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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Die Charakteristik.


Opitz verwendet in seinem Buch von der deutschen Poeterey den Ausdruck Charakter. Opitz zeigt für die Poetische Rede den vnterschiedenen Character oder merckzeichen der worte auf: "Dieses sey nun von der allgemeinen zuegehör der Poetischen rede: weil aber die dinge von denen wir schreiben vnterschieden sind / als gehöret sich auch zue einem jeglichen ein eigener vnnd von den andern vnterschiedener Character oder merckzeichen der worte. Denn wie ein anderer habit einem könige / ein anderer einer priuatperson gebühret / vnd ein Kriegesman so / ein Bawer anders / ein Kauffmann wieder anders hergehen soll: so muß man auch nicht von allen dingen auff einerley weise reden; sondern zue niedrigen sachen schlechte / zue hohen ansehliche, zue mittelmässigen auch mässige vnd weder zue grosse noch zue gemeine worte brauchen [...]." Wie die Lehre von den drei Stilen und drei genera der Rhetorik wird bei Opitz nun in verschiedene Charaktere der Dichtung unterschieden: "Wie Theocritus sonsten inn dem paß wol jederman vberlegen / so weiß ich doch nicht wie sein Aites mir sonderlich behaget: inmassen ich denn auch halte / das Heinsius gleichfals grossen gefallen daran treget / der dieses Idyllion Lateinisch vnnd Hollendisch gegeben. Weil ich jhm aber im deutschen nachgefolget / vnd den niedrigen Character / von dem wir jetzo reden / nicht besser vorzuestellen weiß / wil ich meine übersetzung hierneben fügen."

Die Schrift wird als Ausdruck für die Charakteristik des Menschen betrachtet. Der Ausdruck Charakteristik tritt im 18. Jahrhundert in Deutschland auf. (11) Der Charakter dient als semiotisches Zeichen, denn er ermöglicht die Festlegung von Begriffen in der Schriftlichkeit. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes character als das Werkzeug zum Einbrennen und Einschneiden verweist auf die bezeichnende Funktion. Weitere Bedeutungen sind das eingebrannte, eingestochene Zeichen-Mal, die charakteristischen Züge, Charaktere und Zauberinschrift. (12) Im frühen 20. Jahrhundert sind drei Bedeutungsbereiche, eingeritztes oder eingeprägtes Schriftzeichen, Stand, Rang und Titel, und eigentümliche Art vertreten. (13) Auf den Anspruch auf eine beurteilende semiotischen Funktion bei Personenbeschreibungen verweist das Feld von Bedeutungen der Begriffe Charakter und Charakterisierung in der Neuzeit. Der vom antiken griechischen Wort zumeist für die Bezeichnung von Personen dienende Begriff wird in der französischen Sprache als caractère neben seinen auf gestalterische Qualitäten verweisenden Synonymen nature, naturel, tempérament und grade für die Eigenschaften von Personen verwendet. Die Gebrüder Grimm unterscheiden bei dem Begriff Character in vier Bereiche seiner Bedeutung: "1. character, typus, 2. unterscheidendes merkmal, kennzeichen, grundzug sowie 3. indoles, gemütsart, 4. amt, rang, titel." (14) Im Jahre 1661 veröffentlichte George Dalgarns das Werk Ars signorum, vulgo character universalis et lingua philosophica in London, das die Kunst der Zeichen als universeller Charakter character universalis und philosophische Sprache lingua philosophica bezeichnet. Christian Wolff definiert die ars characteristica als "ea, quae explicat signorum in rebus aut eorundem perceptionibus denotandis usum." (15) Gottfried Wilhelm Leibnitz, der in der Abhandlung Characteristica universalis den Ansatz zu einer Logik von Zeichen legte, stellte im Jahre 1677 fest, daß man bislang die Sprache (lingua), die er als Characteristica bezeichnet, nicht mit der Kunst der Erfindung und Beurteilung (ars inveniendi et judicandi) verband: "Nemo tamen ingressus est linguam sive Characteristica, in qua simul ars inveniendi et judicandi contineretur [...]." (16) Johann Christoph Gottsched vermerkt bei der Schreibart zum Charakter: "Wird in der Schreibart, von den verschiedenen Gattungen gebraucht. Man saget Character magnificus, die praechtige, mediocris, die mittlere, tenuis, die niedrige, aequalis, die gleiche, frigidus, die kalte, aridus, die trockne, fluctuans, die ungleiche, humilis, die niedertraechtige Schreibart." (17) Im 18. Jahrhundert wird auf die Verbindung zwischen dem Charakter und der Stillehre bei Johann Christoph Adelung hingewiesen. Adelung ordnet in seiner Schrift Ueber den deutschen Styl die Charaktere zur Kennzeichnung von Menschen diese als Personen dem historischen Style zu. (18) Karl Faulmann nenn im zweiten Teil seiner Illustrierten Geschichte der Schrift über die Mimak-Indianer, daß "die Medicinmänner grosse Manuscripte besitzen in diesen Charakteren, welche sie über kranke Personen lesen." (19) In den Forschung der Postmoderne wurde von der Wissenschaft mit dem Begriff Intertextualität die Erscheinung "verschlungener Schriftzeichen" zusammengefaßt. (20) Seit dem Jahre 1973 werden typographische Schriftzeichen durch das Wiener Abkommen geschützt. Im Jahre 1981 wurde in Deutschland ein Schriftzeichengesetz zum Schutz von Typen erlassen. (21) Diese konkreten Formen von Zeichen sind wie Begriffe für das Abstraktum Charakter zur umfassenden Beschreibung eingesetzt worden. So spricht Richard Baum im Jahre 1988 von einer Charakteristik von Kultursprachen und Sprachcharakteristik. (22)

Zurück zum Text  11. Kluge, Friedrich: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 19. Auflage. Bearbeitet von Walther Mitzka. Berlin 1963. S. 116.

Zurück zum Text  12. Georges, Karl Ernst: Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch. Erster Band. Hannover und Leipzig 1913. Sp. 1109.

Zurück zum Text  13. Paul, Hermann: Deutsches Wörterbuch. 5., völlig neubearbeitete und erweiterte Auflage von Werner Betz. 2. Druck. Halle 1935. S. 98.

Zurück zum Text  14. Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Bd. 2. Leipzig 1860. S. 611.

Zurück zum Text  15. Wolff, Christian: Psychologia empirica. Edidit et curavit Joannes Ecole. Hildesheim 1968. S. 208.

Zurück zum Text  16. Leibnitz, Gottfried Wilhelm: Philosophische Schriften. Bd. 4. Schriften zur Logik und zur philosophischen Grundlegung von Mathematik und Naturwissenschaft. Frankfurt am Main 1992. S. 42.
Vgl. auch Dutz, Klaus D.: Leibniz" Auffassung der Characteristica universalis und ihr Verhältnis zu der der natürlichen Sprachen. Münster 1978.

Zurück zum Text  17. Gottsched, Johann Christoph: Handlexicon oder Kurzgefaßtes Woerterbuch der schoenen Wissenschaften und freyen Kuenste. Zum Gebrauch der Liebhaber derselben herausgegeben, von Johann Christoph Gottscheden. Leipzig 1760. Sp. 370.

Zurück zum Text  18. Adelung, Johann Christoph: Ueber den deutschen Styl. Zweiter Theil. Berlin, 1785. S. 108.

Zurück zum Text  19. Faulmann, Karl: Illustrierte Geschichte der Schrift. Populär-wissenschaftliche Darstellung der Entstehung der Schrift, der Sprache und der Zahlen sowie der Schriftsysteme aller Völker der Erde. Wien und Leipzig O. J. Reprint 1989. S. 200.

Zurück zum Text  20. Wir folgen hier dem Titel des Buches von Ingeborg Hoesterey. Hoesterey, Ingeborg: Verschlungene Schriftzeichen. Intertextualität von Literaatur und Kunst in der Moderne/Postmoderne. Frankfurt am Main 1988.
Mehl, James V.: Characterizations of the "obscure men" of Cologne. A study in pre-Reformation collective authorship. 1995. In: The rhetorics of life-writing in early modern Europe. Forms of biography from Cassandra Fedele to Louis XIV. Ed by Thomas F. Mayer and D.R. Woolf. University of Michigan Press (Ann Arbor, Mich.) 1995. S. 163-185.

Zurück zum Text  21. Kelbel, Günther: Der Schütz typographischer Schriftzeichen. Erläuterungen zum Wiener Abkommen vom 12. Juni 1973 über den Schutz typographischer Schriftzeichen und ihre internationale Hinterlegung und zum Schriftzeichengesetz vom 6. Juli 1981. Köln, Berlin, Bonn und München 1984. S. 216-220.
Auf einen Ansatz, Terminologie mit dem ´Conzept´ und seinen ´Characteristics´ in Verbindung zu bringen, sei hier hingewiesen. Laurén, Christer; Myking, Johan; Picht, Heribert: Terminologie unter der Lupe. Vienna 1998. S. 52.

Zurück zum Text  22. Baum, Richard: Hochsprache. Literatursprache. Schriftsprache. Materialien zur Charakteristik von Kultursprachen. Darmstadt 1988. S. 22.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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