocutio, der sprachlichen Gestaltung einer Rede, genutzt wird. Rede kann in mündlicher und schriftlicher Medien vorliegen. An drei Formen - dem ästhetisch visuell wahrgenommenen Bild und der Schrift mit ihrer akustisch wahrgenommenen Vorlage, dem Sprache, - lassen sich die Eigenschaften von Charakteristiken in der Kommunikation aufzeigen. Die moderne Rhetorik bestimmt den Begriff als ein Ausdrucksmittel und Wortform, der wir eine Wortbedeutung zuweisen können, und weist ihm eine Redegattung (genus elocutionis) zu. Ferner gibt es die Formen des Rede (characteres elocutionis) und die Figur des Charakterismus. (1) Wir erhalten so folgende Kategorien für die Funktionen von den vom Charakter abgeleiteten Begriffen in der literarischen Terminologie der Rhetoriklehre, die als Elemente ihrer Charakteristik nützlich sind:

     1.    Begriff als Wort in der Rede    Charakter
     2.    Ausdrucksmittel der Rede    χαρακτηρ
     3.    Wortform (mit ihrer Bedeutung) der Rede    χαρακτηρ
     4.    Gattung der Rede    χαρακτηρ
     5.    Aussprache der Rede    characteres elocutionis
     6.    Figur der Rede    charakterismus

Charakter und Varianten sind als Ausdrücke der Mündlichkeit in der Rhetoriklehre vertreten. Als terminus technicus der Philologie ist der Ausdruck Character in der Philologie, und hier insbesondere in der Rhetorik, zu finden. Der Begriff characterismos wird nach Isidor als rhetorische Figur für die Hervorhebung der formalen Merkmale den Begriffen descriptio, informatio und depictio zugeordnet. Der Begriff wird in der neulateinischen Sprache mit dem Wort characterismus wiedergegeben. (2) In der Redekunst ist sie ein Teil der Handlung des Redners (actio) und der sprachlichen Gestaltung (elocutio) der Rede. Quintilian erwähnt "in rebus spiritus et in verbis sublimitas" als Qualitäten des Theophrast. (3) Der Verfasser der Rhetorica ad Herennium ordnet den der Charakteristik ähnlichen Begriff notatio der Ausschmückung (exornatio) einer Rede zu: "Notatio est, cum alicuius natura certis describitur signis, quae, sicuti notae quaedam, naturae sunt adtributa; ut si velis non divitem, sed ostentatorem pecuniosi describere." (4) Der Charakter des Schreibenden wird als Begriff für die Dreistillehre der Rede bereits bei Demetrios in der Schrift Über den Stil erwähnt. (5) Feofan Prokopovic spricht vom Stil (stylus) und Charakter (charakter) beim Verfassen von Briefen (in conscribendis epistolis) zu Beginn des 18. Jahrhunderts. (6) Theophrastus" Characters sind die erste Schrift, die den Begriff Charakter auf den Menschen bezieht. Giordano Bruno schreibt in De Magia: " adduntur verba, cantus, rationes numerorum et temporum, imagines, figurae, sigilla, characteres seu litterae; et haec etiam est magia media inter naturalem ..." (7) Bruno schreibt in De Magia "oratione vel scriptura experiretur. Tales erant litterae commodius definitae apud Aegyptios, quae hieroglyphicae appellantur seu sacri characteres, penes quos ..." (8) Bruno schreibt in De Magia Mathematica: Angelorum nominibus characteres et sigillos addere solent, quae sunt litterae quaedam et scripturae ignoratae, sacrae Diis, quas hieroglyphicas appellant (...). (9) Bruno schreibt in dem Werk Ars Memoriae über die Characteres: " ... memorandorum producit imagines. Est etiam scriptura intrinseca, cum rationum, & verborum ordinat, atque tribuit signa, notas & characteres." (10)

Zurück zum Text  1. Lausberg, Heinrich. Handbuch der literarischen Rhetorik. Eine Grundlegung der Literaturwissenschaft. München 1973. S. 881 u. S. 661.

Zurück zum Text  2. Vgl. auch: Helfer, Christian: Lexicon auxilaire. Ein deutsch-lateinisches Wörterbuch. Saarbrücken 1982. S. 60.

Zurück zum Text  3. Quintilian, Marcus Fabius: Institutio Oratoria. Hrsg. und übersetzt von Helmut Rahn. Bd. 2. Darmstadt 1972. 10, 1, 27.

Zurück zum Text  4. Rhetorica ad Herennium. Lateinisch-deutsch. Herausgegeben und übersetzt von Theodor Nüßlein. Zürich 1994. Liber IV. S. 302.

Zurück zum Text  5. Vgl. Cicero, Marcus Tullius: Partitiones oratoriae. Lateinisch und deutsch. Hrsg., übersetzt und erläutert von Karl und Gertrud Bayer. München 1994. S. 144.

Zurück zum Text  6. Prokopovic, Feofan: De arte rhetorica libri X Kijoviae 1706. Mit einer einleitenden Untersuchung und Kommentar herausgegeben nach zwei Handschriften von aus dem Beständen der Kiever Zentralen Akademie-Bibliothek von Renate Lachmann. Köln und Wien 1982. S. 364.

Zurück zum Text  7. www.avesta.org/bruno/magia.htm.

Zurück zum Text  8. www.avesta.org/bruno/magia.htm.

Zurück zum Text  9. www.avesta.org/bruno/magiamat.htm.

Zurück zum Text  10. www.avesta.org/bruno/arsmemor.htm.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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