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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Die Charakteristik.


In der zweiten Vorrede bemerkt er: "Charakteristik und Wahrheit würden durch der Ängste Glättung nur leiden." (31) Adolf Knigge bemerkt im fünften Kapitel seines Werkes Über den Umgang mit Menschen im Kapitel Über den Umgang mit Gelehrten und Künstlern zum Charakter des Gelehrten: "Beurteile nicht den moralischen Charakter des Gelehrten nach dem Inhalte seiner Schriften. Auf dem Papiere sieht der Mann oft ganz anders aus als in natura. Auch ist das so übel nicht zu nehmen. Am Schreibtische, wo man die ruhigste Gemütsverfassung wählen kann, wenn keine stürmischen Leidenschaften unsern Geist aus seiner Fassung bringen, da lassen sich herrliche moralische Vorschriften geben, die nachher in der wirklichen Welt, wo Reizung, Überraschung und Verführung von seiten der berüchtigten drei geistlichen Feinde uns hin und her treiben, nicht so leicht zu befolgen sind." (32) Jean Paul bemerkt in der Vorschule der Ästhetik (2. Abt., X. Prog., 59), daß die Form des Charakters eine Allgemeinheit im Besondern, allegorische oder symbolische Individualität ist. In der Nachschule (X. Prog.) bemerkt Paul, daß der ein oder andere Roman- und Lustspieldichter, der an seinem Genie den hungrigen Hund des Porträtmalers Huber besitzt einem Hund gleicht. Der Schreiber charakterisiert nur noch sich selbst. Jean Paul bemerkt in der Vorschule der Ästhetik (2. Abt., XI. Prog., 62-64), daß hinsichtlich des Verhältnis der Fabel zum Charakter Herder in seiner Xten Adrastea die Fabel über die Charakteristik setzt mit dem Hinweis, daß ohne Geschichte kein Charakter etwas vermöge.

Johann Gottfried von Herder beschreibt in der Abhandlung Über den Ursprung der Sprache im vierten Naturgesetz einen charakteristischen Plan, der den Menschen auszeichnet:

"Viertes Naturgesetz So wie nach aller Wahrscheinlichkeit das menschliche Geschlecht ein progressives Ganze von einem Ursprunge in einer großen Haushaltung ausmacht, so auch die Sprachen und mit ihnen die ganze Kette der Bildung. Der sonderbare charakteristische Plan ist bemerkt, der über einen Menschen waltet: Seine Seele ist gewohnt, immer das, was sie sieht, zu reihen mit dem, was sie sahe, und durch Besonnenheit wird also ein progressives Eins aller Zustände des Lebens - mithin Fortbildung der Sprache. Der sonderbare charakteristische Plan ist bemerkt, der über ein Menschengeschlecht waltet, daß durch die Kette des Unterrichts Eltern und Kinder eins werden und jedes Glied also nur von der Natur zwischen zwei andre hingeschoben wird, um zu empfangen und mitzuteilen - dadurch wird Fortbildung der Sprache." (33)

Jean Paul bemerkt in der Vorschule der Ästhetik über die Form des Charakters für die Dichtkunst, daß sie sich von der Darstellung des Individuellen unterscheidet:

" 59. Form der Charaktere Die Form des Charakters ist die Allgemeinheit im Besondern, allegorische oder symbolische Individualität. Die Dichtkunst, welche ins geistige Reich Notwendigkeit und nur ins körperliche Freiheit einführt, muß die geistigen Zufälligkeiten eines Porträts, d. h. jedes Individuums, verschmähen und dieses zu einer Gattung erheben, in welcher sich die Menschheit widerspiegelt. Das gemalte Einzelwesen fället, sobald es aus dem Ringe der Wirklichkeit gehoben wird, in lauter lose Teile auseinander, z. B. die Porträts in Footes trefflichen Lustspielen, wo sich indes das Zufällige der Charaktere schön in den Zufall der Begebenheiten einspielt. Je höher die Dichtung steht, desto mehr ist die Charakteristik eine Seelen-Mythologie, desto mehr kann sie nur die Seele der Seele gebrauchen, bis sie sich in wenige Wesen, wie Mann, Weib und Kind, und darauf in den Menschen verliert." (34)

Zurück zum Text  31. Seume, Johann Gottfried: Mein Leben nach Syrakus im Jahre 1802. Mein Sommer 1802. Herausgegeben von Jörg Drews unter Mitarbeit von Sabine Kyora. Frankfurt am Main 1993. S. XII.

Zurück zum Text  32. Knigge, Adolf von: Über den Umgang mit Menschen. Berlin 1991. S. 211.

Zurück zum Text  33. Herder, Johann Gottfried: Abhandlung über den Ursprung der Sprache. In: Herder, Johann Gottfried. Sämtliche Werke. Band V. Herausgegeben von Bernhard Suphan. Hildesheim 1967. S. 134.

Zurück zum Text  34. Jean Paul: Vorschule der Ästhetik. In: Sämtliche Werke. Herausgegeben von der Preußischen Akademie der Wissenschaften. Bearbeitet von Eduard Berend. Berlin 1937. S. 76.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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