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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Die Charakteristik.


Die geschriebene Sprache behandelt den Charakter als Teil der Personifizierung eines Motivs für den Dichters. Christoph Martin Wieland läßt im Sendschreiben an einen jungen Dichter im 11. Absatz über den Charakter des Dichters seinen Leser wissen: Sei"n Sie ruhig, mein Freund! Ich erkenne und ehre den unauslöschlichen Charakter, wodurch die Natur Sie zum Priester der Musen geweiht hat: und da es, nach dem göttlichen Plato, bloß darauf ankommt, daß die Musenwut1), um die schönsten Wirkungen zu tun, eine zarte und ungefärbte Seele2) ergreife; so müßte ich mich sehr an Ihnen irren, oder Sie werden der Theorie unsers Philosophen Ehre machen. (23) Über den Charakter (Karakter) schreibt Wieland nun im Vorwort zu der Veröffentlichung der Übersetzung des Werkes des Diogenes:"Wenn ich ein Liebhaber von Dissertazionen über Dinge, die man nicht wissen kann, wäre, sollt" es mir eben nicht schwer fallen, mir selbst eine Menge Einwürfe gegen diese Hypothese zu machen. Der beträchtlichste würde indessen doch immer derjenige seyn, der von dem Karakter, welchen Diogenes in diesen Dialogen und übrigen Aufsätzen behauptet, hergenommen werden kann. Es ist nehmlich der gewöhnlich Begriff, den man sich, den Nachrichten des Diogenes Laertius und dem Athenäus zu Folge, von unserm Diogenes von Sinope zu machen pflegt, von demjenigen, den wir aus diesem Werke von ihm bekommen, nicht weniger verschieden, als die Komödie von dem Possenspiel [...]." (24) Wieland bemerkt in Die Abentheuer des Don Sylvio (VI. Buch, 3. Cap.), daß es wahr ist, daß die Natur in dieser Geschichte vom Anfang bis zum Ende auf den Kopf gestellt ist und die Characters so ungereimt wie die Begebenheiten unglaublich sind. Leonard Meister verfaßt eine im Jahre 1785 publizierte Charakteristik deutscher Dichter. Wieland nutzt in seinem Aristipp (2. Buch; XIV) die Schreibungen Karakteristik der Athener, Nahme und filosofisch. Adolph (Adam) Karl August (von) Eschenmeyer greift diese Schreibung wieder auf in dem Tietle seines Werkes Karakteristik des Unglaubens, Halbglaubens und Vollglaubens. In Beziehung auf die neuern Geschichten besessener Personen, die im Jahre 1838 veröffentlicht wird.

In Johann Heinrich Mercks Anmerkungen zur zeitgenössischen Form Charakteristik wird diese Art der Darstellung von Personen als Elend für die Literar-Geschichte bezeichnet: "Die Charakteristik wiegt jeden eminenten Menschen bis auf ein Loth ab, zeigt die Revolutionen, die er bewürket hat, und bewürken hätte können, entdeckt die ewige Kette zwischen Ursach und Würkung, und richtet in der Literar-Geschichte mit ihrer pragmatischen Behandlung dasselbe Elend an, worunter die politische seufzt." (25) Unter den Vertretern dieser als Charakteristik bezeichneten Literatur sind in der Mitte des 18. Jahrhunderts Beschreibungen von Personentypen wie Christian Ernst Simonettis Schrift Der Charakter eines Geschichtsschreibers entworfen in dem Leben und aus den Schriften des Abts Claudius Fleury aus dem Jahre 1746, Charakteristiken von antiken Schriftstellern wie Johann David Heilmans Kritische Gedanken von dem Charakter und der Schreibart des Thucydides aus dem Jahre 1758, und Beschreibungen von Herrschern und Schriftstellern zu finden. Beispiele für die Pragmatik der Charakter ist die Charakteristik der Poetik. Unter den Versionen des Gedichts Character of Atticus Alexander Popes befindet sich die im Jahre 1723 in Cythereia abgedruckte Version mit dem Vergleich von Cato und Addison:

Alike reserved to blame or not command,
A tim´rous Foe, and a suspicious Fried:
Fearing e´en Fools; by Flatterers besieged,
And so obliging that he ne´er obliged:
Willing to wound, and yet afraid to strike,
Just bit the Fault, and hestitated Dislike:
Who when Two Wits on rival Themes contest,
Approves of both, but likes the Worst the Best.
Like Cato, give his littke Senate Laws,
And sits attentive to his own Allplause,
While Wits and Templars ev´ry Sentence raise,
And wonder with a foolish Face of Praise
Who wonder with a foolish Face of Praise
Who would not laugh if such a man there be?
Who would not weep, if Addison were he.
(26)

Zurück zum Text  23. Wieland, Christoph Martin: Gesammelte Schriften. 1. Abteilung: Werke. IX . (14). Prosaische Schriften I. 1773-1783. Herausgegeben von Wilhelm Kurrelmeyer. Berlin 1928.S. 377.

Zurück zum Text  24. Wieland, Christoph Martin: Wielands Werke. 7. Band. Verserzählungen, Gedichte und Prosaschriften. Herausgegeben von Siegfried Mauermann. Berlin 1911. S. 222.

Zurück zum Text  25. Merck: An den Herausgeber des T. Merkurs. In: Merck: Werke. Bd. 2. S. 397.

Zurück zum Text  26. Pope, Alexander: The works of Alexander Pope. Part III. Poetry. 1871. S. 567.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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